Hamburg-News-media-it-creative-industries-innovation-future-business
South by Southwest 2014 - © SXSW/Merrick Ales

Social Business Modelle aus Hamburg bei South by Southwest

Rund 70 Hamburger Unternehmen präsentieren sich in den USA. Soziale und nachhaltige Geschäftsideen stehen im Vordergrund

Der März wird kreativ. Eine der weltgrößten Kreativwirtschaftskonferenzen für Musik, Film und Digitalwirtschaft, das South by Southwest Festival (SXSW), feiert vom 10. bis zum 19. März im texanischen Austin ihr 30-jähriges Jubiläum. Mehr als 70.000 Fachbesucher – vom Manager bis hin zum Künstler – reisen jährlich nach Texas, um die aktuellen und zukünftigen Trends der Kreativbranche vorzuführen und zu diskutieren. Stargäste in den vergangenen Jahren waren unter anderem Barack Obama, Edward Snowden und Mark Zuckerberg. Mit dabei ist auch die Hansestadt Hamburg, die sich als attraktiver Wirtschaftsstandort präsentiert, sowie rund 70 hamburgische Unternehmen und Startups.

„In einer globalisierten Welt ist es für viele Kreativunternehmen essentiell, international Präsenz zu zeigen und Kontakte knüpfen zu können“, sagt Dr. Carsten Brosda, Kultursenator. Die SXSW in Austin bietet dafür den idealen Rahmen, gilt sie doch als Sprungbrett in die USA und den Rest der Welt für junge, innovative Unternehmen.

Hamburg präsentiert sich in den USA

Finanziert durch die Stadt Hamburg und maßgeblich von der Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft und dem Reeperbahn Festival organisiert, finden Networking Events, Unternehmens- und Produktpräsentationen und Music Showcases statt. Die einzelnen Aktivitäten sind dabei vielfältig und reichen von Startup-Pitches, über Panel-Teilnahmen und Multiplikatorenveranstaltungen (zum Beispiel „Reeperbahn-Hamburgers“ als mehrfaches und gut etabliertes Format), bis hin zu internationaler PR und Medienarbeit. Die mitreisenden Hamburger Unternehmen können sich einbringen und die Gelegenheit nutzen bei diesen zahlreichen Veranstaltungen den Grundstein für eine internationale Expansion zu legen.

Vier Hamburger Unternehmen stellen dabei eine Besonderheit dar und präsentieren ihre Ideen aus dem Bereich Social Business. Die Unternehmen haben das Ziel soziale oder ökologische gesellschaftliche Probleme zu lösen. Vor allem in Hamburg gründen sich viele Unternehmen aus dem Bereich Social Business. „Hamburg hat eine enorme Wirtschaftskraft und schafft Innovation in vielen Bereichen, dazu kommt eine vielschichtige Kulturszene und sehr aktive Sozial-Unternehmen. Das bringt vor allem junge Menschen zu immer neuen Gründungsideen und Motivation, zu Veränderung beizutragen. In Hamburg lässt sich Unternehmertum sehr gut lernen und stärken, auch für uns als Social Impact Lab!“, sagt Julia Becker von Social Impact Lab, einem Unternehmen, das junge Social Business Startups aus Hamburg unterstützt.

Refugee First Response Center – Sprache hilft

Ein Hamburger Entrepreneur hat am 12. März die Möglichkeit sein soziales Innovationskonzept im offiziellen Programm der SXSW vorzustellen. Harald Neidhardt, Pionier der Digitalbranche und Initiator des Future City Campus, zeigt wie Technologie die Welt etwas besser machen kann.

Probleme in Entwicklungsländern wie Wasserknappheit, Hungersnöte oder aber grausame Kriege, führen gegenwärtig zu massiven Flüchtlingsbewegungen. Doch im neuen Land gibt es ganz andere Probleme: Sprachbarrieren. Viele Flüchtlinge müssen aufgrund ihrer schlechten Verfassung ärztlich versorgt werden. Doch wie soll sich ein Arzt, der weder Arabisch oder Farsi spricht, mit einem Patienten verständigen, der weder Deutsch noch Englisch sprechen kann? Mit Technik! „Technologie ist großartig und macht Spaß, sie kann aber auch wirklich sinnstiftend sein. Als sehr viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, haben wir überlegt, wie wir eigentlich helfen können,“ sagt Harald Neidhardt, Gründer des Medien- und Eventunternehmens Mlove, der gemeinsam mit Mirko Bass, Mitarbeiter des IT-Unternehmens Cisco Systems in Hamburg, eine Idee entwickelte: Ein mit Hightech ausgestatteter Container soll neben medizinischer Ausstattung über eine Netzwerk- und HD-Videoinfrastruktur verfügen, die einen schnellen und hochflexiblen Dolmetscherdienst per Bild und Ton ermöglichen.

Dolmetscher für etwa 50 verschiedene Sprachen stehen so innerhalb kurzer Zeit per Live-Videoschaltung zur Verfügung und können zwischen Patient und Arzt vermitteln. „Inzwischen werden zehn dieser smarten Container in Hamburg eingesetzt. Unser Konzept zeigt, durch Innovation können wir mit den gleichen Ressourcen mehr Menschen helfen. Gerade gehen auch in Griechenland und im Libanon die ersten Container live. Nun träumen wir davon, 100 dieser Container in Krisengebieten aufzustellen“, sagt Initiator Harald Neidhardt und hofft beim SXSW Festival viele Menschen für das Projekt begeistern zu können.

LemonAid – Trinkend die Welt verbessern

Was im Jahr 2008 als Projekt am heimischen Küchentisch begann, ist heute nicht mehr aus den Regalen von über 3.000 ausgewählten Gastronomien wegzudenken: die bunten Limonaden und Eisteesorten Lemonaid und Charitea. Gegründet wurde das Projekt LemonAid, mit dem Unternehmensziel sozialen Wandel aktiv mit zu gestalten. Das Ergebnis waren Limonaden und Eistees, die aus biologischen und fair gehandelten Zutaten bestehen. Neben Fairen Handel werden fünf Cent von jeder verkauften Flasche gespendet. So kamen bislang mehr als 1.200.000 Euro zusammen, die für unterschiedliche Projekte der Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung stehen. „Für unseren kleinen Saftladen ist es die erste Reise nach Austin. Outcome sollte ein wachsendes Netzwerk an Opinion-Leadern in den USA sein. Im besten Fall auch Entscheider von Startups aus dem Silicon Valley – damit wir auch dort in die Kühlschränke kommen“, schildert Gründer Jakob Berndt hoffnungsvoll seine Erwartungen.

Viva con Agua – Wasser für alle

Auch das Unternehmen Viva con Agua Wasser Gmbh ist ein Getränkehersteller und basiert auf der non-profit Organisation Viva con Agua, welche der ehemalige St. Pauli Spieler Benjamin Adrion nach einem Trainingslager in Kuba und der Konfrontation mit den dortigen Trinkwasserproblemen der Menschen ins Leben rief. Ziel des Unternehmens ist es die Organisation Viva con Agua noch bekannter zu machen und für das Problem der Wasserknappheit zu sensibilisieren. Für Viva con Agua ist das Mineralwasser der erste Schritt an der Schnittstelle zwischen NGO´s und Social Business aktiv zu werden. Mindestens 60 Prozent der Gewinne aus den Einnahmen des Wasserverkaufs werden in Projekte, die es Menschen ermöglichen, einen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu bekommen, investiert.

Aktuell gibt es Wasserprojekte in Kenia, Äthiopien, Uganda, Nepal und Indien. „Wir freuen uns im Rahmen des SXSW Festivals mit Hilfe der universellen Sprache, Kunst und Musik, Menschen für soziales Engagement und das globale Thema sauberes Wasser zu begeistern. 14 Künstler haben extra jeweils einen Song vom neuen Milky Chance Album Blossom visualisiert und zeigen auf schöne Art und Weise, wie sich kreative Menschen für sauberes Wasser engagieren können!“, freut sich Viva con Agua-Mitbegründer Michael Fritz.

Nüwiel – der intelligente Fahrradanhänger

Ein ökologisches Ziel verbirgt sich hinter dem Unternehmen Nüwiel. Mit einem intelligenten, elektrobetriebenen Fahrradanhänger, soll das Fahrrad eine noch bessere Alternative zum Auto darstellen, um so Lärm, Staus und Luftverschmutzung zu vermeiden. Motorisierte Lastenträger gibt es zwar bereits, aber die intelligente Technologie ist bisher einzigartig. Die innovativen Sensoren messen die Distanz zwischen Fahrrad und Anhänger. Geht es zum Beispiel steil bergab, senden sie ein Signal über das Kontrollsystem an die Bremsen. Geht es bergauf, gelangt das Signal zum Motor. Durch diese Technik weiß der Anhänger genau, ob er beschleunigen oder bremsen muss. Der Fahrer merkt das Gewicht des Lastenträgers nicht und ist viel sicherer im Straßenverkehr unterwegs. „Bei den Wettbewerben geht es in erster Linie darum, unser Netzwerk zu erweitern. Natürlich loten wir dabei auch unser Marktpotenzial aus“, sagt Mitgründerin Natalia Tomiyama und freut sich ihre kreative und innovative Idee aus dem Bereich des Social Business beim South by Southwest Festival in Austin vorzustellen.
mm/mb/kk

Quellen und weitere Informationen:
SXSW
Veranstaltungsplan
Hamburg Social Impact
Viva con Agua
LemonAid
Mlove und RFRC
Nüwiel

Weitere Artikel

  • Es gibt keine älteren Artikel in dieser Kategorie.
  • Es gibt keine neueren Artikel in dieser Kategorie.