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© Apartimentum mlove Martin Brinckmann

Wie wir morgen leben werden: Smarthome-Technologie in Hamburg

SERIE Digitaler Wandel, Teil 6: Im „Living Place“ der HAW wird die Zukunft erforscht, im Apartimentum übernehmen die Geräte das Denken

Türschlösser, die kontaktlos per Bluetooth LE funktionieren, Briefkästen, die einen Hinweis geben, wenn neue Post eingeworfen wurde, ein Lichtleitsystem, das Gästen den Weg weist und ein Fahrstuhl der per App zu rufen ist. Selbst das Badewasser kann aus der Ferne eingelassen werden, etwa während der Bewohner in die Garage einfährt und sein (E-)Auto mit den Ladestationen von „Mennekes“ verbindet.

Apartimentum: Großes Opening Ende Juli

All das präsentiert Hausherr und XING-Gründer Lars Hinrichs der Öffentlichkeit Ende Juli beim großen Opening des Apartimentums. Die ersten Mieter der aktuell 20 Wohnungen werden ab September erwartet. Sie zahlen keine Miete, in Deutschlands intelligentestem Haus wird eine monatliche „Flatfee“ erhoben. Die beträgt für eine technisch vollausgestattete Wohnung mit Samsung 75 Zoll Fernseher, Sonos Sound System, sowie Waschmaschine und Trockner ab 4.000 Euro inklusive aller Nebenkosten. Die Gesamtkosten für das Projekt in Hamburg Rotherbaum belaufen sich auf etwa 35 Millionen Euro.

Im „Living Place“ wird die Zukunft erforscht

Was eben noch Science Fiction war, ist im SmartHome von Lars Hinrichs inzwischen Realität. Eine Vielzahl weiterer intelligenter Anwendungen wird nur rund fünf Kilometer entfernt erforscht – im „Living Place“. Das 140 qm große Loft auf dem Gelände der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) ist komplett mit „SmartHome“-Technologie ausgerüstet. Studierende und Postgraduierte verschiedener Studienrichtungen testen hier unter Realbedingungen digitale Lösungen für Arbeit und Privatleben.

Sensoren im Bett und interaktive Badezimmer-Spiegel

Die SmartHome-Technologie greift schon am frühen Morgen. Registrieren die Sensoren im Bett, dass sich der Schläfer viel hin und her gewälzt hat, schließt das System auf eine unruhige Nacht und wählt einen sanften beruhigenden Licht-Akustik-Modus zum Wachwerden. Geht zudem draußen ein Regenschauer nieder, bleiben die Rollos unten und die Lichtanlage simuliert einen Sonnenaufgang. Statt schlecht gelaunt, startet der Bewohner entspannt in den Arbeitstag. Ebenfalls schon im Stadium des Prototyps: Ein interaktiver Badezimmer-Spiegel, der News, den Wetterbericht, Terminkalender und Emails anzeigt.

Wohn- und Arbeitswelt wachsen zusammen

„Dank digitaler Vernetzung wachsen Wohn- und Arbeitswelt immer enger zusammen und die Gruppe derer, die zumindest zum Teil zu Hause arbeiten, nimmt stetig zu“, weiß HAW-Professor Kai von Luck von der Fakultät Technik und Informatik. Die SmartHome-Technologie versucht beide Welten harmonisch zu vereinen. Ein Beispiel: Noch eine halbe Stunde Zeit bis zum Meeting, der SmartHome-Bewohner lässt sich aufs Sofa fallen. Dank integrierter Sensoren, reagiert das intelligente Haus mit gedämpftem Licht und ruhiger Musik – bis das Projektteam erscheint. Sobald sich die Haustür öffnet, wird es automatisch wieder hell im Raum.

Nach einigen Stunden konzentrierten Arbeitens gäbe es nun buchstäblich dicke Luft. Nicht so im intelligenten Haus. Sensoren prüfen den Sauerstoffgehalt und öffnen bei Frischluftbedarf die Fenster, parallel dazu wird die Heizung runter geregelt. Stimmt die Luftqualität wieder, läuft alles umgekehrt.

Im Creative Space auf Disruption vorbereiten

Schöne neue Welt. Doch gerade Klein- und mittlere Unternehmen werden zunehmend vom Begriff „Disruption“ aufgeschreckt. „Zu uns kommen immer mehr Unternehmer, die sich über den aktuellen Forschungsstand informieren möchten. Und die sich ganz konkret fragen: Aus welcher Richtung droht meinem Unternehmen Gefahr und wie kann ich reagieren?“, so von Luck.

Wer nicht nur reagieren, sondern selbst die Zukunft mitgestalten möchte, erarbeitet Zukunftsvisionen im „Creative Space for Technical Innovations“. Das „Lab in process“, das das Living Place ergänzt, bietet Unternehmen die Möglichkeit sich intensiv mit strategischen Fragen auseinander zu setzen, für die im Alltagsgeschäft keine Zeit bleibt. „Dabei geht es etwa um innovative Ideen wie die digitale Zukunft des Unternehmens zu gestalten ist und wie Produkte und Kundenbeziehungen entsprechend anzupassen sind“, erläutert von Luck.

Parallel dazu wird im Creative Space von den Studierenden im Feld „Human Computer Interaction“ (HCI) geforscht. „Ein Projekt an dem wir hier gerade arbeiten ist die Gesten-Interpretation“, erzählt von Luck. „Ein Mensch positioniert sich frei im Raum und ist durch bloße Gesten in der Lage Vorhänge auf und zuzuziehen.“ Noch gehört diese Anwendung viel-leicht eher in den Bereich Science Fiction. Noch.
ys/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.apartimentum.com
www.livingplace.informatik.de

Zu der Serie Digitaler Wandel erschienen in den Hamburg News bereits diese Folgen:
Teil 1: Cyber-Bedrohungen erkennen und verhindern
Teil 2: Handwerk in Hamburg stellt Weichen für eine digitale Zukunft
Teil 3: Nahverkehr auf Zukunftskurs
Teil 4: Hamburgs Gesundheitswesen: Impulse durch innovative Startups

„Living Place“

Der „Living Place“ wurde am 28. Oktober 2011 eröffnet. Zum Forschungs-Team gehört eine wechselnde Zahl von Studierenden und Post-Graduierten verschiedener Fachrichtungen – von Informatikern, Elektrotechnikern und Designern über Maschinenbau-Ingenieuren oder Architekten bis zu Psychologen und Sozialpädagogen.
Seit Oktober 2015 wird zudem das interdisziplinäre Labor “Creative Space for Technical Innovations” aufgebaut, das für die Jahre 2015-2019 von der Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation und aus dem Zukunftsfond der HAW Hamburg jeweils anteilig finanziert wird.
www.creative-space.haw-hamburg.de

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