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E-Roller Floatility - © Floatility

Smart-City-Projekt: Im Schwebemodus durch die Innenstadt

Mit einer E-Roller-Flotte könnte in Hamburg ein innovatives Sharing-Angebot dazukommen. Auch in Singapur sind die "Floatility"-Roller geplant

Car2go, DriveNow, Stadtrad und Janoo – in Hamburg gibt es zahlreiche Mobilitäts-Lösungen nach dem Sharing-Prinzip. Bald schon könnte ein neues Gefährt in die Riege der Sharing-Konzepte aufgenommen werden: ein Scooter. Und zwar kein kindlicher Tretroller, sondern der E-Scooter Floatility. Zwölf Kilogramm wiegt das Kunststoff-Gestell, mit dem der Fahrer mit bis zu 25 Kilometer pro Stunde über Asphalt, Kopfsteinpflaster und Rollsplit schweben (“floaten”) soll.

Zwei Standorte

Ideengeber für Floatility ist der Wirtschaftsingenieur Oliver Risse, der seit über 15 Jahren im CleanTech-Bereich arbeitet. Seine Leidenschaft gilt Smart-City-Technologien, Elektromobilität und nachhaltigen Konzepten. Seit mehr als 10 Jahren lebt und arbeitet Risse zwischen Singapur und Hamburg, entwickelt Businesskonzepte und unterstützt junge Unternehmen. 2010 gründete er den Inkubator OneNorth Ventures Pte Ltd. Aktuell ist Risse ausschließlich mit der Weiterentwicklung von Floatility beschäftigt. Für seinen neuesten Coup unterhält der Unternehmer sowohl in Hamburg als auch in Singapur ein Büro.

Sitzbank als Solarstation

Floatility soll eine umweltfreundliche Lösung für die Fortbewegung im Stadtgebiet sein. Der Antrieb der E-Roller erfolgt mit Hilfe von Solarenergie. Als Ladestation hat Risse von dem Hamburger Photovoltaik-Produzenten SolarNova eine Solarstation in Form einer Sitzbank entwickeln lassen. “Die Bänke können völlig unkompliziert und flexibel aufgestellt werden”, so Risse. Innerhalb von 1,5 bis 2 Stunden seien die Roller vollständig geladen, um dann rund 15 Kilometer emissionsfrei durch die Innenstadt zu floaten. Um die Hamburger City abzudecken, kalkuliert Risse mit 10 bis 20 Solarbänken. Die Floatility-App, mit der Roller und Ladestationen geortet werden können, sei bereits betriebsbereit.

Potenzial auf beiden Märkten

Hamburg und Singapur sind die beiden Testmärkte für Floatility. “In Singapur und Hamburg können wir die Tauglichkeit des Rollers unter völlig verschiedenen Witterungsbedingungen prüfen”, so Risse. Potenzial für den E-Roller sieht der Unternehmer auf beiden Märkten. In Singapur machten die tropischen Temperaturen das Fahrradfahren im Innenstadtbereich beinahe unmöglich. “Jede körperliche Betätigung ist unangenehm bei heißen, schwülen Temperaturen”, erklärt Risse. Und auch in Hamburg bringe Floatility neue Vorteile. So könnte der E-Roller zum Beispiel auch zu Stoßzeiten in die U-Bahn mitgenommen werden, da er sich handlich und platzsparend zusammenklappen ließe.

Modulare Fertigung

Zustande gekommen ist das Projekt in Kooperation mit dem Chemie- und Kunststoffkonzern BASF. 2015 startete das Unternehmen mit mehreren Gründern ein „Co-Creation“-Programm zu Themen des städtischen Lebens, Energie und Ernährung. Für Floatlity stellt BASF spezielle Verbund- und Kunststoffwerkstoffe zur Verfügung, die von einem Stuttgarter Maschinenbauer in Indonesien zu den einzelnen Modul-Teilen des Rollers verarbeitet werden. Die Endfertigung nimmt Risse mit seinen fünf Arbeitskollegen an den Standorten in Hamburg und Singapur vor.

MakerLAB HH

In Hamburg hat Risse sein Büro mit angeschlossener Werkstatt auf dem MLOVE Future City Campus in der HafenCity. MLOVE-Gründer Harald Neidhardt hat die Fläche im Baakenhafen als Austausch- und Arbeitsplattform für Gründer im Bereich der nachhaltigen Stadtentwicklung konzipiert. Hier hat Risse in mehreren See-Containern mit Blick auf die HafenCity Universität seinen “MakerLAB HH” eingerichtet. Das Büro spiegle das gesamte Konzept von Floatility. Risse: “Es ist kompakt und modular. Die Container können jederzeit flexibel an einen anderen Ort verlagert werden.”

Die letzten Meile

Wie stellt Risse sich die Zukunft von Floatility vor? “Mit einer Flotte von rund 500 E-Rollern könnten wir hier in Hamburg und auch in Singapur das Innenstadtgebiet abdecken”, sagt der Unternehmer. Zur Finanzierung des Projektes seien bereits zwei Seed-Runden erfolgreich abgeschlossen worden, eine dritte soll zeitnah folgen. Als Konkurrenz zu bisherigen Sharing-Anbietern sieht Risse sein Konzept nicht. “Mit dem E-Floater wollen wir das Problem der letzten Meile lösen”, meint der Gründer. Damit sind kurze Strecken von maximal fünf Kilometer Länge gemeint. “Das kann der Weg zur Arbeit oder vielleicht auch nur die Strecke zur U-Bahn sein”, so Risse.

Rechtliche Hürde

Bis es so weit ist, gilt es jedoch noch eine Hürde zu überwinden. “Der E-Roller im Sharing-Modell befindet sich derzeit noch in einer rechtlichen Grauzone”, erklärt Risse. Die bisherige Verordnung für Fahrräder als Sharing-Fahrzeuge müsse um E-Roller erweitert werden. Auch in Singapur sei die entsprechende Gesetzeslücke noch nicht angepasst. Risse hofft, dass die rechtlichen Hürden binnen weniger Monate ausgeräumt sind. Dann soll die erste Flotte in Produktion gehen.

Tagesausflüge mit E-Roller

Solange der E-Scooter als Sharing-System im öffentlichen Bereich noch nicht einsetzbar ist, entwickelt Risse Ideen für weitere Anwendungsgebiete. Großes Potenzial sieht der Gründer für die Nutzung seiner E-Scooter auf weiträumigem Werksgelände von Unternehmen. Eine Anfrage habe er bereits von der BASF-Niederlassung in Shanghai erhalten. Ein weiteres Einsatzgebiet sieht der Unternehmer im Tourismusbereich. Besucher, die von Kreuzfahrtschiffen zu Tagesausflügen in die Hansestadt kommen, könnten die City mit dem E-Floater erkunden. Für die Umsetzung seiner Idee sei Risse bereits mit Kreuzfahrtunternehmen im Gespräch.
ca/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.floatility.com
www.onenorthventures.com
www.mlove.com

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