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Stefan Ritt, Head of Global Marketing & Communications der SLM Solutions Group AG - © SLM Solutions Group AG

SLM-Solutions: Wegbereiter einer leisen Revolution

Von der Gesundheitstechnik bis zur Luftfahrt - die Industrie wird derzeit von einer wahren Revolution erfasst. Ein Pionier kommt aus der Hansestadt Lübeck

Was der Laie als 3D-Drucker kennt, nennt der Insider Selective Laser Melting (SLM). Gemeint ist eine Technologie, die nichts geringeres ist als eine Revolution in der Metallverarbeitung. Bei SLM wird nämlich ein Metallteil nicht durch Fräsen, Schneiden und Bohren aus einem Rohling herausgearbeitet, sondern von Grund auf neu aufgebaut. Der Rohstoff dafür ist ein mikroskopisch feines Metallpulver. Die Technologie beruht auf einem Laserstrahl, der dieses Pulver gezielt zum Schmelzen bringt und dabei Schicht für Schicht die Form aufbaut, die der Konstrukteur an seinem CAD-System entwickelt hat.

Einer der Pioniere dieser Technologie sitzt in der Metropolregion Hamburg, genauer gesagt in der alten Hansestadt Lübeck. Die SLM Solutions Group AG trägt das Kürzel SLM bereits im Firmennamen und wurde in seiner jetzigen Form 2011 gegründet. Die Wurzeln reichen jedoch bis ins Jahr 1957 zurück. Bereits seit 2008 baut man eigene SLM-Maschinen, die weltweit vertrieben werden. Dahinter stehen derzeit rund 340 Mitarbeiter am Hauptsitz in Lübeck und eigenen Niederlassungen in Shanghai, Singapur, Detroit, Moskau und bald auch im indischen Bangalore.

Metall nimmt neue Formen an

Die SLM Solutions Group AG konzentriert sich gezielt auf den besonders anspruchsvollen Bereich der Metallverarbeitung. „Wir arbeiten mittlerweile bereits mit der fünften Maschinengeneration“, beschreibt Dipl. Ing. Stefan Ritt die rasante Entwicklung der Technologie, die Mitte der 90er Jahre von einem deutschen Firmenkonsortium in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut entwickelt wurde. Ritt ist Head of Global Marketing & Communications des Unternehmens. Schon aus seiner 16-jährigen Tätigkeit als Export-Vertriebsleiter kennt er den Markt bestens und berichtet von jährlichen Wachstumsraten von derzeit bis zu 100 Prozent.

Wer sich mit SLM näher beschäftigt, spürt schnell, was den Markt antreibt. Mit dieser Technologie lassen sich Metallteile mit Geometrien realisieren, wie sie bisher nahezu undenkbar waren. Zum Beispiel federleichte Aluminiumkonstruktionen im Flugzeugbau, die innen hohl sind, ohne dabei an Festigkeit einzubüßen. Hier arbeitete die SLM Solutions Group zum Beispiel mit EADS Innovation Works zusammen, wo neue Leichtbau-Technologien für den Flugzeugbau von morgen erforscht werden.

Fortschritt für die Medizintechnik

Auch die Automobilindustrie ist hellhörig geworden. So setzt zum Beispiel die Technologieentwicklung Gießen der Audi AG eine Maschine von SLM Solutions ein, um mithilfe der Laserschmelztechnik leichtere und dennoch hochfeste Fahrzeugbauteile zu entwickeln. Denn weniger Gewicht heißt auch hier weniger Treibstoffverbrauch und mehr Zuladung.

Noch spannender wird die Sache in der Medizintechnik. „Denken wir an Implantate,“ erklärt Ritt: „Früher wurden sie aus einer Titanlegierung geschmiedet und der Chirurg musste am Operationstisch entscheiden, welche Standardgröße am ehesten zu seinem Patienten passt. Heute wird das Umfeld einfach eingescannt und es entsteht ein Hüftgelenk, das exakt auf den übrigen Knochenbau abgestimmt ist.“ In enger Zusammenarbeit mit medizinischen Forschungseinrichtungen laufen unter anderem auch Versuche mit Metallschienen aus Magnesium: „Die werden nach dem Heilungsprozess einfach vom Körper resorbiert, sodass man künftig wohl auf eine zweite Operation zur Entfernung des Metalls verzichten kann.“

Fiktion und Wirklichkeit

3D-Druckern werden manchmal wahre Wunderdinge angedichtet. So soll zum Beispiel ein einfacher 3D-Datensatz aus dem Internet genügen, um ein funktionsfähiges Gewehr herzustellen. „Das ist reine Theorie,“ meint Ritt und verweist auf die Grenzen von SLM. „Es lassen sich zwar alle schweißbaren Metalle verarbeiten und das Ergebnis weist praktisch dieselben Materialeigenschaften auf, wie herkömmlich bearbeitetes Metall. Aber wo es auf höchste Präzision ankommt, ist nach wie vor eine mechanische Nachbearbeitung erforderlich.“ Dasselbe trifft zu, wenn eine ganz bestimmte Oberflächengüte verlangt wird. Hier werden auch SLM-Metallteile wie gehabt geschliffen, poliert und beschichtet.

Momentan ist das selektive Laserschmelzen meist noch langsamer und teurer als die herkömmlichen Verfahren zur Metallbearbeitung. Aber die Revolution ist nicht mehr aufzuhalten und schon bald werden Konstrukteure nicht mehr fragen, was technisch machbar ist, sondern einfach konstruieren, was gefordert wird.
sw/mh/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.slm-solutions.de

Forschung und Entwicklung in der Metropolregion Hamburg

Die Metropolregion gilt als als eine der stärksten Wirtschaftsregionen Europas. Zukunftsbranchen wie Luftfahrt, Erneuerbare Energien, Life Science, Logistik oder Nahrungsmittel sorgen für einen wachsenden Arbeitsmarkt, qualifizierte Fachkräfte und weltweiten Ruf. International bekannte Marken wie Airbus, OTTO, Tchibo, Beiersdorf oder Olympus prägen den Hamburger Wirtschaftssektor und bieten attraktive Arbeitsplätze. Mit renommierten Forschungseinrichtungen, an denen mehr als 10.000 Forscherinnen und Forscher tätig sind und 36 Hochschulen spielt der Norden Deutschlands auch in der Wissenschaft eine wichtige Rolle. Als weltweit zukunftsweisend gilt zum Beispiel das internationale Projekt „European XFEL“: Ausgehend vom Forschungszentrum DESY in Hamburg entsteht derzeit der weltweit größte und leistungsstärkste Röntgenlaser, mit dem Wissenschaftler aus aller Welt forschen werden. Die unterirdische Foschungsanlage öffnet noch in diesem Jahr. 11 Länder sind an dem Projekt beteiligt. Weitere Informationen unter www.metropolregion.hamburg.de

Die Metropolregion Hamburg wächst und fördert Innovationen

Die Metropolregion Hamburg bildet die Heimat von 5,3 Millionen Einwohnern – das ist etwas mehr als die Einwohnerzahl in Norwegen. Sie reicht von Cuxhaven bis Schwerin, von Lübeck bis in die Lüneburger Heide und ist damit fast so groß wie Belgien.
In dieser Konstellation ist die Großstadtregion heute eine der dynamischsten und wirtschaftsstärksten in Europa. Das Thema Innovation wird groß geschrieben, die bundeslandübergreifende Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung sorgt für eine solide Basis und sichert die hohe Lebensqualität und Beschäftigung der gesamten Region.

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