Hamburg-News-media-it-creative-industries-innovation-future-business
Pepper  - © Yvonne Scheller

Pepper, Watson und Konsorten - Künstliche Intelligenz ganz nah

Roboter könnten uns bald in Banken oder Hotels begrüßen. Die Hamburg News sprachen mit dem Leiter der IBM Watson Group in Hamburg

Hamburg News sprach mit Dr. Wolfgang Hildesheim. Der Leiter der IBM Watson Group Deutschland, Österreich und der Schweiz arbeitet mit seinem Watson-Team von Hamburg aus.

Künstliche Intelligenz (KI) ist schwer greifbar. Auf der CeBIT Mitte März präsentierte die IBM deshalb u.a. die Roboter Pepper und NAO, die dank des selbstlernenden Computerprogramms Watson Fragen der Messebesucher beantworten konnten. So erklärte Pepper beispielsweise, was eine Aktie ist oder beantwortete weitere Fragen aus der Welt der Finanzen. Denn die Finanzbranche ist ein Bereich, in dem Watson in Zukunft verstärkt eingesetzt werden dürfte, wenn auch nur einer von vielen.

Fünf grundsätzliche Anwendungsfälle für Watson

„Wir haben an die 100 Projekte in den letzten zwei bis drei Jahren durchgeführt und dabei haben sich fünf grundsätzliche Anwendungsfälle herauskristallisiert, welche in allen Industrien vorkommen“, erklärt Dr. Wolfgang Hildesheim, Leiter IBM Watson für Deutschland, Österreich und die Schweiz. So könnte Watson als intelligenter, virtueller Agent beispielsweise im E-Banking, E-Ticketing oder E-Procurement eingesetzt werden oder als Assistent in Call- und Service-Centern seine menschlichen Kollegen mit Hintergrund-Informationen versorgen – und das in rasender Geschwindigkeit.

Im Input Management hat Watson gelernt, eingehende Briefe und Mails in Kategorien wie Bestellung, Beschwerde oder Kündigung einzuordnen „und das selbst, wenn der Text ironisch verfasst ist“, betont Hildesheim. Somit können beispielsweise Mitarbeiter in der Poststelle entlastet und unterstützt werden. Dann ist da noch der Bereich der Trend-Analyse. „Watson erkennt auf Basis von Informationen aus sozialen Medien, wissenschaftlichen Artikeln oder Zeitungen schon sehr früh, wo sich ein neuer Trend entwickelt“, fährt der KI-Experte fort.

Mit dem fünften Anwendungsfall sind wir wieder bei Pepper. Roboter könnten in Zukunft Kunden in Banken oder Gäste in Hotels begrüßen, denn dank Watson-Technologie können sie erste Auskünfte erteilen oder über Hotelausstattung und lokale Touristenattraktionen plaudern.

Watson kann Leben retten

„In diesen fünf Bereichen ist Watson bereits stark eingebunden“, sagt Hildesheim. Doch KI kann noch viel mehr. Das kognitive System kann in der Krebsdiagnose eingesetzt werden und fundierte Therapievorschläge liefern. Watson kann also dazu beitragen, Leben zu retten. Der amerikanische Journalist und Buchautor Jay Tuck warnte hingegen jüngst auf der Social Media Week in Hamburg: „KI wird uns töten“. Hildesheim kennt die Bedenken und winkt ab.

Nein, KI werde die Menschheit nicht ausrotten. „Kognitive Systeme wie IBM Watson werden entwickelt, um Menschen zu helfen, ihre täglichen Aufgaben besser zu bewältigen und nicht, um den Menschen zu ersetzen. Wir sind auf dem Weg ins kognitive Zeitalter.“ Das sei eine echte Revolution. Wir hatten einst die industrielle, dann die digitale und nun die kognitive Revolution. “Und Watson ist eine kognitive Plattform, die in der gesamten Bandbreite unserer Wirtschaft einsetzbar ist.“ Dadurch würden neue Jobrollen geschaffen und die Unternehmen könnten ihre Wettbewerbsfähigkeit ausbauen.

Mehr Zeit für kreative und intelligente Aufgaben

Tatsächlich könne KI das Zusammenleben der Menschen in quasi allen Bereichen deutlich verbessern, und das, obwohl wir erst am Anfang der Entwicklung stehen. „Wir werden noch gewaltige Innovationen erleben“, ist Hildesheim überzeugt.

Etwa solche, die mich meinen Job kosten, wenn Watson die Hamburg News übernimmt? Wieder beruhigt Hildesheim: Die KI übernehme nicht, sondern stelle eine wertvolle Ergänzung und Unterstützung für die gesamte Berufswelt dar. „Watson kann Text-, Bild- und Audioquellen in großer Geschwindigkeit analysieren und die Ergebnisse dem Menschen zur Verfügung stellen, der so mehr Zeit für kreative und intelligente Aufgaben hat.“

Darüber hinaus schaffe Watson Jobs: „Computerlinguisten oder Spezialisten, die auf die Be- und Verarbeitung von Big Data spezialisiert sind, stellen neue Tätigkeitsfelder dar“, erklärt Hildesheim. Denn Watson kann nur lernen, wenn er mit großen Datenmengen gefüttert und anschließend für ein bestimmtes Fachgebiet trainiert wird. „Von eigenständig-intelligenten Maschinen sind wir noch weit entfernt. Tatsache ist: Maschinen können keine klugen Artikel und auch keine romantischen Love-Stories schreiben.“
ys/kk

Watson

Der Erfolg bei der amerikanischen Quizshow Jeopardy 2011, als Watson seine beiden menschlichen Mitspieler um Längen schlug, hat das Verständnis und die Einordnung von KI grundsätzlich verändert. Kognitive Systeme wie Watson sind heute vielfältig einsetzbar und unterstützen Menschen in fast allen Branchen: Im Gesundheitswesen, etwa in der Krebs-Diagnostik, in der Industrie, beispielsweise in der Wartung, als Berater für die Energieoptimierung oder in der Abwehr von Cyberangriffen. Außerdem als Beschwerdemanager, in der Vermögensberatung, als Einkaufsberater oder im Bereich von Fahrerassistenzsystemen – um nur einige Beispiele zu nennen.

Weitere Informationen unter:
www.ibm.com

Weitere Artikel

  • Es gibt keine älteren Artikel in dieser Kategorie.
  • Es gibt keine neueren Artikel in dieser Kategorie.