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Big Brother spielen - © Osmotic Studios

Osmotic Studios: Big Brother spielen

Das Hamburger Game-Startup ist ein Beispiel dafür, dass es sich lohnt, an seine Idee zu glauben, auch wenn es mal schwer wird

Ein Terror-Anschlag ist geplant. Es ist nicht der erste und wird nicht der letzte sein. Um Attentate und terroristische Komplotte zu verhindern, setzt der Staat auf umfassende Überwachung. In die Rolle von Big Brother schlüpft der Spieler, der dank der Software Orwell – nach dem Autor von „1984“: George Orwell – Zugriff auf alle im Netz veröffentlichten Daten, sowie private Gespräche und Dokumente der auszuspähenden Person hat. Die Weitergabe der „recherchierten“ Daten bestimmt den Spielverlauf. Doch ist diese Person tatsächlich ein potentieller Terrorist oder ein harmloser Bürger? Wie weit darf Überwachung im Namen eines übergeordneten Ziels gehen? Das ist das Szenario des narrativen Explorations-Spiels Orwell des Hamburger Startups Osmotic Studios.

HAW-GründungsService und EXIST

Hinter Osmotic Studios stehen die Spiele-Entwickler Melanie Taylor, Michael Kluge und Daniel Marx, HAW-Alumni, die sich im Master-Studium Games kennengelernt und im April 2014 zusammen Osmotic Studios gegründet haben. Maßgebliche Unterstützung bekamen sie dabei von ihrer Hochschule: Über den HAW-GründungsService erhielten sie ein kostenloses Büro und den Tipp, sich für das EXIST-Gründerstipendium zu bewerben – mit Erfolg. Doch als nach einem Jahr die finanzielle Förderung auslief, war noch immer kein Verlag in Sicht.

Politisch-gesellschaftskritisch und experimentell

„Wir haben uns bei vielen Publishern vorgestellt und uns wurde auch immer wieder bescheinigt, ein wirklich interessantes Konzept mit einem innovativen Ansatz entwickelt zu haben. Nur war das dann am Ende vielleicht ein Stück weit zu innovativ-experimentell“, erzählt Melanie Taylor. Mit einem ´proven concept`, das eine breite Zielgruppe anspricht, hätte es das junge Gründerteam sicher leichter gehabt. „Unser Spiel ist politisch-gesellschaftskritisch, experimentell und sehr textlastig“, führt sie aus. Das sei schon eher ungewöhnlich.

Networking auf der Indie Gameleon

Es sah also eher düster aus für Orwell – bis zur Indie Gameleon im September 2015. Nach zwei Jahren im niederländischen Groningen, fand das viertägige Festival der Games-Entwicklungsbranche zum ersten Mal in Hamburg statt. Die beiden Städte sind partnerschaftlich verbunden und wo wurde das Festival von Hamburg und Groningen sowie der gamecity:Hamburg mit dem Ziel unterstützt, professionelle Entwickler und Studierende sowie Nachwuchstalente der Spieleszene zusammenzubringen. Durch das aktive Networking beim Festival kam Osmotic Studios in Kontakt mit dem australischen Indie Label Surprise Attack. „Die hatten bereits ein ähnliches, erfolgreiches Spiel herausgebracht, Hacknet. Da konnten wir anknüpfen“, erzählt Melanie Taylor.

So kam es zum Happy End: Ende 2016 soll Orwell auf der US-Plattform Steam erscheinen. „Erst für PC, dann vielleicht Mac und Linux.“ Künftigen Entwicklern rät die Gründerin, unbedingt an ihr Projekt zu glauben und nicht aufzugeben. „Wir haben wirklich viele Absagen erhalten. Aber wir haben auch viel Feedback bekommen. Das haben wir sehr ernst genommen und so unser Spiel weiterentwickelt und verbessert.“

Hamburg ist Spiele-Standort Nr.1

Stefan Klein, Leiter gamecity:Hamburg, nennt die möglichst weitreichende Vernetzung als wesentliches Element für einen erfolgreichen Start in der Gaming-Industrie. Dafür steht auch die 2003 gestartete Initiative gamecity:Hamburg mit aktuell 2.000 Mitgliedern. „gamecity:Hamburg hat sich zum Ziel gesetzt, die hiesige Gaming-Branche möglichst international zu vernetzten, um voneinander zu lernen und Lösungsstrategien zu teilen.“

Längst ist die technisch-innovative Gaming-Industrie ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor geworden. Klein sieht die Hansestadt gut aufgestellt: „2012 ist an der HAW-Hamburg Deutschlands erster Master-Studiengang Games gestartet. Und bezogen auf die Größe des Bundeslandes gibt es in Hamburg die meisten Unternehmen der Spiele-Industrie: 153 Unternehmen stellen aktuell 4.500 Arbeitsplätze. Das macht uns zum Standort Nr. 1 in Deutschland.“
ys/kk

Quelle und weitere Informationen:
www.osmotic-studios.de
www.surpriseattackgames.com
www.haw-hamburg.de/gruendungsservice
HAW-Master-Studium Games

gamecity:Hamburg

gamecity:Hamburg, ein Projekt der Initiative nextMedia.Hamburg, kümmert sich um optimale Standortbedingungen für die in Hamburg ansässigen Unternehmen digitaler Spieleunterhaltung und unterstützt sie dabei, Kooperationen und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Darüber hinaus bietet gamecity:Hamburg ein umfassendes Serviceangebot: Von Branchentreffen und gemeinsamen Messeauftritten über Zugang zu günstigen Büroflächen oder Startup-Beratung bis zu Qualifizierungsmaßnahmen und Know-How-Transfer unterschiedlichster Art.
www.gamecityhamburg.de

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