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Silicon Hamburg - © NXP

NXP-Vorstand Rüdiger Stroh: Fokus auf digitale Märkte

Sicherheit ist das Kerngeschäft von NXP Semiconductors Germany GmbH. Stroh spricht in den Hamburg News über Industrie 4.0 und das Auto der Zukunft. SERIE Teil 3

Rüdiger Stroh, Executive Vice President, Mitglied des internationalen Konzernvorstands von NXP und General Manager für den Geschäftsbereich Security & Connectivity, berichtet im Interview mit den Hamburg News über die rasante Entwicklung der Digitalisierung, Cybersecurity im Allgemeinen und das sicher vernetzte Auto im Speziellen.

Konzentration auf digitale Zukunftsmärkte

Es tut sich einiges bei NXP – und damit in Hamburg. Schließlich ist die Hansestadt Hauptsitz von NXP Deutschland. 2015 stieg das niederländische Unternehmen durch die Fusion mit dem US-Unternehmen Freescale zum führenden Halbleiterproduzenten in Europa auf. Ende Oktober 2016 hat der US-amerikanische Chip-Anbieter Qualcomm die Übernahme von NXP für 47 Milliarden Dollar angekündigt. Vorbehaltlich der Prüfung und Zustimmung durch die zuständigen Behörden soll die geplante Transaktion die Technologieführerschaft beider Unternehmen in strategisch wichtigen Bereichen komplementär ergänzen. Das gelte insbesondere bei sicheren mobilen Chiplösungen, im Bereich sichere Verbindungen für das Internet der Dinge und im Bereich Automotive Halbleiter. Auch wenn sich zum jetzigen Zeitpunkt noch keine konkreten Aussagen über Auswirkungen auf einzelne Standorte treffen lassen, so ist sicher davon auszugehen, dass Hamburg als Sitz der beiden zentralen Bereiche Internet of Things Security und Automotive dabei eine erhebliche Bedeutung haben wird.

Fokus auf Sicherheit im Internet

Ebenfalls 2016 verkaufte der niederländische Chiphersteller seine Standardhalbleiter-Sparte an ein Konsortium chinesischer Finanzinvestoren für einen Kaufpreis von rund 2,75 Milliarden Dollar. Der Verkauf soll im ersten Quartal 2017 abgeschlossen sein, wodurch das eigenständige Unternehmen Nexperia entsteht. Für Hamburg als Standort ändere sich dadurch grundsätzlich nichts, erklärt Rüdiger Stroh. „Alles, was wir hier bisher als NXP machen, wird weiter hier gemacht, nur eben zukünftig nicht mehr alles von NXP, sondern die Standardhalbleiter-Produktion liegt dann beim neuen Unternehmen Nexperia.“ Der Standort Hamburg werde jedoch unverändert NXPs Forschungs- und Entwicklungsbasis für die Bereiche Automotive sowie Security & Connectivity bleiben. „Mit unserer Kernkompetenz für sichere Verbindungen können wir uns nach dem Abschluss dieser Transaktion stärker auf die wirklichen digitalen Zukunftsmärkte konzentrieren: Autonomes Fahren, Smart Cities, mobiler Zahlungsverkehr, und Industrie 4.0 – also sichere Verbindungen im Internet der Dinge.“

Umfassende Sicherheit vor kriminellen Zugriffen

Tatsächlich ist Sicherheit das Kerngeschäft von NXP. Das Unternehmen entwickelt zahlreiche Produkte für die sichere Anwendung elektronischer Technik. „Wir sorgen dafür, dass Ihre Daten, Ihre digitale Identität und Ihre Geräte vor kriminellen Zugriffen von außen geschützt werden. Das betrifft die Verschlüsselung von Bank- und Kreditkarten oder Ausweisdokumenten wie beispielsweise Reisepässen oder Personalausweisen in Deutschland und 80 weiteren Ländern. Und auch für das Bezahlen mit Smartphones, elektronische Tickets, Zugangskontrollsysteme und sichere Smart-Metering Systeme entwickeln wir die entsprechende Technologie“, erläutert Stroh.

White Hat Hacker: hoch qualifizierte Kryptografie-Experten

Größtmögliche Sicherheit für die Nutzer erzielt NXP demnach durch ´Security by Design`, also vor unberechtigten Zugriffen geschützte Hardware. Und durch den Einsatz sogenannter ´White Hat Hacker`, hoch qualifizierte Kryptografie-Experten, die im Auftrag des Unternehmens nach Sicherheitslücken suchen, damit das Unternehmen sie schließen kann. Immerhin werden Cyberattacken zunehmend komplexer und verursachen immer höhere Schäden – und das vor dem Hintergrund einer weltweit zunehmenden Digitalisierung.

„Vernetzte Technologien und die Revolution der Smartphones haben unseren Alltag komplett verändert. 2,9 Milliarden Menschen sind heute online, also rund 40 Prozent der Weltbevölkerung. 2020 werden nach Expertenschätzungen rund 50 Milliarden Geräte vernetzt sein“, weiß Stroh. Diese Entwicklung bringe erhebliche Chancen mit sich, aber natürlich auch Risiken. Mobile und stationäre Geräte sammeln und generieren immer mehr Daten – heute und in noch stärkerem Maße in Zukunft. „Damit die Internetnutzer darauf vertrauen können, dass ihre Daten online sicher sind, müssen wir Sicherheit und den Schutz persönlicher Daten gewährleisten. Und das bei immer mehr Anwendungen. Genau dafür entwickelt NXP weiter die richtigen Technologien“, so Stroh.

Cybersecurity ist für das vernetzte Fahrzeug entscheidend für den Erfolg

Eine Technologie, bei der die digitale Entwicklung besonders rasant voranschreitet, ist das voll vernetzte Auto der Zukunft. NXP – das Unternehmen gilt immerhin als weltweit größter Chip-Zulieferer in der Autoindustrie – entwickelt dazu Sicherheitselemente, vergleichbar der Technologie in Bankkarten oder elektronischen Reisepässen, für alle digitalen Komponenten im Auto. „Das reicht von Schließsystemen zum Öffnen und Starten über sämtliche elektronischen Komponenten im Auto, die ein Einfallstor für Hacker sein könnten, bis hin zu den Bauteilen, die den sicheren Informationsaustausch von Auto zu Auto oder zwischen der Verkehrssteuerung und den Autos ermöglichen. Infotainment ist ein weiterer wichtiger Geschäftsbereich in Hamburg. Cybersecurity ist für das vernetzte Fahrzeug die entscheidende Grundlage für den zukünftigen Erfolg“, ist Stroh überzeugt.

Das voll vernetzte Auto der Zukunft bietet vielfältige Möglichkeiten

Die fortschreitende Digitalisierung lässt das Auto der Zukunft in greifbare Nähe rücken: Selbstfahrend und umfassend vernetzt. „Es weiß dann beispielsweise, dass die nächste Ampel rot ist, oder erkennt Hindernisse, auch wenn diese für den Fahrer noch gar nicht sichtbar sind. Es gibt an nachfolgende Autos die Information weiter, dass die Fahrbahn glatt ist. Oder, dass es im Stau steht, den dann die anderen Autos einfach umfahren.“ Auch mit dem intelligenten Haus lasse sich dann kommunizieren. „Wenn Sie das wollen, erkennt Ihre Wohnung, dass Sie auf dem Heimweg sind, und fährt schon mal die Heizung hoch und schaltet das Licht an. Das Auto wird Sie auch auf dem Nachhauseweg an nötige Einkäufe erinnern, weil ihm der Kühlschrank mitgeteilt hat, was fehlt. Und natürlich sagt es Ihnen, in welchem auf dem Weg gelegenen Supermarkt Sie den Einkauf günstig erledigen können“, skizziert Stroh eine mögliche Zukunft.

Alles, was digitalisiert werden kann, wird auch digitalisiert werden

Rüdiger Stroh ist überzeugt, dass Visionen wie diese Wirklichkeit werden können. „Alles, was digitalisiert werden kann, wird auch digitalisiert werden“, betont er. Diese Entwicklung werde ganze Wirtschaftsbereiche umkrempeln, unser aller Leben verändern und Vieles leichter machen. „Nehmen Sie nur die Geräte, mit denen Sie sprechen können und die für Sie Fragen beantworten. Das ist ja nicht nur Ihr Smartphone. Bald werden diese Geräte auch auf Ihren Wunsch hin für Sie tätig sein, zum Beispiel Haushaltsgeräte, Licht, Heizung, Wasser schalten oder Bestellungen aufgeben. Bei der Produktion wird die so genannte Losgröße Eins Realität werden, also das individuell gefertigte Einzelexemplar. Und, und, und…“ Das alles sei ja nicht neu, sondern allein eine Fortentwicklung aktueller Trends, sagt Stroh. Wirklich spannend würden dagegen kommende Innovationssprünge, wie wir sie etwa beim mobilen Internet beobachten konnten. „Die sind heute vielleicht noch nicht in Gänze vorhersehbar, aber NXP wird auch bei ihnen dafür sorgen, dass sie funktionieren. Und zwar sicher.“
ys/kk

Interview: Yvonne Scheller

Quelle und weitere Informationen:
www.nxp.com

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NXP Semiconductors Germany GmbH

Mit rund 45.000 Mitarbeitern in mehr als 35 Ländern erwirtschaftet NXP einen Umsatz von über 10 Milliarden US-Dollar. Damit ist das niederländische Unternehmen aktuell der fünftgrößte Halbleiterhersteller der Welt, mit Standorten in Europa, Asien und Nordamerika. Allein im Bereich Forschung & Entwicklung sind rund 11.200 Ingenieure und Entwickler in über 23 Ländern tätig. In Hamburg arbeiten aktuell insgesamt rund 1.800 Mitarbeiter.

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