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Marcell Jansen - © Fotograf: Lutz Kampert

Marcell Jansen: Mit elf Stürmern gewinnt man kein Spiel

Der Ex-HSV-Profi startet als Unternehmer in Hamburg voll durch. In den Hamburg News verrät er seine Pläne und gibt Tipps für Gründer

„Ex-Fußball-Nationalspieler verkauft jetzt coole Rollatoren; Marcell Jansen hat einen neuen Job; Karriere-Ende beim HSV mit 29 – ist Marcell Jansen der cleverste Profi Deutschlands?“ – im Juli 2015 überschlugen sich die Medien mit Berichten über den freiwilligen Ausstieg des Fußball-Profis aus dem lukrativen Business. Heute – gut ein Jahr später – treffen wir den sympathischen Sportler und Unternehmer vor dem Lifestyle-Sanitätskaufhaus Renovatio in der Hamburger City, an dem der 31-Jährige beteiligt ist. Der helle Shop mit hochwertigen, modern gestalteten orthopädischen Produkten ist nur ein Projekt, das der Rheinländer und Wahl-Hamburger erfolgreich mit angeschoben hat.

Hamburg News: Wie fühlt es sich an, das neue Leben als Unternehmer?

Jansen: Ganz am Anfang war es ungewohnt; alle waren verwundert. Ich hatte die besten Angebote, habe Millionenverträge ausgeschlagen, ein Traumjob. Jetzt kann ich sagen, es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Ich wollte kreativ sein, mit dem Kopf arbeiten, noch etwas lernen, anders leben. Bewusster leben.

Hamburg News: Wir stehen hier direkt vor deinem Lifestyle-Sanitätshaus, das gerade vor der Eröffnung steht. Wieso bunte, beziehungsweise coole Rollatoren?

Jansen (lacht): Bunte Rollatoren haben wir gar nicht, ist aber durchaus angedacht. Jedenfalls Modelle, die nicht entwürdigend sind. Wir wollen den Bereich lebensfroher gestalten, die Produkte von dem hautfarbenen freudlosen Stigma befreien. Die Leute sollen sagen: Ich brauche einen Stützstrumpf – na und? Und warum nicht gleich in pink? Wir haben hochwertige und modern gestaltete Einlagen bereits für Kinder, damit bestimmte Probleme später gar nicht erst auftauchen. Renovatio läuft bereits sehr erfolgreich in meiner Heimatstadt Mönchengladbach. Das Konzept passt, nun wollen wir es auf Hamburg übertragen. Für die zweite Filiale in Hamburg haben wir gerade den Mietvertrag unterschrieben. Überhaupt ist das mein Thema: Sport, Gesundheit, Fitness und Ernährung.

Hamburg News: Wer ist wir?

Jansen: Die MJ Beteiligungsgesellschaft. Darin wollen wir alle Beteiligungen und Projekte zusammenführen. Wir sind zu Dritt: ein Steuerberater, der gleichzeitig Wirtschaftsprüfer ist, ein Finanzexperte und ich.

Hamburg News: Und welche sind das aktuell?

Jansen: Wir haben da einiges, das wir auf die Straße bringen wollen, aber noch nicht alles ist spruchreif. Neben Renovatio sind wir bei dem Fitnessbekleidungs-Label Gymjunky engagiert. Und dann ist da noch ein Food-Startup, das kurz vor der Eröffnung steht. Das ist allerdings nicht in Hamburg, aber wir haben noch einige andere Projekte in der Hansestadt. Hier möchte ich mich insbesondere für die Startup-Szene einsetzen.

Hamburg News: Dann bleiben wir gleich bei dem Thema. Du kannst dich vor Anfragen sicher kaum retten, warst Juror beim Startups@Reeperbahn 2016 Pitch und hast schon viele Präsentationen gesehen. Welche drei Top-Tipps hast du für Gründer?

Jansen: Ich bin ja selbst noch nicht so lange dabei, da will ich mir nicht anmaßen, schon alles zu wissen. Aber es braucht vor allem Mut, den Schritt mit allen Konsequenzen zu gehen. Und Leidenschaft und – und da spreche ich durchaus als Fußballer: ein richtig gutes Team.

Hamburg News: Was macht denn ein richtig gutes Team aus?

Jansen: Es ist wichtig, dass – wie auf dem Spielfeld – alle Positionen gut besetzt sind. Ich bin zum Beispiel Visionär, habe viele Ideen, da brauche ich andererseits jemanden, der prüft, abwägt und andere Fähigkeiten und Expertisen einbringt. Mit elf Stürmern gewinnt man kein Spiel.

Hamburg News: Was noch?

Jansen: Erfolg und Scheitern sind wie Bruder und Schwester. Das gehört irgendwie zusammen.
Wenn ich merke, mein Produkt wird von den Kunden nicht angenommen, kann ich mir sagen: mein Team und ich haben alles versucht, aber es hat nicht geklappt. Jetzt nur nicht jammern. Den Mund abputzen und sich etwas einfallen lassen.

Hamburg News: Welches war denn bisher dein schönster Fehler?

Jansen: Besonders stolz bin ich auf meinen ersten Deal. Zur EM 2008 wollte ich Fußball-Trikots origineller gestalten und hatte auch schon alles zusammen. Musste dann aber lernen, dass der Handel eine lange Vorlaufzeit braucht und dass ich schon zu spät dran war. Ich habe mein Konzept dann aber – in geringerer Stückzahl – trotzdem noch gut verkauft.

Hamburg News: Du hast dich gerade von einem 300 Quadratmeter-Haus auf einem 6.000 Quadratmeter großen Anwesen auf eine 68 Quadratmeter Wohnung in Hamburg Winterhude downgesized. Du fährst Smart und Roller. Die Millionäre von heute sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Jansen: Smart und Roller sind in der Stadt eben viel praktischer und effektiver. Als Unternehmer sind die Herausforderungen heute andere, erfordern aber genauso viel Engagement. Man muss immer vollen Einsatz bringen, egal, was man macht. Das habe ich von meinen Eltern so mitbekommen, und darüber bin ich froh.

Hamburg News: Was, außer deine Zeit beim HSV, verbindet dich besonders mit Hamburg?

Jansen: Die Stadt ist einfach super. Zum Leben und zum Arbeiten. Man muss zusammenhalten. In guten wie in schlechten Zeiten…
kk

Weitere Informationen:
www.marcell-jansen.de

Interview: Karolin Köcher

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