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recalm-Gründer (v.l.): Lukas Henkel, Martin Günther, Marc von Elling - © Giovanni Mafrici

Kopfhörer ade – recalm sagt Lärm den Kampf an

Das intelligente Akustikgerät eines Hamburger Gründertrios könnte die Arbeit in lärmintensiven Berufen erleichtern

Bagger, Walzen, Rammen – die Arbeit auf Baustellen erzeugt nicht nur einen ohrenbetäubenden Lärm, sie steigert auch den Stresspegel aller Betroffenen. Auf Dauer können penetrante Geräusche sogar schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben, wie Studien belegen. Das Startup recalm will diesem Problem mit einem intelligenten Akustikgerät begegnen.

Antischall zu lauten Geräuschen

Die recalm-Gründer Marc von Elling, Martin Günther und Lukas Henkel entwickeln auf Basis künstlicher Intelligenz einen Algorithmus, der einen Antischall zu lauten Geräuschen erzeugen soll. Dafür benötigen sie drei wesentliche Komponenten: zwei Mikrofone, einen Lautsprecher und einen Mikro-Prozessor. Diese werden zum Beispiel in die Kopfstütze des Sitzes im Führerhaus eines Baggers eingebaut. „Das Mikrofon nimmt den Lärm auf und sendet ein elektrisches Signal an den Mikro-Prozessor. Mithilfe des Algorithmus wird eine passende Schallwelle mit entgegengesetzter Polarität über den Lautsprecher erzeugt“, erläutert Mitgründer Henkel im Gespräch mit den Hamburg News. Das lärmende Geräusch werde auf diese Weise deutlich reduziert.

Geräusche gezielt ausblenden

Ein wesentlicher Vorteil von Technologien der sogenannten aktiven Lärmkompensation besteht im Vergleich zu herkömmlicher Hörschutzausrüstung darin, dass bestimmte Geräusche gezielt ausgeblendet werden. Lästiger Lärm verschwindet, während etwa das akustische Signal des Baggers beim Rückwärtsfahren oder das Klingeln des Diensthandys für den Baggerführer weiterhin hörbar sind.

Vor wenigen Wochen haben die recalm-Gründer einen neuen Schritt gewagt: Nach dem erfolgreichen Abschluss des Airbus BizLab Accelerator Programms zog das Trio in das Startup Dock der Technischen Universität Hamburg (TUHH). Für gewöhnlich ist die Reihenfolge eine andere: Noch in den Räumlichkeiten des Startup Docks suchen Gründer nach einem geeigneten Accelerator oder Inkubator. Von Elling, Günther und Henkel ziehen nun bereits mit wertvollen Erfahrungen aus dem Accelerator Programm in das Startup Dock.

Potenzial für die Forst- und Landwirtschaft

Mithilfe eines EXIST-Gründerstipendiums werden die Gründer in den nächsten Monaten den recalm-Prototypen weiterentwickeln. Im Frühjahr 2018 sollen erste Praxistests mit Pilotkunden stattfinden.

Ob im Flugzeug, im Haushalt oder in der Schiffskabine – den Anwendungsmöglichkeiten der Technologie sind kaum Grenzen gesetzt. Vorerst wollen sich die Gründer aber auf die Anwendung im Zusammenhang mit Baumaschinen sowie in der Forst- und Landwirtschaft konzentrieren. „Dort sehen wir aufgrund des hohen Lärmpegels besonders großes Potenzial“, sagt Henkel.
ca

Quellen und weitere Informationen:
www.recalm.com
www.startupdock.de

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