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Bridge&Tunnel-Gründerinnen Constanze Klotz und Hanna Charlotte Erhorn - © femtastics

Junge Modelabels aus Hamburg setzen auf „Slow Fashion“

Nachhaltig produzierte Textilien haben es schwer in der globalen Modeindustrie. Und doch gibt es mutige Pioniere

In Bezug auf Arbeitsbedingungen und nachhaltige Produktionsprozesse genießt die globalisierte Modeindustrie keinen guten Ruf. Immer wieder werden Missstände bekannt. Auch der Jahresbericht des Vereins TransFair stellt der Branche ein wenig positives Zeugnis aus: Demnach sank die Zahl der in Deutschland verkauften Fairtrade-Kleidungsstücke 2016 um 7 Prozent auf 8,4 Millionen. Offenbar ist weiter Überzeugungsarbeit erforderlich, um Käufern den Nutzen nachhaltig produzierter und fair gehandelter Textilien näherzubringen. Pioniere auf diesem Gebiet sind junge Modelabels aus Hamburg, die ihre Produktionsprozesse möglichst transparent und regional gestalten und dabei modische Aspekte nicht aus dem Blick verlieren.

Trend Upcycling: Rucksäcke aus alten Schulvorhängen

Eines dieser Labels ist Bridge&Tunnel. Sweater, Rucksäcke und Teppiche des Designlabels bestehen aus recycelten Materialien. So wird aus der alten Jeans in sorgfältiger Handarbeit schon mal eine schmucke Handtasche zum Preis von 149 Euro. Die Grundstoffe werden unter anderem bei Kleiderkammern eingekauft. Die Produktion des Labels findet bewusst nicht im Ausland, sondern lokal im Hamburger Süden, im Stadtteil Wilhelmsburg, statt.

„Endlich sind die ersten Unikate unserer zweiten Kollektion School’s over fertig. Feinste Rucksäcke im Roll-Up Style, gefertigt aus alten Schulvorhängen, die sage und schreibe 40 Jahre lang in einer Hamburger Schule von der Sonne gebleicht wurden“, berichtet Co-Founderin Constanze Klotz den Hamburg News. Die Werke des Bridge&Tunnel-Teams können Kunden im Online-Shop und zum Teil auch in lokalen Geschäften erstehen.

Begabte Schneiderinnen aus Indien und der Türkei

Neben der lokalen Produktion und dem Einsatz recycelter Grundstoffe haben die Initiatorinnen Constanze Klotz und Hanna Charlotte Erhorn ein weiteres, besonderes Anliegen. Sie möchten vor allem ausländischen Mitbürgern, die bislang keinen Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt fanden, eine Perspektive bieten. An den Nähmaschinen sitzen begabte Schneiderinnen aus Indien und der Türkei. Seit einigen Monaten arbeiten auch junge Männer aus Syrien, Afghanistan und dem Iran bei Bridge&Tunnel. Sie waren professionelle Herrenschneider oder Näher bevor sie aus ihrer Heimat fliehen mussten.

Jan'n June-Gründerinnen Anna Bronowski und Juliana Holtzheimer

Skandinavische Mode aus recyceltem Polyester

Auch das skandinavisch angehauchte Label Jan 'n June setzt auf „Slow-Fashion“. Zwischen Blogposts und Fashion-Shots schaffen die Gründerinnen Anna Bronowski und Juliana Holtzheimer in ihrem Online-Store Transparenz über ihre Produktionsbedingungen. So erfährt der Kunde, dass die Ware in einer Fabrik im polnischen Wroclaw gefertigt wird. Und, dass die Designerinnen vor allem Bio-Baumwolle verarbeiten. Einige Produkte bestehen aus reyceltem Polyester oder Polyamid – gewonnen aus Plastikflaschen und Meeresabfällen.

Öko-Label mit minimalistischen Schnitten

„Wir haben Jan 'n June aus Eigenbedarf gegründet. Es kann nicht sein, dass nachhaltige und gleichzeitig modische und bezahlbare Mode immer noch zu einer Marktlücke gehört. Und was es nicht gibt, muss man dann eben selbst in die Hand nehmen“, sagt Co-Founderin Juliana den Hamburg News. Anders als so manches herkömmliche Öko-Fashion-Label spricht Jan 'n June mit minimalistischen Schnitten und frischen Pastelltönen ein modebewusstes Publikum an – und das zum gehobenen aber “fairen” Preis: Schlichte Bio-Baumwoll-Shirts in hellem Beige oder zartem Rosé kosten bei Jan 'n June zwischen 40 und 60 Euro.
ca/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.bridgeandtunnel.de
www.jannjune.com

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