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© Prof. Dr. Henning Vöpel HWWI

HWWI gründet Institut für Digitalökonomie

Von der Alster an die Elbe: Zum 1. Oktober startete das IDEAS@HWWI. Zu den Hintergründen HWWI-Chef Prof. Henning Vöpel in den Hamburg News

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat zum 1. Oktober 2016 ein eigenes Institut zur Erforschung der digitalen Ökonomie und ihrer Veränderungsprozesse gegründet. Mit dem Institute for Digital Economics and Applied Solutions (IDEAS@HWWI) will das HWWI künftig die ökonomischen Grundlagen und die regulatorische Umsetzung der Digitalisierung erforschen. Ziel ist „ein integriertes Verständnis von Technologie, Ökonomik und Regulatorik, das Wirtschaft und Politik als Grundlage für digitale Handlungsstrategien dienen soll“. Fragen dazu an den Leiter des HWWI, Prof. Dr. Henning Vöpel.

Hamburg News: Warum dieses neue Institut?

Hennig Vöpel: Die Digitalisierung bedeutet eine Neuvermessung der Welt. Die digitale Transformation gleicht einer Expedition in ein unbekanntes Land, für das wir keine Landkarte haben. Der Erfolg der digitalen Transformation hängt entscheidend davon ab, wie gut wir die technologischen, ökonomischen und regulatorischen Interdependenzen verstehen. Märkte, Wettbewerb und Branchen verändern sich so radikal und disruptiv, dass wir eine eigene Forschung zur Digitalökonomie brauchen, um Wirtschaft und Politik auf die komplexen Herausforderungen vorzubereiten. Es gibt erhebliche Chancen und Risiken der Digitalisierung. Sie kann auch scheitern, wenn wir sie nicht verstehen, aber sie muss gelingen, damit wir zukunftsfähig bleiben. Dazu wollen wir mit dem Institut beitragen.

Hamburg News: Was ganz genau wollen Sie mit dem Institut erreichen, können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

Henning Vöpel: Zweierlei: Wir wollen die Auswirkungen der digitalen Transformation erforschen und gleichzeitig aktiv und konkret Transformationsprojekte anstoßen. Das Prinzip der Digitalisierung ist die Vernetzung über Daten. Dadurch wachsen Branchen und Lebensbereiche zusammen. Das wiederum bedeutet, dass Digitalisierung nur gemeinsam und systemisch funktionieren kann. An den Schnittstellen der Vernetzung entstehen neue Lösungen, aber auch neue regulatorische Anforderungen. Dieses Zusammenspiel wollen wir erforschen. Und zwar kooperativ, interdisziplinär und experimentell. Es soll darum gehen, echte Lösungen für Wirtschaft und Verwaltung zu entwickeln.

Hamburg News: Wer steht hinter dem Institut, wer finanziert es?

Henning Vöpel: Das IDEAS@HWWI versteht sich als Plattform für Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung. Wir wollen der Logik der Digitalisierung entsprechend die relevanten Akteure zusammenbringen, um gemeinsam an den neuen Lösungen zu arbeiten. Perspektivisch soll sich dahinter eine Kooperation für digitale und urbane Transformation bilden.

Hamburg News: Mit dem Forum Bridges2Future@HWWI will das HWWI ab 2017 zudem eine interdisziplinäre Plattform zu Themen der Digitalisierung für Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft zur Verfügung stellen. Geplant sind Impulsvorträge internationaler Experten und Top-Speakern. Wollen Sie Besucher für dieses Angebot deutschlandweit nach Hamburg locken? Planen Sie regelmäßige Konferenzen?

Henning Vöpel: Ja, man kann sich digitale Transformation vorstellen als eine Welt, in der plötzlich zwischen allen Akteuren mit Daten neue Brücken zueinander gebaut werden – daher auch der Name Bridges2Future. Es soll aber keine reine Vortragsreihe sein, von denen es schon so viele gibt. Es sollen vielmehr Teams aus unterschiedlichen Bereichen konkret Schnittstellen identifizieren und beginnen, an Lösungen zu arbeiten. Wir wollen damit eine offene Struktur etablieren, die gemeinsames Denken, exponentielles Lernen und systemische Umsetzung fördern und ermöglichen soll. Dazu wollen wir internationale Fachleute zu bestimmten Themenwochen nach Hamburg holen.

Hamburg News: Wie gliedert sich das neue Institut insgesamt ins HWWI ein?

Henning Vöpel: Das IDEAS@HWWI ist vollständig unter dem Dach des HWWI organisiert, aber es wird eine eigene Forschungsagenda entwickeln und ein spezialisiertes Team aufbauen.

Hamburg News: Warum ist Hamburg für das IDEAS@HWWI ein guter Standort?

Henning Vöpel: Hamburg ist als Standort, der mittelständisch, international und dienstleistungsorientiert ist, besonders disruptiv von digitaler Transformation betroffen. Gleichzeitig finden sich hier ganz viele Branchen, Lebenswelten und Milieus auf engstem Raum. Hamburg kann daher zu einer Modellregion für eine erfolgreiche digitale Transformation werden. Das wiederum geht als Signal in die Welt raus und zieht neue Talente und Innovationskraft in die Stadt. Insofern kann es kaum einen besseren Ort geben, um als HWWI die urbane Transformation mit spezieller Forschung zu begleiten.

Hamburg News: Wird Hamburg in besonderer Weise von den Forschungsergebnissen profitieren?

Henning Vöpel: Grundsätzlich ja, denn wir wollen vor Ort die Ergebnisse der Grundlagenforschung eben verstärkt auch in experimentelle Feldforschung und interdisziplinäre Projektentwicklung verlängern. Da bietet es sich natürlich an, das mit den relevanten Akteuren aus Wirtschaft und Verwaltung vor Ort zu tun. Ein guter Auftakt könnte die Entwicklung einer Smart City Map sein, einer digitalen Landkarte Hamburgs, die Schnittstellen, Katalysatoren und Strategien der digitalen Transformation aufzeigt.

Hamburg News: Dienen Vorzeigeprojekte bzw. Industrien in der Metropolregion Hamburg als Forschungsthema und stehen dabei ggf. auch exemplarisch für bundes- oder weltweite Entwicklungen? Beispielsweise der 3D-Druck?

Henning Vöpel: Die Vernetzung mit anderen Einrichtungen des Technologietransfers der Metropolregion ist ausdrücklich Ziel unserer Initiative. Insofern liegt es auf der Hand, zum Beispiel die Technologie des 3D-Drucks zu nehmen, um zu fragen, was diese für die Wirtschaft in der Metropolregion bedeutet, welcher Strukturwandel dadurch ausgelöst wird und wie wir das erfolgreich umsetzen können. Der 3D-Druck dürfte für Hamburg eine der wichtigsten digitalen Innovationen sein –für den Hafen, aber auch andere Branchen.

Hamburg News: Sie wollen Potenziale und Auswirkungen neuer Technologien untersuchen und evaluieren. Die Digitalisierung schreitet weltweit mit rasender Geschwindigkeit voran. Die Zukunft ist heute. Für welche Zeiträume sind da überhaupt einigermaßen verlässliche Aussagen zu treffen?

Henning Vöpel: Der heutige, durch die Digitalisierung ausgelöste Strukturwandel unterscheidet sich von den vorherigen dadurch, dass er viel schneller abläuft, wir also neue Innovationssysteme brauchen, um die erforderliche Anpassungsfähigkeit in Wirtschaft und Gesellschaft aufzubauen. Die Arbeitswelt, das Bildungssystem und die Sozialversicherungssysteme werden sich fundamental verändern müssen. Die Herausforderung für die Forschung wird darin bestehen, neue Methoden zu entwickeln, um mit experimentellen Daten frühzeitig entscheiden zu können, welcher Technologiepfad ökonomisch und regulatorisch überhaupt sinnvoll ist. Bildlich gesprochen verschieben wir gerade die Technologiegrenze weiter nach außen. Wir wissen nicht, was dahinter liegt, wir können Richtung und Geschwindigkeit der Veränderung nicht unbedingt kontrollieren, aber besser verstehen und gestalten.

Hamburg News: Mit der inhaltlichen Neuorientierung geht auch eine räumliche Veränderung einher. Das HWWI verlässt seine bisherige Residenz in Hamburg Harvestehude und zieht zunächst in Büroräume am Hafen. Sitzen Sie auf gepackten Koffern? Und wissen Sie schon, wohin es letztendlich geht?

Henning Vöpel: Wir sitzen jetzt am Baumwall, also inmitten der Stadt – gewissermaßen von der beschaulichen Alster an die bewegte Elbe. Die urbane Umgebung ist durchaus inspirierend. Als Institut mit 108-jähriger Tradition fühlt sich das gerade wie ein Startup an. Aber das tut uns gut, weil wir den Wandel auch leben wollen als unsere DNA. Letztlich wird es in einigen Monaten weitergehen. Es ist ein weiterer Umzug geplant, der ein wichtiger Schritt in unserer Strategie und Positionierung sein wird.

Interview: Karolin Köcher

Weitere Informationen:
www.hwwi.org

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