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Good School - Wandzettel im Seminar  - © Karolin Köcher

Hier lernen Manager die Digitalisierung

In der Good School in Hamburg werden Führungskräfte für die digitale Zukunft fit gemacht. Studie belegt: Viele Manager haben Nachholbedarf

Top-Manager führender Dax-Konzerne sitzen an hölzernen Schultischen und heben brav die Zeigefinger. „Wer kennt den Kurs eines Bitcoins?“, will der „Lehrer“ wissen – der Fleißbutton geht an die Digital-Chefin von Philips. Bereits bei der „Marshmallow-Challenge“ konnte die lebhafte Managerin punkten. Am Ende der drei Tage des Seminars „Update Digital“ an der Good School in Hamburg gibt es für den fleißigsten „Schüler“ eine Überraschung. Im Stundenplan stehen Fächer wie Data Science, Blockchain, Brand Safety, Next Commerce, New Work,* Innovation* Advertising, ein China Update und Responsive Innovation.

The next big thing – Manager wollen Input

Good School-Leiterin Simone Ashoff lehnt lässig am Lehrerpult „Ich bin euer Direx für die drei Tage“, sagt sie betont streng. Ihr Rohrstock ist der Zeitdruck, dem sich immer mehr Führungskräfte im Fach Digitales ausgesetzt sehen. Viele wollen sich daher in den drei Tagen vor allem über neueste digitale Innovationen informieren – den so genannten „heißen Scheiß“ der Branche.

Nachholbedarf im Fach Digitalisierung

Seminare, Werkstätten, Digi-Labore und Workshops, in denen Führungskräften das große Einmaleins der Digitalisierung gezeigt wird, boomen. Erkennen doch immer mehr Unternehmen, dass sie durchaus noch Hausaufgaben zu erledigen haben. Nach einer aktuellen Studie von Capgemini haben drei Viertel aller CIOs den Auftrag, die Digitalisierung auszubauen. Im vergangenen Jahr waren es nur etwas mehr als die Hälfte.

82 Prozent der befragten CIOs gehen davon aus, dass die Digitalisierung die Geschäftsmodelle ihrer Branche verändert und damit disruptiven Wandel mit sich bringt. In dieser Situation möchte kein Unternehmen das Nachsehen haben, weil es nicht rechtzeitig reagiert hat. Insgesamt fast 73 Prozent der CIOs sehen Schwierigkeiten bei der Digitalisierung.

Drohnen, KI, Virtual Reality – was künftig wichtig wird

In der globalen Plattform-Ökonomie sind die Karten bereits verteilt, Deutschland geht nahezu leer aus, so Experte Christoph Bornschein und verweist auf über 30 Milliarden Euro digitales Handelsbilanzdefizit zu den USA. Nach zwei weiteren Themen läutet die Schulglocke – und ruft zum Food-Truck-Imbiss auf den „Schulhof“.

Vertreter von Firmen und Agenturen wie Nerd Industries, Interlake und Google Zoo zeigen, was zurzeit innovativ ist und was künftig wohl wichtig wird. Die Halbwertzeit der Tools sinkt – und auch die Produktzyklen – und in immer kürzeren Abständen sind Innovationen schon wieder veraltet oder weiterentwickelt.

Laut des „Hype Cycles“ nach Gartner befinden Drohnen sich demnach auf der Aufmerksamkeitskurve technischer Innovationen schon wieder im sinkenden Bereich – wo hingegen Roboter und künstliche Intelligenz derzeit noch besonderes Interesse wecken.

Bitcoins und Blockchain: Info-Bedarf früh erkannt

Bereits seit etwa acht Jahren bietet Simone Ashoff die Digital-Seminare in einem Gebäude im szenigen Hamburger Schanzenviertel an. Seit vielen Jahren im Internet-Geschäft hat sie den Bedarf früher erkannt als viele andere, die jetzt auf den Markt drängen. Heute zählen Konzerne wie zum Beispiel IKEA, Telekom, L’Oreal und die Europäische Zentralbank zu ihren Kunden.

Erschöpfte, aber begeisterte Gesichter am Ende der drei Tage. Auch wenn nicht für jeden jedes Thema gleich interessant war, so hat sich doch jeder das für sein Business Relevante herausgezogen. „Meine Erwartungen an die drei Tage sind in mehrfacher Hinsicht erfüllt worden“, so Fabian Kienbaum. „Ich wollte ein besseres Verständnis dafür bekommen, wie datengetriebene Geschäftsmodelle auch unser Geschäft in der Beratung verändern und die Wertschöpfung im eigenen Unternehmen. Außerdem war es eine coole Truppe und eine sehr ansprechende Location.“

„Besonders das Thema Bots ist für uns relevant“, so Philips Managerin Cornelia Szauer, die als Button-Königin auch den Preis, eine Amazon Alexa, mit nach Hause nehmen kann. Diverse Zukunftsthemen aus dem Seminar will sie in ihr Team und daily business einbringen.

Klüger scheitern

Auch die scheinbar harmlosen Spielchen zur Auflockerung transportieren eine Message: So zeigt zum Beispiel die „Marshmallow-Challenge”, bei der es darum geht, aus rohen Spaghetti, Klebeband und einem Marshmallow einen möglichst hohen Turm zu bauen, dass Kinder darin erfolgreicher sind als viele Manager. Der Grund: Sie legen einfach los, probieren aus, scheitern und versuchen neu. Ganz angstfrei und innovativ.
kk

Quellen und weitere Informationen:
www.good-school.de
Studie von Capgemini

Good School Simone Ashoff
Simone Ashoff: "Das Mindset ist das Problem"

Hamburg News: Seit rund acht Jahren
bietet die Good School Digital-Seminare für Führungskräfte. Wie haben Sie den Trend so verhältnismäßig früh erkannt?

Simone Ashoff: Das kommerzielle Internet war zu dem Zeitpunkt bereits fast 20 Jahre alt. Etwas zu tun, das deutschen Unternehmen hilft aufzuholen, war höchste Eisenbahn.

Hamburg News: Was hat sich bei den Managern, Ihren Schülern, seitdem geändert?

Simone Ashoff: Die Führungskräfte, die am Anfang zu uns kamen, waren neugierig und hatten Lust, mal den großen Zeh ins kalte Wasser zu halten. Heute kommen Entscheider zu uns, die nicht mehr “nur” neugierig sind, sondern einen sehr realen und sehr großen Druck haben. Sie müssen digitalisieren. Alles, was dafür benötigt wird, gibt es bei uns: Wir machen große Lust aufs Digitale, wir vermitteln frisches Wissen und neue Skills, unser Netzwerk von Top-Experten hilft bei konkreten Projekten.

Hamburg News: Was ist die derzeit wohl größte Herausforderung für die Unternehmen?

Simone Ashoff: Es sind zwei große Herausforderungen, die wir erleben. Nummer eins ist immer noch das Mindset an den entscheidenden Stellen: Das Gros der deutschen Wirtschaftslenker ignoriert seine digitalen Hausaufgaben und legt damit die digitale Transformation des eigenen Unternehmens lahm. Digital denkende Führungskräfte beißen sich an ihren Firmenspitzen die Zähne aus.

Nummer zwei ist das „Betriebssystem” deutscher Firmen. Leitbilder, Methoden, Produkte, der Großteil der Besatzung etc. – all das stammt immer noch aus der Industrialisierung. Und es ist dafür gebaut, resistent gegenüber Krisen und Veränderungen zu sein. Daran scheitert dessen digitale Zukunft.

Tröstlich ist, dass beide Herausforderungen offensichtlich zu meistern sind: Im deutschen Mittelstand gibt es mittlerweile ein paar digitale Champions, die sogar einem internationalen Vergleich absolut standhalten.

Über die Good School

Bis heute hat die Good School nach eigenen Angaben über 3.500 Schüler aus mehr als 260 Unternehmen unterrichtet. Zu ihren Kunden/Schülern gehören unter anderem Manager von L’Oréal, Vodafone, IKEA, Beiersdorf, BMW, Deutsche Telekom, Pro7Sat.1, OTTO, TUI und Volkswagen, aber auch Agenturen wie Kolle Rebbe und Jung von Matt. Simone Ashoff hat die ersten Websites für VH-1, MTV, BMW und MINI konzipiert. Zudem hat sie eine der ersten Digital-Agenturen, Kabel New Media, mitaufgebaut und war u.a. Kreativ-Chefin von Jung von Matt.

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