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© Apartimentum mlove Martin Brinckmann

Heiß diskutiertes Thema der Digitalwirtschaft: Disruption

Im TEDx-Salon im Hamburger Apartimentum ging es um die spannende Frage, was Disruption für Gesundheit, Technologie, Mobilität und Wirtschaft bedeutet

Im Hamburger TEDx-Salon diskutierten Experten und Visionäre das brandaktuelle Wirtschaftsthema „Disruption“ – Brüche und bahnbrechende Veränderungen. Passend zum futuristischen Sujet der Veranstaltungsort: das Smart House Apartimentum von XING-Gründer Lars Hinrichs. Der Hausherr selbst war auch zugegen.

Die TEDx-Salons in Hamburg bieten Ideengebern ein Podium. Der Salon am 25. Februar im Hamburger Apartimentum stand unter dem Motto „Disruption“. Sechs Frauen und Männer schilderten ihre Projekte und Erfahrungen zu diesem brandheißen Thema.

Disruption verändert die Art zu leben und zu arbeiten

Disruption bedeutet soviel wie „unterbrechen“ oder „zerreißen“ Es steht aber auch für die Art, komplett neue Produkte und Dienstleistungen, die bestehende Produkte möglicherweise komplett verdrängen. Als tiefer gehender Prozess verändert Disruption die Art, wie wir leben und arbeiten, forschen und Geschäfte machen. Im TEDx-Salon ging es um die spannende Frage, was Disruption für Gesundheit, Technologie, Mobilität und Wirtschaft bedeutet. Konkrete Beispiele veranschaulichen die derzeitige Entwicklung.

Was sind disruptive Technologien?

Pascal Finette arbeitet an der Singularity University im kalifornischen Silicon Valley. Die Singularity University bietet Studienprogramme und Abschlüsse sowie Kurse und Veranstaltungen für Forscher und Gründer an. Finette gab einen Einblick in das Wirken disruptiver oder exponentiell wirkender Technologien. Als Beispiel nannte er den Weg vom ersten Superrechner Cray X zum heutigen Drive PX2 für autonome Autos. Computer wurden nicht nur leistungsfähiger, sondern auch kleiner und billiger. „Sobald eine Technologie digital wird, wird sie auch exponentiell“, sagte er.

Das sei auch die einzige Möglichkeit, die Probleme der Zukunft zu lösen. Um das heutige Niveau von Lebensstandard, Einkommen und Wirtschaftsleistung zu halten, bräuchte die Gesellschaft 600 Millionen neue Jobs bis 2050. „Das wird aber nicht geschehen, also muss sich die Gesellschaft darauf einstellen“, so Finette.

Medizinische Forschung ohne Versuchstiere

Nathalie Brandenberg ist Mit-Gründerin von SUN Bioscience. Die Schweizerin studiert Lebenswissenschaften an der Ecole Polytechnique Federale de Lausanne. In ihrer Forschung entwickelt sie Methoden, um aus Stammzellen Organmodelle zu züchten. Bisher werden Zellen in Petrischalen kultiviert, für Stammzellen jedoch die falsche Umgebung. Stammzellen sind undifferenzierte Zellen im Körper, die noch nicht zu spezialisierten Zellen, etwa Zellen im Magen oder im Gehirn geworden sind. Brandenbergs Unternehmen liefert die passende Umgebung – ein Hydrogel, in dem Stammzellen wachsen und Modellorganismen bilden können. So lassen sich dann individuell angepasste Medikamente testen. Diese Medizin käme dann auch ohne Versuchstiere aus und würde wirksamere Medikamente liefern.

Gegenwärtig erfordert die Zulassung neuer Medikamente ausgiebige Tests, die viele Versuchstiere das Leben kosten. Trotzdem läßt sich die Wirksamkeit beim einzelnen Patienten nie genau vorhersagen. Brandenbergs Hydrogele könnten Versuchstiere demnach überflüssig machen. Die in den Gelen gezüchteten Modellorganismen bilden ihren Ausführungen zufolge exakt ein bestimmtes Individuum ab. Ein neuer Wirkstoff könnte nun offenbar paßgenau auf genau diese Person zugeschniten werden.

Genauere Erkenntnisse via Smatphone-Apps

Vedrana Tabor arbeitet in der Krebsforschung. Sie leitet die Forschungsabteilung von Clue, einem auf Frauengesundheit spezialisierten Unternehmen. Tabor will durch so genannten Big Data-Technologien frühere und genauere Diagnosen von Krebs und anderen Krankheiten ermöglichen. Bisher, so Tabor, haben sich Datenerhebungen eher auf weiße Männer in der westlichen Mittelschicht konzentriert. „Menschliche Vielfalt wurde weitgehend ignoriert“, so ihre Einschätzung. So würden die meisten Studien immer noch überwiegend mit Männern gemacht, dagegen nur 10 Prozent mit Frauen. Also bleibe etwa die Hälfte der Menschheit außen vor.

Tabor will nun möglichst viele Menschen motivieren, ihre Gesundheitsdaten über Smartphone-Apps zu teilen und an Clue zu übermitteln. So bekommt das Unternehmen schnell große Datenmengen zusammen, die Tabor dann auswertet. Vor allem enthalten diese Daten auch Informationen über Personengruppen, die bisher in Studien kaum erfaßt wurden, also etwa Menschen aus anderen sozialen Schichten, Frauen oder Menschen anderer Rassen. Von der schnellen Auswertung dieses größeren Datenpools erhofft sich Tabor schnellere und genauere Erkenntnisse über Krebs und andere Erkrankungen.

Mobilität: neue Lösungen für Städte der Zukunft

Damien Declercqs Thema ist die Mobilität von morgen. Er kommt aus der Automobilindustrie und leitet Local Motors. Das US-Unternehmen setzt auf Prinzipien wie Open Source und Crowfunding. Ziel sind umweltfreundlich hergestellte Autos mit Elektroantrieb. Bei der Herstellung nutzt das Unternehmen 3D-Druck und weltweit verteilte kleine Fabriken. Konstruktionsunterlagen stehen online als Open Source-Produkt zur Verfügung. Declercq sieht Disruption als schiere Notwendigkeit.

„70 Prozent der Menschen werden 2050 in Städten wohnen“, sagte er. Für den Individualverkehr wird es zu eng. In China gibt es bereits Staus, die sich über Tage nicht auflösen. Zudem stünden 35 Prozent der Zeit Autos einfach nur herum. Also brauchen die Städte der Zukunft andere Lösungen. Für Declercq sind das fahrerlose und digital vernetzte Autos mit Elektroantrieb, die man je nach Bedarf bestellt. Diese Autos sollen lokal und mit nachhaltigen Technologien produziert werden.

Dezentrale Lösungen im Banking

Lorne Lantz ist ein Bitcoin-Unternehmer, der bereits mehrere erfolgreiche Startups aufgebaut hat. Mit seinem aktuellen Projekt will er die Blockchain-Technologie einsetzen, um das Bankwesen in wenig entwickelten Ländern Asiens voranzubringen. Eine Blockchain ist eine Datenbank, die Verbraucher und Lieferant direkt verknüpft. Alle Transaktionen sind für alle Nutzer gleichermaßen sichtbar. Bitcoin ist wohl die momentan bekannteste Blockchain-Anwendung. „Blockchain erlaubt vielen Parteien, die sich nicht vertrauen, miteinander zu kooperieren“, sagte Lantz. Denn die untereinander verbundenen Rechner kontrollierten sich gegenseitig, so Lantz. Außerdem funktioniert die Blockchain dezentral und könne so zentralisierte Systeme ablösen.

Neues Wohnen

Xing-Gründer und Unternehmer Lars Hinrichs bot mit seinem futuristischen Apartimentum nicht nur den Ort für die Veranstaltung. Er gab auch Einblicke in sein, wie er sagte, „bisher leidenschaftlichstes Projekt“. Die Immobilie am Mittelweg bietet Menschen, die für eine begrenzte Zeit in Hamburg leben und arbeiten, Wohnungen nach dem neuesten Stand der Technik. Für veraltet hält der das Model traditionellen Miete, das sich seit 70 Jahren nicht verändert habe. Daher bietet er in seinem Apartimentum Wohnungen über Zeitverträge mit einem Versorgungsstandard wie im Hotel und modernster digitaler Vernetzung. Gezahlt werde nicht pro Quadratmeter Wohnfläche, sondern Kubikmeter Lebensqualität, passend zum Thema des TEDx-Salons. Hinrichs: „Disruption heißt für mich, ich komme von außen und definiere vollkommen neu.”
fs/kk

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