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Bürgermeister Olaf Scholz beim Info-Rundgang - © Handwerkskammer Hamburg

Handwerk in Hamburg stellt Weichen für eine digitale Zukunft

SERIE Digitaler Wandel – Teil 2: Kostenersparnis und Wettbewerbsvorteile. Für das Handwerk sind digitale Tools und Prozesse unverzichtbar

„Digitalisierung: Chancen nutzen und Risiken einschätzen“ – so lautete das Motto des diesjährigen „Tag des Mittelstandes“, der traditionellen Veranstaltung von Handels- und Handwerkskammer, Wirtschaftsbehörde und dem Verband freier Berufe im Juni. Hjalmar Stemmann, Vizepräsident der Handwerkskammer Hamburg, forderte bei diesem Anlass dazu auf, digitale Herausforderungen als Chance zu begreifen: „Wir müssen die Weichen stellen für die digitale Wirtschaft der Zukunft. Wir sind schon mittendrin und die Entwicklung wird sehr schnell weitergehen. Das betrifft alle Bereiche, auch das Handwerk – sei es im 3-D-Druck, sei es beim Einsatz von Smartphones und Tablets für Kundendienstmonteure oder in anderen Bereichen.“ Eine Erkenntnis, die sich im digitalen Kommunikations- und Arbeitsumfeld durchsetzt: Wer hier den Anschluss verpasst, wird in naher Zukunft nicht mehr wettbewerbsfähig sein.

Software-Komplettlösungen für das Handwerk

Bastian Molitor von der Klempnerei Deubner beispielsweise geht nur noch mit Tablets zum Kunden. Schluss mit Klemmbrett und der nachfolgenden Papierflut aus Auftragsformularen, Stundenzetteln und Wartungsprotokollen im Büro dachte sich der Installateur- und Heizungsbau-Meister und stattete im Januar 2015 seine Monteure mit Tablets aus. 2007 hatte der 41-Jährige die Klempnerei Deubner GmbH übernommen und schon im Jahr darauf eine speziell auf Handwerksbetriebe ausgerichtete Software-Komplettlösung zur Büroorganisation eingeführt.

Nachdem der administrative Bereich, von der Angebotskalkulation bis zu Rechnungstellung, reibungslos digital lief, folgte der nächste Schritt: Sämtliche, den Auftrag betreffende Vorgänge von Anfang an zu digitalisierten. Für Molitor hat sich die Umstellung gelohnt: „Mit dem neuen mobilen Programm können wir Aufmaß, Auftrag, Kundenservice und alles was dazu gehört, schnell und unkompliziert direkt beim Kunden vor Ort erledigen.“

Zeitersparnis durch digitale Unterstützung

Die digitale Unterstützung bringe vor allem eine bedeutende Zeitersparnis. „Die Monteure können die Aufträge stark beschleunigen. Wenn etwa eine alte Badezimmer-Armatur ersetzt werden soll, schickt der Monteur das Foto zum Hersteller und kann nach kurzer Rücksprache dem Kunden noch vor Ort mitteilen: Die Armatur der Marke X ist zum Zeitpunkt Y lieferbar und kostet Z. Wird der Auftrag dann erteilt – und per Unterschrift auf dem Tablet bestätigt – werden alle Daten automatisch auf den Rechner übermittelt, verarbeitet und mit dem Rechnungsversand und Nachverfolgung abgeschlossen“, erläutert Molitor. Auch mit dem Eingabestift vor Ort angefertigte Skizzen landen mit einem Klick in den Akten und ärgerliche Missverständnisse durch handschriftliche Ungenauigkeiten oder bei der Adressenübermittlung per Telefon gehören der Vergangenheit an.

Kostenersparnis und Imagegewinn

Silke Nevermann, Expertin für digitales Büromanagement in klein- und mittelständischen Unternehmen und Inhaberin des Beratungsunternehmens “Office Concepts”, hebt den Wettbewerbsvorteil hervor, den die digitale Orientierung mit sich bringt und der neben der Kostenersparnis auch im Imagegewinn liege. „Unternehmen, die signalisieren zukunftsfähig aufgestellt zu sein, sammeln Pluspunkte.“ Das gelte für technologiegetriebene Unternehmen ebenso wie für das Handwerk. „Der heutige Kunde ist vielfach digital verwöhnt, kennt und erwartet direkt vor Ort Informationen zu Reparaturaufwand, Liefertermin und voraussichtlich anfallende Kosten.”

Erfolg durch digitale Produktion und Administration

Gute Arbeit braucht gutes Werkzeug – so lautet eine verbreitete Handwerker-Weisheit. „Die Unternehmen müssen stärker dazu kommen, digitale Möglichkeiten als wertvolles Werkzeug zu betrachten“, betont Digitalisierungs-Expertin Nevermann. Einzelne computergesteuerte Geräte, wie CAD Fräsen oder der 3-D-Druck seien im Handwerk angekommen, „doch das Thema muss weiter gefasst werden. Nicht ein digitaler Baustein sondern das Gesamtkonzept ist entscheidend: Die Effizienz in der digitalen Produktion UND die Effizienz im Kundenservice und der Administration.“
ys/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.klempnerdeubner.de
Office Concepts – Handwerk Tipps

Lesen Sie zu diesem Thema auch: Handwerksbetriebe in der Metropolregion blicken zuversichtlich in die Zukunft. www.hamburg-news.hamburg

Zu der Serie Digitaler Wandel erschien in den Hamburg News bereits diese Folge:
Teil 1: Cyber-Bedrohungen erkennen und verhindern

Weiterbildungsangebote zum Thema Digitalisierung

Die Handwerkskammer Hamburg unterstützt das Thema Digitalisierung von Geschäftsprozessen durch Weiterbbildungsangebote und Informationsveranstaltungen. Dabei ist 3-D-Druck eines der zentralen Themen fürs Handwerk in Zeiten der Digitalisierung und stand daher auch im Mittelpunkt der traditionellen Jahresschlussversammlung 2015 der Handwerkskammer Hamburg. Dort informierten sich auch Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz und seine Frau, Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Britta Ernst, über die Möglichkeiten eines 3-D-Druckers. Nächstes Netzwerktreffen „3-D-Druck und Handwerk“: Montag, 11. Juli 2016
www.hwk-hamburg.de/aktuelles.html

Handwerkerhof

Der Hamburger Senat hat grünes Licht für den ersten mehrstöckigen Handwerkerhof am Offakamp am Rande der Automeile Nedderfeld in Lokstedt gegeben. Damit will die Hansestadt rund 70 kleinen und mittleren Handwerks- und Produktionsbetrieben Flächen zu fairen Mietpreisen bieten und Handwerksbetriebe in der Stadt halten. Mitte 2018 soll der Handwerkerhof in Betrieb genommen werden.

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