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Pendula digitalisiert die Abfallwirtschaft - © Shutterstock

Hamburger Startup Pendula krempelt die Recycling-Branche um

Das Startup digitalisiert die Abfallwirtschaft durch eine innovative Software. Das spart der Branche Zeit und Geld

Die Geschichte von Pendula begann genau genommen vor der neuseeländischen Küste. Dort steuerte der Ingenieur Gary Lewis die Recycling-Prozesse auf Container- und Kreuzfahrtschiffen. An einem Tag – es muss im Februar 2015 gewesen sein – erhielt er den Auftrag einen massiven Motorblock aus Kupfer in den Ozean zu schmeißen. Das gab Lewis aus zweierlei Gründen zu denken. Zum einen wusste er, dass der Motorblock sich auf dem Meeresgrund nicht zersetzen und der Umwelt bleibende Schäden zufügen würde. Zum anderen hatte der Stoff einen großen materiellen Wert. An diesem Tag kam Lewis die Idee, einen Marktplatz für Wertstoffe zu starten, über den Erzeuger ihre „Abfälle“ an suchende Käufer weitergeben können.

Auftritt beim Startup Weekend Hamburg

Einige Monate später verschlug es den Neuseeländer der Liebe wegen auf die andere Erdhalbkugel – nach Hamburg. Seine Geschäftsidee trieb ihn noch immer um. Als dann 2015 das Startup Weekend anstand, präsentierte er dort voller Eifer sein Konzept. Zwei Mitstreiter waren schnell gefunden und so nahm das Startup „Pendula“ seinen Lauf. Der Name ist übrigens nicht nur auf einen robusten und formschönen Laubbaum, sondern auch auf das Pendel zurückzuführen, dessen konstantes Schwingen den Kreislauf der Abfallwirtschaft symbolisieren soll. So glanzvoll die Gründungsgeschichte von Pendula klingt, so hart war auch der erste Rückschlag, den die Unternehmer nach einigen Monaten erleben mussten.

Recycling-Branche: bis zu 60.000 Faxe pro Tag

Im ersten Geschäftsjahr hatten die Gründer versucht, Abfallerzeuger für ihren Marktplatz zu gewinnen. Doch es stellte sich heraus, dass die wenigsten Unternehmen sich dafür interessierten, wie ihre Abfälle weiter verwertet werden. Der Abfall sollte vor allem möglichst schnell und günstig entsorgt werden. Zwar wurde der Marktplatz keine Erfolgsgeschichte, doch brachte das Gründungsjahr Lewis und seine Mitstreitern wertvolle Erfahrungen. Sie stellten fest, dass die Kommunikation und der gesamten Arbeitsprozess von Abfallerzeugern und Recycling-Unternehmen in den wenigsten Fällen digital verlaufen. Bis zu 60.000 Faxe habe einer ihrer Pilotpartner noch bis vor Kurzem täglich mit seinen Kunden hin und her geschickt, berichtet Felix Heinricy, Vertriebs-Chef bei Pendula.

Die Software, die ursprünglich für den Online-Marktplatz gedacht war, wurde für das neu geborene Geschäftsmodell umgeschrieben. Von nun an stand die Pendula-App im Fokus: Daten von Container-Füllständen, Abholungsbeauftragungen und Transport-Verfolgungen, die sonst von den Recycling-Unternehmen aufwendig erfasst werden, können über die Anwendung sekundenschnell analysiert und weitergegeben werden. Die genaue Datenerfassung schafft neue Potenziale für die Prozess-Optimierung, zum Beispiel bei Transportrouten.

Testlauf für die Verknüpfung der App mit intelligenten Containern

Das neue Projekt startete Lewis gemeinsam mit Pascal Alich (CTO), der auch schon beim Marktplatz mit an Bord war. Felix Heinricy stieg Anfang 2017 ein. Aktuell laufen Pilotprojekte, eines davon mit dem Recycling-Unternehmen Veolia. Seit zwei Monaten ist dort die Pendula-App im Einsatz und wird von verschiedenen Kunden des Unternehmens genutzt. Zwar verfügt Veolia bereits über eine hausinterne Software, wie Heinricy erzählt. Doch um die Software den Abfallerzeugern zu erklären, seien mehrtägige Workshops nötig. Hier setzt Pendula an. Die App sei intuitiv zu bedienen und setze keine aufwendigen Schulungen voraus, sodass die Kunden sie direkt nutzen können. „Das ist unser großer Vorteil“, so Heinricy.

In der Pilotphase mit Veolia soll zudem die Verknüpfung der App mit intelligenten Sensoren und Smart Containern erprobt werden. So könnte der Abfallerzeuger in Zukunft automatisch über den Füllstand der Container informiert werden. Um das Recycling-Unternehmen mit der Abholung zu beauftragen, sei dann nur noch eine kurze Bestätigung erforderlich.

Das Unternehmen wächst – Software-Entwickler gesucht

Aktuell sind die Gründer in Gesprächen mit weiteren potenziellen Partnern und Investoren, darunter neben Recycling-Unternehmen aus Deutschland auch Großkunden aus ganz Europa. So steigt auch der Personalbedarf. Aktuell ist das Team zu fünft, gearbeitet wird in den Coworking-Räumen des Mindspace in der Hamburger Innenstadt. „Wir suchen dringend Verstärkung für unser Entwickler-Team“, erzählt Heinricy. Und auch beim Ausbau des Partnernetzwerks haben die Unternehmer ein klares Ziel vor Augen: Noch in diesem Jahr wollen sie die größten Recycling-Unternehmen in Deutschland für Pendula gewinnen. Ihre „Vision“ ist, dass Pendula auf lange Sicht nicht nur im B2B-Geschäft, sondern auch bei Endverbrauchern zum Einsatz kommt. Das Team ist voller Tatendrang: „Wir wollen einen vollständig digitalisierten und nachhaltigen Recycling-Sektor schaffen – und das so schnell wie möglich“, sagt Heinricy.
ca

Quellen und weitere Informationen:
www.pendula.de

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