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E-Roller Floatility - © Floatility

Hamburger E-Scooter „schweben“ durch Singapur

Zwölf Kilogramm wiegt das Kunststoff-Gestell, mit dem der Fahrer mit bis zu 25 Kilometer pro Stunde über Asphalt, Kopfsteinpflaster und Rollsplit „floatet“

Das Hamburger Startup Floatility will das Angebot an Sharing-Diensten auf deutschen Straßen um eine Alternative ergänzen: umweltschonende E-Scooter, die lautlos über den Asphalt „schweben“ („floaten“). Doch der Rechtsrahmen für das innovative Konzept ist bis heute nicht geschaffen. Gründer Oliver Risse findet andere Wege, sein zukunftsweisendes Produkt auf den Markt zu bringen. Kürzlich startete Floatility in Singapur und wird dort mehrere hundert Roller betreiben, zunächst auf einem Firmengelände, wie Gruenderszene.de berichtete. Dort sollen Mitarbeiter die elektrischen Dreiräder mieten können. Im September soll der Dienst auch in Wien verfügbar sein, kündigt Risse im Gespräch mit dem Startup-Portal an. Dort wolle man in Zusammenarbeit mit Hotels die Fahrzeuge an Touristen vermieten.

Lösung für das Problem der letzten Meile

In Deutschland scheitert der Unternehmer aktuell noch am Verbot kleiner elektrischer Fahrzeuge im Straßenverkehr. Aufforderungen der Länder an die Bundesregierung die notwendigen gesetzlichen Regelungen zu verabschieden, blieben bislang ohne Erfolg. Dabei könnte der Floatility-Roller das hiesige Angebot an Sharing-Konzepten sinnvoll ergänzen: “Mit dem e-floater wollen wir das Problem der letzten Meile lösen”, sagt der Gründer im Gespräch mit den Hamburg News. Damit sind kurze Strecken von maximal fünf Kilometer Länge gemeint. “Das kann der Weg zur Arbeit oder vielleicht auch nur die Strecke zur U-Bahn sein”, so der Wirtschaftsingenieur.

Arbeit zwischen Singapur und Hamburg

Zwölf Kilogramm wiegt das Kunststoff-Gestell, mit dem der Fahrer mit bis zu 25 Kilometer pro Stunde über Asphalt, Kopfsteinpflaster und Rollsplit “floatet”. Ideengeber Risse arbeitet seit über 15 Jahren im CleanTech-Bereich. Seine Leidenschaft gilt Smart-City-Technologien, Elektromobilität und nachhaltigen Konzepten. Seit mehr als zehn Jahren lebt und arbeitet Risse zwischen Singapur und Hamburg, entwickelt Businesskonzepte und unterstützt junge Unternehmen.

Sitzbank als Solarstation

Floatility soll eine umweltfreundliche Lösung für die Fortbewegung im Stadtgebiet sein. Der Antrieb der E-Roller erfolgt mit Hilfe von Solarenergie. Als Ladestation hat Risse von dem Hamburger Photovoltaik-Produzenten SolarNova eine Solarstation in Form einer Sitzbank entwickeln lassen. “Die Bänke können völlig unkompliziert und flexibel aufgestellt werden”, so Risse. Innerhalb von 1,5 bis 2 Stunden seien die Roller vollständig geladen, um dann rund 15 Kilometer emissionsfrei durch die Innenstadt zu floaten. Die Floatility-App, mit der Roller und Ladestationen geortet werden können, sei bereits betriebsbereit.

Potenzial auf beiden Märkten

Hamburg und Singapur sind die beiden Testmärkte für Floatility. “In Singapur und Hamburg können wir die Tauglichkeit des Rollers unter völlig verschiedenen Witterungsbedingungen prüfen”, so Risse. Potenzial für den E-Roller sieht der Unternehmer auf beiden Märkten. In Singapur machten die tropischen Temperaturen das Fahrradfahren im Innenstadtbereich beinahe unmöglich. “Jede körperliche Betätigung ist unangenehm bei heißen, schwülen Temperaturen”, erklärt Risse. Und auch in Hamburg bringe Floatility neue Vorteile. So könnte der E-Roller zum Beispiel auch zu Stoßzeiten in die U-Bahn mitgenommen werden, da er sich handlich und platzsparend zusammenklappen ließe.

Modulare Fertigung in Indonesien

Zustande gekommen ist das Projekt in Kooperation mit dem Chemie- und Kunststoffkonzern BASF. 2015 startete das Unternehmen mit mehreren Gründern ein „Co-Creation“-Programm zu Themen des städtischen Lebens, Energie und Ernährung. Für Floatlity stellt BASF spezielle Verbund- und Kunststoffwerkstoffe zur Verfügung, die von einem Stuttgarter Maschinenbauer in Indonesien zu den einzelnen Modul-Teilen des Rollers verarbeitet werden. Die Endfertigung nimmt Risse mit seinen fünf Arbeitskollegen an den Standorten in Hamburg und Singapur vor.

Kompakt und modular wie der MakerLab

In Hamburg hat Risse sein Büro mit angeschlossener Werkstatt auf dem MLove Future City Campus in der HafenCity. MLove-Gründer Harald Neidhardt hat die Fläche im Baakenhafen als Austausch- und Arbeitsplattform für Gründer im Bereich der nachhaltigen Stadtentwicklung konzipiert. Hier hat Risse in mehreren See-Containern mit Blick auf die HafenCity Universität seinen “MakerLab HH” eingerichtet. Das Büro spiegle das gesamte Konzept von Floatility. Risse: “Es ist kompakt und modular. Die Container können jederzeit flexibel an einen anderen Ort verlagert werden.”
ca

Quellen und weitere Informationen:
www.floatility.com

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