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Prof. Dr. Christoph Ihl von der TUHH - © Basamba Samba

Startup Dock: „Hamburg braucht eine Pay-It-Forward Culture“

SOMMER-SERIE Startups in Hamburg Teil 2: Prof. Dr. Christoph Ihl von der TUHH im Interview mit Hamburg News über das Gründen an Hochschulen

Die Coaches vom Startup Dock der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) haben schon bekannte Hamburger Startups, wie tabbt, fashion cloud oder Jaano, beraten. Als Academic Director des Gründerzentrums entwickelt Prof. Dr. Christoph Ihl praxisnahe Lehr- und Forschungsangebote im Bereich Technology Innovation und Entrepreneurship.

Hamburg News: Prof. Ihl, welche Vorteile bieten Hochschulen für junge Gründer?

Ihl: Am Startup Dock verzahnen wir die praktische Förderung mit der Lehre. So entstehen hilfreiche Synergien: Studenten schreiben ihre Masterarbeit über die eigene Gründung oder belegen Seminare, die ihr Gründungsvorhaben unterstützen. Junge Unternehmen finden über uns studentische Mitarbeiter oder erhalten Referenzen aus der Wissenschaft für einen Förderantrag. Natürlich gibt es auch in der “freien Wildbahn” erfolgreiche Gründungen, aber die Innovationsdichte ist an Hochschulen nun mal deutlich höher.

Hamburg News: Betreut das Startup Dock vor allem Tech Startups?

Ihl: Bei uns gibt es viele ingenieurswissenschaftliche Projekte aus den Bereichen GreenTech oder Industrie 4.0 und Internet of Things mit logistischem Schwerpunkt. Es gibt aber natürlich auch Startups mit digitalem Fokus auf Apps oder Plattformen. Wichtig ist, dass die Geschäftsmodelle technologieorientiert und skalierbar sind. Unser Ziel ist es aber nicht, die Startups nach festen Kriterien auszuwählen. Wir sind prinzipiell für alle Ideen offen und bemühen uns die Konzepte für finanzielle Förderer attraktiv zu machen.

Hamburg News: Sollten es denn Studenten von der TU sein?

Ihl: Die Gründer, die wir betreuen, kommen nicht ausschließlich von der TU, aber sie haben als Studenten oder Alumni zumindest einen Bezug zu einer Hochschule aus Hamburg oder der Metropolregion. Die besten Projekte entstehen, wenn Experten aus verschiedensten Bereichen – Designer, Betriebswirtschaftler und Ingenieure -zusammenarbeiten. Konkurrenz zwischen den Wissenschaftsinstituten macht da wenig Sinn. Was die Hamburger Gründerszene gebrauchen könnte, ist nicht unbedingt eine weitere öffentliche Fördereinrichtung als vielmehr ein engmaschiges Netzwerk qualifizierter Mentoren, die übergreifend für die Ausgründungen der Hochschulen verfügbar sind. Im Silicon Valley heißt das „Pay-It-Forward Culture“: erfolgreiche Gründer, die ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben.

Hamburg News: Bei welchen Ihrer Schützlinge sehen Sie besonderes Potenzial?

Ihl: Wir sind ja erst vor zweieinhalb Jahren gestartet und die langfristige Überlebensfähigkeit eines Unternehmens sieht man oft erst nach fünf bis sieben Jahren. Zwei unserer Startups stechen derzeit hervor, weil sie gerade eine erste größere Finanzierungsrunde abgeschlossen oder Gründerpreise gewonnen haben. Das ist zum einen Bentekk mit dem mobilen Gasmesser und zum anderen PipeHydroEngery mit einer Technologie zur Energierückgewinnung in Wasserrohrleitungen. Zu unseren Hidden Champions zählen auch der „Internet of Things“-Durchstarter Synergeticon und das Team von GitMate mit seinem System zur automatisierten Code Analyse. Die Ideen dieser Startups sind aussichtsreich, vor allem aber halte ich viel von den Gründerteams dahinter.

Hamburg News: Beobachten Sie bestimmte Trends in der Hamburger Startupszene?

Ihl: Hamburg wird bisher ganz klar als Medien- und Digitalstandort wahrgenommen. Aber ich hoffe und glaube, dass Hamburg hier in Zukunft noch mehr Impulse aus seiner diversen Hochschullandschaft erhalten kann. Wo sich die Günderszene in Zukunft weiterentwickeln könnte, das ist der Bereich „Internet of Things“ mit Smart City-, Smart Port- und Smart Logistics-Projekten. Da gibt es erste spannende Projekte auf dem MLove Future City Campus, aber auch bei uns an der TU Hamburg ist in diesem Bereich noch einiges zu erwarten. Ein weiterer zukunftsträchtiger Bereich stellt Green Tech dar, wo sich wiederum an der TU Hamburg, aber auch am Energie-Campus der HAW in Bergedorf Einiges tut. Eine dritte Säule entwickelt sich hoffentlich stark weiter am Desy-Zentrum und der Uni Hamburg in den Bereichen Optik, Laser und Nanotechnologie.
ca/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.tuhh.de/startupdock

In der SOMMER-SERIE Startups ist bereits folgender Artikel erschienen:
Teil 1: Hamburger Gründer bei Virtual Reality-Anwendungen ganz vorn

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