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European XFEL-Wissenschaftler Maurizio Vannoni prüft den neuen Röntgenspiegel, dessen Oberfläche nicht mehr als einen milliardstel Meter von der Idealform abweicht.  - © European XFEL

Hamburg auf dem Weg zur europäischen Innovationsmetropole

Die Hansestadt baut ihre Position als international erfolgreicher Standort für Forschung und Entwicklung weiter aus

Bahnbrechende Erfindungen haben schon immer die Welt verändert. Allerdings brauchen auch die schlausten Köpfe ein unterstützendes Umfeld, um neue Ideen zu entwickeln und umzusetzen. Hamburg bietet dafür beste Voraussetzungen. Innovationen und die daraus entstehenden Arbeitsplätze bilden die Basis für ein gesundes Wachstum der Wirtschaft und Wissenschaft Hamburgs. Die Hansestadt hat daher gute Chancen, zu einer der Innovationsmetropolen in Europa zu werden. „Nur wenn es uns gelingt, Kreativität, den Austausch von Wirtschaft und Wissenschaft an unserem Standort zu konzentrieren und weiter zu entwickeln, wird der Standort zukunftsfähig bleiben“, betont Frank Horch, Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation. In diesem Jahr sollen dafür weitere entscheidende Weichen gestellt werden.

European XFEL – Forschungsanlage der Superlative

2017 eröffnet in der Metropolregion eine unterirdische Forschungsanlage der Superlative: Der European XFEL erzeugt ultrakurze Laserlichtblitze im Röntgenbereich – 27.000-mal in der Sekunde und mit einer Leuchtstärke, die milliardenfach höher ist als die der besten Röntgenstrahlungsquellen herkömmlicher Art. Die 3,4 km lange und 1,5 Milliarden Euro teure Anlage, die vom DESY-Gelände in Hamburg-Bahrenfeld bis in die schleswig-holsteinische Stadt Schenefeld verläuft, eröffnet völlig neue Forschungsmöglichkeiten für Naturwissenschaftler und industrielle Anwender. Erforscht wird beispielsweise, wie komplexe Biomoleküle oder Werkstoffe auf atomarer Ebene zusammengesetzt sind. Oder das Verhalten von Materie unter extremen Bedingungen, was etwa die Fusionsforschung zur zukünftigen Energieerzeugung auf der Erde vorantreiben könnte.

Durch die Forschung am European XFEL können zudem chemische Prozesse besser verstanden werden, um etwa effizientere Produktionsverfahren für die Industrie zu entwickeln. 11 Länder sind am European XFEL beteiligt. Deutschland (Bund, Hamburg und Schleswig-Holstein) trägt 58 Prozent der Baukosten. Russland übernimmt 27 Prozent und die anderen internationalen Partner zwischen einem und 3 Prozent der Baukosten.

Unterstützung durch den Bund

Für einen Ausbau der Forschungslandschaft in Hamburg und der Metropolregion erhält die Stadt zusätzliche Mittel vom Bund. Neben den Beiträgen, die von der Hansestadt aufgebracht werden, fließen beispielsweise neun Millionen Euro in den Standort-Aufbau des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und drei Millionen Euro in die Gründung des Deutschen Maritimen Forschungszentrums (DMFZ) – so beschlossen im November bei einer Haushaltsbereinigungssitzung des Bundestags. Zudem wird die Grundfinanzierung der Fraunhofer Gesellschaft um 60 Millionen Euro erhöht. Damit hat Fraunhofer die Möglichkeit, neue Zukunftsfelder aufzubauen und zusätzliche Forschungsfelder in die Fraunhofer-Gesellschaft zu überführen. Von dieser Erhöhung könnte auch Hamburg profitieren. Die Stadt führt bereits intensive Gespräche über die Aufnahme Hamburger Institute in die Fraunhofer-Gesellschaft, die sich auf Nanoforschung und 3D-Druck spezialisiert haben.

Fraunhofer zunehmend in Hamburg präsent

Bereits in Hamburg ansässig sind das Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen CML oder der Fraunhofer IME ScreeningPort (IME-SP), hervorgegangen aus der European ScreeningPort GmbH. Und im November gründete das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) eine Abteilung in Hamburg zum Aufbau und Betrieb eines Großprüfstandes für Blattlager von Windenergieanlagen. Angesiedelt ist der neue Forschungsstandort am Technologiezentrum Energie-Campus des Competence Center für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (CC4E) in Bergedorf. Auch aus Sicht von Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung, ein wichtiger Schritt: „Hamburg gehört bereits zu den führenden Windenergie-Forschungsstandorten in Deutschland. Dass das renommierte Fraunhofer-Institut IWES nun auch in Hamburg eine Abteilung gründet, gibt der ganzen Branche am Standort einen Schub.“

Norddeutsche Innovationsallianz für ein “Jahrhundertprojekt”

Mit 41 Millionen Euro Fördergeldern unterstützt das Bundeswirtschaftsministerium das Projekt Norddeutsche Energiewende NEW 4.0. In diesem Projekt, an dem sich die Länder Schleswig-Holstein und Hamburg sowie rund 60 Partner aus Wirtschaft, Industrie und Forschung einbringen, soll demonstriert werden, wie die Region 2035 zu 100 Prozent durch regenerative Energie versorgt werden kann. Die rund 60 Partner aus der Region und überregionale Partner bilden die „Innovationsallianz für das Jahrhundertprojekt Energiewende“ mit gebündeltem technologischem Know-How, unterstützt von den Landesregierungen beider Bundesländer.

NEW 4.0 will die Kernherausforderungen der Energiewende mit einer Doppelstrategie lösen: die Steigerung des Stromexports in andere Regionen durch effiziente Nutzung und Ausbau der Energieinfrastruktur in der Region und durch die Erhöhung der energetischen Selbstverwertungsquote für regionale, regenerative Erzeugungspotenziale.

Plattform für Nordeuropäische Innovationspartnerschaften

Die Energieversorgung einer großen Region zu gewährleisten steht auch im Fokus des EU-Projekts Northern Connections. Es will Rahmenbedingungen und Demonstratoren für nachhaltige Energieprojekte im gesamten EU-Nordsee-Raum schaffen. Bis zum Jahr 2020 engagiert sich das Erneuerbare Energien Hamburg Cluster (EEHH) zusammen mit zwanzig weiteren Partnern der Nordsee-Anrainer von Großbritannien über Deutschland bis nach Norwegen, um eine Plattform für den Mittelstand zu entwickeln, durch die nordeuropäische Innovationspartnerschaften für nachhaltige Energiesysteme entstehen. Das Projekt wird durch das EU-INTERREG-Nordsee-Programm mit 5,3 Mio. Euro gefördert und von der Aalborg-Kommune in Dänemark geleitet.

Hamburg fördert Zukunftstechnologien

Auch andere Zukunftstechnologien hat Hamburg aktiv im Blick. So hat die Stadt zusammen mit der Universität Hamburg und namhaften Industrieunternehmen das Centrum für Angewandte Nanotechnologie gegründet – die Nanotechnologie gilt unter Forschern und Wissenschaftlern als die Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts. Als Technologieanbieter treibt die CAN GmbH neue Erkenntnisse der chemischen Nanotechnologie und der Nanoanalytik für Firmen und Forschungseinrichtungen im In- und Ausland voran. Das Unternehmen ist unabhängig tätig und eng in ein großes Netzwerk international renommierter Forscher im Bereich der Nanowissenschaften, der Nanotechnologie und der Life Sciences eingebunden.

Im Hochtechnologie-Bereich Lasertechnik betreibt das Laser Zentrum Nord (LZN) anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung. Motor beim LZN ist die Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH) mit dem Ziel, beispielgebend zur Beschleunigung des Wissenstransfers aus der Forschung in die Praxis beizutragen.

Im März 2016 eröffnete eine weitere zukunftsorientierte Einrichtung in Hamburg-Finkenwerder: Das Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung (ZAL). Auf rund 26.000 Quadratmetern forschen im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts von Stadt, Wirtschaft und Wissenschaft bis zu 600 Menschen zu Zukunftsthemen wie Fuel Cell, Kabinentechnologie, 3D-Druck oder Virtueller Realität.

Hamburgs innovative Startup-Szene

Ganz nah am Puls der Zeit ist Hamburgs innovative Gründerszene – das zeigte im Mai unter anderem der 2. Hamburg Innovation Summit, eine Plattform für neue Technologien und Innovationen unter Schirmherrschaft von Bürgermeister Olaf Scholz und Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank. Junge Entrepreneure und IT-Experten präsentierten ihre Startups und neusten Trends aus Bereichen wie Virtual Reality, E-Health, Smart Tech, 3D-Printing, FinTech oder New Mobility.

365 Tage im Jahr hingegen setzt sich das Hamburg Startups Team rund um die Gründerinnen Sina Gritzuhn und Sanja Stankovic für eine effektive Vernetzung und Sichtbarkeit der Hamburger Startup-Szene ein, die inzwischen die Marke von 600 Jungunternehmen geknackt hat. Auch die Standortinititative nextMedia.hamburg fördert die innovative Gründerszene und ist Ansprechpartner zu allen Fragen der digitalen Wirtschaft. So sind hiesige Gründer bereits Vorreiter auf dem Gebiet der Virtual Reality-Technologie. Die Hansestadt ist auf einem guten Weg, neben dem Ziel zu einer europäischen Innovationsmetropole zu werden, auch ihren Ruf als deutsche Startup-Metropole zu festigen.
ys/kk

Quelle und weitere Informationen:
www.hwf-hamburg.de
www.dlr.de
www.erneuerbare-energien-hamburg.de
www.haw-hamburg.de
www.iwes.fraunhofer.de
www.nordex-online.com
www.xfel.eu
www.can-hamburg.de
www.zal.aero
www.lzn-hamburg.de
www.hamburg-startups.net

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Hamburgs Forschungslandschaft - Nährboden für Ideen

Nicht nur der Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sichert Innovationen in Schlüsseltechnologien, auch der Transfer in die Zukunft – und dafür steht auch die Internationalität an den Hochschulen. Wie die aktuellen amtlichen Zahlen belegen, ist Hamburg attraktiv für Studierende aus dem Ausland. Im Wintersemester 2015/2016 haben sich mehr als 2.461 internationale Studienanfänger an einer der staatlichen Hamburger Hochschulen eingeschrieben. Insgesamt haben im gleichen Zeitraum 10.958 junge Menschen aus aller Welt in Hamburg eine Hochschule besucht. Das sind 252 mehr als im Jahr davor.

Neben der Universität Hamburg mit mehr als 90 Studiengängen gibt es die HafenCityUniversität, die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW), die Technische Universität Hamburg Harburg und die Kühle Logistcs University – um nur einige zu nennen.

Hamburgs Forschungsinstitute fungieren als Innovationsinkubatoren. International bekannt sind etwa die Helmholtz-Gemeinschaft, das Deutsche Elektronen-Synchrotron DESY, das Center for Hybrid Nanostructures der Universität Hamburg, die Max-Planck-Gesellschaft und die Fraunhofer-Gesellschaft.

Das Laserzentrum Nord (LZN) ist führend in der Weiterentwicklung der 3D-Druck-Technologie. In der Metropolregion besonders bekannt ist das CFK Valley in Stade. Rund 100 Unternehmen und Forschungseinrichtungen arbeiten dort an neuen Prozessen, Verfahren und Produkten im Kohlenstofffaserverbundleichtbau, vor allem für die Luftfahrtindustrie. Das 2016 eröffnete ZAL Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung ist der Think Tank der Luftfahrtindustrie und die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.

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