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Strandkorb und Kicker im Büro: Wie wir künftig arbeiten wollen

Hamburger Startup GOODplace testet Firmenkulturen und setzt unter anderem auf gutes Feelgood-Management

Gute Mitarbeiter sind nicht nur in der stark prosperierenden Hamburger IT und Gamesbranche gesucht und heiß begehrt. Um gefragte Experten zu gewinnen und zu halten, versuchen immer mehr Unternehmen, mit einer Wohlfühlatmosphäre am Arbeitsplatz zu punkten: Tischtennisplatten oder Strandkörbe im Pausenraum, fetzige Betriebsfeste oder Yoga zur Mittagspause. Speziell ausgebildete Feelgoood-Manager kümmern sich um Wünsche, Sorgen und Nöte der gefragten Fachkräfte.

Das Hamburger Start-up GOODplace bietet Unternehmen die Möglichkeit, sich und ihre moderne Arbeitskultur auf einer zentralen Plattform im Internet zu präsentieren. Feelgood Management gilt dabei zwar nicht als einziges – aber dennoch als zentrales Instrument Mitarbeiter zu binden und für neue Talente attraktiv zu sein.

Tool für die neue Arbeitswelt

Vor welchen Herausforderungen stehen Personalmanager eigentlich, um Mitarbeiter zu halten und langfristig für das Unternehmen zu begeistern? Wie möchten Arbeitsnehmer aktuell und in Zukunft behandelt werden? Diese Fragen stellte sich GOODplace-Gründerin Monika Kraus-Wildegger. „Heutzutage ist der Wunsch bei jungen Mitarbeitern nach Flexibilität, Partizipation und Vernetzung besonders groß. Für neue Kollegen, die für den Job nach Hamburg gekommen sind, ermöglichen After Work-Events wie Klettern oder Spieleabende ein besseres Kennenlernen von Stadt und Kollegen. Für schnell wachsende Unternehmen ist es wichtig, dass neue Mitarbeiter gut ankommen“, so Kraus-Wildegger.

Feelgood-Manager nehmen dabei die Rolle eines Mittlers zwischen Arbeitnehmern und Geschäftsführung ein. „Stimmt die Stimmung, wird Knirschen im Team früh wahrgenommen und nach einer Lösung gesucht. Dem Risiko, dass sich beim Mitarbeiter Frust aufstaut und er kündigt, wird damit aktiv entgegengesteuert“, so die Unternehmensgründerin weiter.

Wertschätzung sichtbar machen

Kraus-Wildegger hat bereits in Asien an Programmen zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen gearbeitet. Die Wirtschaftsinformatikerin und Volkswirtschaftlerin fragte sich schließlich selbst: „Wie will ich denn überhaupt arbeiten?“ und gründete GOODplace vor drei Jahren in Hamburg. „Immer mehr Unternehmen wollen zeigen, dass sie anders arbeiten und ihre Mitarbeiter als Mensch und Leistungsträger wertschätzen. Dazu analysieren wir im ersten Schritt den Feelgood-Faktor der Firmen mit „Luft nach oben“-Themen“, sagt Kraus-Wildegger.

Ergänzend gibt die Gründerin selbst Seminare und Workshops zu Feelgood Management. Nach einer anfänglichen Unterstützung durch das social impact start Stipendium finanziert sich das Startup inzwischen selbst. Das ist der Gründerin auch wichtig: „Wir müssen unabhängig agieren können, um unserer Rolle als neutrale Gutachter gerecht zu werden“.

Bewertungsgrundlagen

Flexibilität, Fairness, Offenheit, Zusammenarbeit, Arbeitskultur, Nachhaltigkeit, Gemeinschaft und Arbeitsplatz sind die Kategorien, die Wissensmitarbeiter für besonders wichtig empfinden. Die Kategorien, gehen aus einer GOODplace Studie hervor, die von den Ergebnissen der Fraunhofer KAI-Umfrage bestätigt werden. GOODplace analysiert im Unternehmensauftrag den firmeneigenen Feelgood-Faktor, spricht mit Managern und Mitarbeitern.

Wenn mindestens zwei der genannten Kategorien gut umgesetzt werden, steht der Aufnahme in die GOODplace Community nichts mehr im Wege. Regelmäßige Feelgood-Analysen und Unterstützung sollen die Weiterentwicklung der Feelgood Kultur gewährleisten.

Jimdo und Xing sind dabei

Bisher wurden sieben „GOODplaces“ in die Community aufgenommen und mit dem GOODplace Prädikat ausgezeichnet. Dazu gehören auch der Hamburger Online-Spielentwickler Goodgame Studios, das IT-Startup Jimdo und der Hamburger Internetriese Xing.

„Uns geht es dabei nicht nur um eine Wohlfühlatmosphäre im Büro, sondern um ein nachhaltiges Feelgood Management, das möglichst viele Belange der aktuellen und künftigen Mitarbeiter berücksichtigt“, so Monika Kraus-Wildegger. „Da reicht es nicht, nur einen Kickertisch oder eine Obstschale aufzustellen.“

Alle GOODplace Unternehmen sind in einem technischem, schnellem und kreativem Umfeld erfolgreich. Ihr Rezept: Mitarbeiter, die sich wohlfühlen und ihre Energie, Ideen und permanente Lernbereitschaft einbringen.
jan/ker

Quellen und weitere Informationen:
www.goodplace.org
www.kai.iao.fraunhofer.de

Fraunhofer KAI

GOODplace ist Partner des Kopfarbeit-Index des Frauenhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation. Die Langzeitstudie läuft seit 2013 und beleuchtet Trends sowie Wünsche von Kopfarbeitern. Angestellte werden nach ihren Arbeitsbedingungen und Studierende nach ihren Wunschvorstellungen für die zukünftige Arbeit gefragt. Dadurch können Wunsch- und Ist-Zustände miteinander verglichen werden.
Die aktuellen Tendenzen zeigen demzufolge, dass großes Engagement und gute Leistungen erbracht werden, wenn die Mitarbeiter und ihre Arbeit wertgeschätzt werden.
www.kai.iao.fraunhofer.de

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