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Speaker Clas Beese bei der FinTech FuckUp Night - © Katrin Bpunkt/ Fintech Week Hamburg

FuckUps und andere Highlights - Das war die FinTech Week 2016

Nicht nur große Banken, auch Startups bauen schonmal Mist. Drei Gründer berichten bei der FinTech FuckUp Night von Fehlern und Neuanfängen

Fünf Tage, über ein Dutzend Veranstaltungen und mehr als 40 Speaker – das war die erste FinTech Week in Hamburg. Obwohl eine Eventwoche zur Digitalisierung des Bankenwesens nach trockenen, hochkomplexen Themen klingen mag, ging es in den Sessions erstaunlich locker zu. Es ist eben doch eine junge, lebendige Startup-Szene, die dieses Feld bestreitet. Auch bei der FinTech FuckUp Night am Mittwochabend saßen die Gäste mit Bier und Limonade gemütlich beisammen. „FuckUp“ – das steht für „Mist bauen“. Es ist ein Thema über das nicht jeder Unternehmer gerne spricht. Doch aus Fehlern kann man lernen. Und so geben die 1337MATE -Gründer Claudius Holler und Daniel Plötz als Veranstalter der Hamburger FuckUp Nights den Geschichten des Scheiterns eine Bühne.

„Die Finanzbranche ist für FuckUps bekannt“, sagt Claudius Holler vor den rund 100 Gästen, die sich im betahhaus in der Hamburger Schanze eingefunden haben. In den nächsten Stunden werde es aber nicht um große Banken-Crashs, sondern um die Fehlschläge junger FinTech-Pioniere gehen.

„Am Anfang waren wir Grünschnäbel“

Der erste Speaker ist Jonas Piela, Mitgründer und Geschäftsführer des Unternehmens Avuba. „Welchen unserer ganzen Fehler soll ich eigentlich vorstellen?“, fragt Piela zum Einstieg. Das Publikum lacht. Dann wirft er eine Powerpoint-Folie an die Wand, die eine „Mutkurve“ seines Teams in Hoch-und Tiefphasen der Geschäftsentwicklung zeigt. Eine zweite wellenförmige Linie bedeutet das leicht nachgelagerte Auf und Ab der medialen Berichterstattung. „Am Anfang waren wir Grünschnäbel“, sagt Piela. Der Anfang, das war 2013. Damals kam Piela und seinen Teamkollegen die Idee ein vollständig digitalisiertes Konto zu entwickeln.

Die Grafik zeigt: Nach ersten Höhenflügen fällt die „Mutkurve“ 2014 unter Null. Was war passiert? „Wir hatten viele Punkte unterschätzt“, sagt der Unternehmer im legeren Pullover. Gerade im FinTech-Bereich gebe es zahlreiche Stolpersteine, wie Geldwäsche und andere Formen des Betrugs. Zudem gestaltete sich die Suche nach geeigneten Partner-Banken schwieriger als gedacht. Erst mit einem zuverlässigen Partner ging es 2015 für Avuba wieder bergauf. Mit einer neuen, aber gleichnamigen App sieht sich das Startup nun auf dem richtigen Weg. Die Branche aufgemischt hat Piela ohnehin: Das Wirtschaftsmagazin Forbes zeichnete ihn 2015 als einen der 30 wichtigsten Entrepreneure unter 30 Jahre im FinTech-Bereich aus.

Das typische Henne-Ei-Problem

Nicht nach jedem „FuckUp“ kommt ein Unternehmen wieder auf die Beine, wie das Beispiel von Gründer Clas Beese und seiner Crowdlending-Plattform finmar zeigt. 2011 kam ihm und seinen Teamkollegen die Idee, eine Online-Plattform nach amerikanischem Vorbild zu entwickeln, auf der mehrere Anleger gleichzeitig in Startups investieren können. Als finmar online ging, sah sich das Unternehmen einem typischen Henne-Ei-Problem gegenüber, wie Beese den Gästen bei der FuckUp Night erklärt. Weder Anleger noch Unternehmer wollten die Plattform nutzen. Weil sich keine der beiden Seiten zuerst zum Eintritt in das System bewegen ließ, ging finmar Ende 2015 offline.

„Wir waren nicht flexibel genug, um auf Veränderungen zu reagieren“, meint Beese heute. Seinem Gründerwillen hat der „FuckUp“ nicht geschadet. Sein umfassendes Wissen über die FinTech-Branche nutzt der Unternehmer heute als Herausgeber des erfolgreichen E-Mail-Newsletters finletter. An einer Crowdlending-Plattform werde er sich allerdings nicht nochmal versuchen. „Ich bin total geheilt von diesem Markt“, sagt Beese und erntet lauten Beifall.

Für mehr „Fehlertoleranz“ in der Gesellschaft

Zuletzt tritt Gründer Stefan Herbst ans Mikro. Mit seinem Startup Haftpflicht Helden gilt er heute als Pionier der InsureTech-Branche. Doch auf dem Weg dorthin musste auch Herbst Fehlschläge hinnehmen. Seine erste App „schutz2go“, mit der Reiseversicherungen mobil und in Echtzeit gebucht werden konnten, sei 2011 für den damaligen Technikstand „ein echter Knaller“ gewesen, sagt der Business-Mann im sportlichen Sakko. Trotzdem fanden er und seine Teamkollegen keine Abnehmer für die Anwendung. „schutz2go“ entpuppte sich als Fehlschlag. Damals seien es „furchtbare Erfahrungen“ für ihn und sein Team gewesen. Doch eben diese führten Herbst mit seinem 2015 gegründeten Startup Haftpflicht Helden zum Erfolg. Seine eigene Geschichte soll jungen Gründern Mut machen, ihren eigenen Weg zu gehen. Herbst wirbt für mehr „Fehlertoleranz“ in der Gesellschaft – denn die sei in Deutschland noch viel zu schwach.

Die FinTech Week geht am Freitagabend mit einer Keynote von figo -CEO André M. Bajorat zu Ende. Auch im kommenden Jahr soll die Eventwoche wieder in Hamburg stattfinden. Der genaue Zeitraum ist noch offen. Der Termin der nächsten FuckUp Night steht dagegen bereits fest. Am 10. November werden im Mercedes me Store wieder „ganz normal“ Startups verschiedener Branchen über ihre Fehlschläge berichten, wie Veranstalter Daniel Plötz zum Abschluss der FinTech-FuckUp Night betont.

Christin Apenbrink

Quellen und weitere Informationen:
www.fintechweek.de
www.facebook.com/TheFUNHamburg
www.hamburg.betahaus.de

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