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Experte: Die Vorteile von KI - © Oliver Wachenfeld

Experte: So nutzen Sie die Vorteile Künstlicher Intelligenz

Wie sehr werden Roboter und Künstliche Intelligenz unsere Zukunft prägen? Ein Gespräch mit dem Hamburger Digitalexperten Oliver Rößling

Sich von einem Roboter einen Burger servieren zu lassen oder sich im Hotel von einer KI gesteuerten Maschine die nächstgelegenen Sehenswürdigkeiten erklären zu lassen, mag in Asien kein Problem sein. „In Deutschland werden wir humanoiden Robotern in großer Zahl so schnell wohl nicht begegnen“, meint Oliver Rößling, Chief Digital Officer bei der Absolute Software GmbH. Der 34-Jährige ist Gründer, Networker und Experte für Trendforschung und Innovationsberatung bei allem, was das Digitale betrifft.

Er beobachtet in der deutschen Gesellschaft eine tiefsitzende Skepsis gegenüber einer Technik, die sich möglicherweise gegen den Menschen wenden könnte. Schuld daran sei vielleicht unsere filmische Sozialisation mit Sci-Fi-Schreckensszenarien wie „Terminator“, „Matrix“ oder „I, Robot“, so Rößling. „Künftigen Generationen wird der Einsatz von KI und Robotern wahrscheinlich ganz normal erscheinen und unsere Kinder werden uns auslachen und fragen: ´Was, davor hattet ihr Angst?`“

Mehr Zeit für kreative Problemlösungen

Rößling jedenfalls erwartet nicht, dass der technologische Fortschritt die Menschheit in den Abgrund führen wird. Er sieht vielmehr konkrete Vorteile für den Einsatz von KI. „Alles, was Routine und langweilig ist, liegt nicht in der Natur des Menschen. Das kann KI übernehmen“, findet er. Kreative Aufgaben hingegen würden auch weiterhin vom Menschen übernommen. „Denn da wird es spannend. Und wenn uns KI die trockenen Standardarbeiten abgenommen hat, bleibt uns die Zeit, um kreative und individuell passende Lösungen für aktuelle und künftige Herausforderungen zu entwickeln.“

Was aber, wenn künstliche Intelligenz kreativ wird? In Amerika hat ein Algorithmus ein Drehbuch samt Regieanweisungen geschrieben. In Japan hat es ein von einem KI-System ko-editierter Roman in die zweite Runde eines Literaturwettbewerbs geschafft. Rößling winkt ab. „KI mag manchmal kreativ wirken, aber für echte Kreativität braucht es ein Bewusstsein. Das menschliche Bewusstsein haben wir selbst noch nicht ganz entschlüsselt – und solange kann es die Maschine auch nicht lernen.“

Big Data in Smart Data umwandeln

Aktuell seien wir vielmehr noch damit beschäftigt, aus „Big Data“ „Smart Data“ zu machen. Das Sammeln von Daten ist längst zur ersten Unternehmenspflicht geworden, „doch große Datenmengen kann man sich wie einen großen, unbearbeiteten Marmorblock vorstellen. Um eine hübsche Skulptur zu erhalten, brauchen wir Algorithmen, die aus der Datenmasse je nach Fragestellung sinnvolle Ergebnisse gewinnen“, erklärt Rößling. Und dazu müsse stärker interdisziplinär gearbeitet werden.

So verfüge etwa die Medizin, die traditionell Studien in großem Stil durchführt, über einen wahren Datenschatz. „Der aber liegt viel zu oft ungenutzt brach, da die wenigsten Mediziner über IT-Kenntnisse verfügen.“ Arbeiten nun aber ITler und Mediziner zusammen, ließen sich ungeheure Synergien schaffen, sagt Rößling.

„12min.me“ als Vorbild

Das gelte ebenso für die acht Cluster (Netzwerke aus Unternehmen, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft), die Hamburg im Rahmen seiner Innovationspolitik vorantreibt. „Hier muss noch stärker eine kuratierte interdisziplinäre Kommunikation stattfinden“, betont Rößling. Im Zentrum könnte dabei nextMedia.Hamburg stehen. Die Standortinitiative des Hamburger Medien- und IT-Clusters begleitet vor allem Akteure des Hamburger Medienstandorts bei der digitalen Transformation, ist aber mit ihrer Expertise auch ein idealer Partner für digitale Fragestellungen aus Clustern wie Maritimes, Life Science oder Logistik.

Um die verschiedenen Cluster sinnvoll zusammenzubringen, könnte das von Rößling initiierte Format „12min.me“ Vorbild sein. Einmal im Monat halten Experten und Young Professionals Vorträge in den Räumlichkeiten der Absolute Software GmbH. Jeweils drei Vorträge beschäftigen sich mit dem „Binding Link“ von Tech- und Businessthemen. Die exakt zwölfminütigen Präsentationen „von klugen Köpfen über topaktuelle Themen“ bieten die ideale Grundlage für das anschließende Networking. „So können Partnerschaften entstehen, die vielfältige Synergien erzeugen – auch clusterübergreifend“, so Rößling.
ys/ca/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.absolute.de
www.12min.me

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