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"Schiffstester" Matthias Morr - © Mathias Sauter

Ein YouTuber aus Hamburg macht Urlaub zum Geschäftsmodell

Seine Leidenschaft für Luxus-Dampfer finanziert der ehemalige Radiojournalist Matthias Morr über YouTube-Werbung und Sponsorengelder

Die Kreuzfahrtsaison hat Fahrt aufgenommen – immer öfter mit an Bord: der Influencer Matthias Morr. Auf seinem YouTube-Kanal „Schiffstester“ schafft der ehemalige Radiojournalist unverfälschte Einblicke in die Luxus-Dampfer, die die Weltmeere durchqueren. Mit rund 13 Millionen Views und 19.000 Abonnenten ist Morr zwar nicht mit den großen Influencern auf einer Höhe, doch in seiner Nische hat er sich eine respektable Reichweite aufgebaut. So hängt Morr auch offizielle Kanäle locker ab, wie schon die Online Marketing Rockstars befanden. Seine Einnahmen bezieht der 41-Jährige über YouTube-Werbung und seinen Sponsor, ein Kreuzfahrt-Reisebüro.

Glaubhafte Begeisterung

Was macht Morr so erfolgreich? „Ich habe eine Leidenschaft für die Kreuzfahrt. Das spüren meine Abonnenten“, sagt der Hamburger. Er begegne seinen Zuschauern auf Augenhöhe und mache sich damit „anfassbar“. Über die Jahre habe er auch technische Lektionen gelernt, zum Beispiel, dass längere Videos ihn im YouTube-Ranking nach oben bringen. In einem seiner jüngsten Videos nimmt Morr das „ausgesprochen hübsche“ Buffetrestaurant, die „Abtanzbar“ und die „Himmel und Meer-Suite“ („ein Traum“) auf der Mein Schiff 6 unter die Lupe. Seine Begeisterung ist echt: „Ich schätze die Erholung, das gute Essen und die Möglichkeit, mit nur einmal Kofferpacken viele neue Reiseziele zu entdecken.“

Mehrheit der Zuschauer ist älter als 35

Begonnen hat alles im Jahr 2008 mit einem Pressetermin. Bei der Begehung eines Kreuzfahrtschiffes in der Werft Blohm + Voss drehte Morr spontan das erste Video und stellte es online. Überraschend schnell wuchs seine Fan-Gemeinde, sodass er schließlich zum „Vollzeit-Influencer“ wurde. Zu seinen Abonnenten zählen nach Morrs Einschätzung viele Kreuzfahrt-Interessierte, die noch nie an Bord eines Passagierschiffs gewesen sind. Anders als die meisten YouTube-Kanäle spricht „Schiffstester“ nicht nur das typische junge Klientel an. Rund 60 Prozent seiner Zuschauer seien über 35 Jahre alt, sagt Morr.

Eigene Fan-Base statt Vorgaben vom Chef

Der Terminkalender des Influencers ist prall gefüllt: Gerade erst zurück von einer viertägigen Tour an Bord der AIDAperla, wird er Anfang Juni bei der Taufe der Mein Schiff 6 im Hamburger Hafen dabei sein. Ohne viel Zeit zum Verschnaufen geht es im Anschluss in Le Havre auf die MSC Meraviglia und auf der Norwegian Jade von Southhampton zurück in die Hansestadt. So läuft es weiter bis zum Ende der Saison. „Ich muss schon aufpassen, dass es nicht zu viel des Guten wird. Sonst stumpft man ab“, gibt der YouTuber offen zu.

Wie lange er noch als Kreuzfahrt-Tester unterwegs sein wird, kann Morr nicht genau sagen. Vollzeit zurück in den klassischen Journalismus will er jedenfalls nicht: „Es ist eine spannende Herausforderung sich eine eigene Fan-Base aufzubauen. Dabei ist man viel freier und es gibt keinen Chef-Redakteur, der einem die Linie vorgibt.“
ca/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.schiffstester.de
YouTube-Kanal “Schiffstester”: www.youtube.com

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