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Social Media Week 2016: Deanna Zandt bei ihrem Vortrag „Stop Being Such a jerk in the internet“ - © Malte Klauck

Digitale Intelligenz ist auf dem Vormarsch

Die Social Media Week 2016 ging am Freitag zu Ende. Mehr als 170 Veranstaltungen standen auf dem Programm. Ein kleiner Auszug

Wir sind anders! Im Gegensatz zu gut 80 Prozent der übrigen Nationen stellen deutsche Unternehmen traditionell die Aufgabe vor die Beziehung, das Ergebnis vor den Prozess und das Individuum vor die Gruppe. Der Rest der Welt tickt da ganz anders – und mit ihr die Social Media-Crowd. So ist der Kulturschock quasi vorprogrammiert, wenn Social Media Einzug in deutsche Firmen halten soll, erklärt Petra Sorge dos Santos, Business-Coach und Inhaberin von „CL!C Connecting“ bei ihrem Vortrag „Moderner Kulturschock: Social Media Community trifft auf deutsche Unternehmenskultur“ im Rahmen der Social Media Week in Hamburg, die an diesem Freitag zuende geht.

Magische Hürde

Diesen kulturellen Hintergrund zu verstehen, sei der erste Schritt zu einem funktionierenden digitalen Miteinander. Doch es liegt noch eine echte Wanderung vor uns, warnt die leidenschaftliche Kultur- und Weltenverbinderin Petra Sorge dos Santos weiter. „Bis sich eine Kultur verändert, kann es 50 Jahre dauern.“ Immerhin, wir haben es mit einem Prozess zu tun. Und sobald 17 bis 19 Prozent der Mitarbeiter eines Unternehmens socialmedia-affin sind, ist eine Art magische Hürde genommen und die weitere Entwicklung verlaufe deutlich schneller.

Auf die Frage, was wir tun könnten, um diesen Prozess anzuheizen, antwortet Petra Sorge dos Santos: „Abstrakte Konzepte helfen nicht viel. Aber das eigene Erleben und die Erfahrung, wie nützlich Social Media sein kann“ – das wirke manchmal Wunder.

„Stop Being Such a jerk in the internet“

Medientechnologin Deanna Zandt kann sich wahrscheinlich nur schwer vorstellen, dass es überhaupt äußerer Anreize bedarf, um sich im Netz zu tummeln. Die New Yorkerin ist seit über 20 Jahren begeistert online und überzeugt: Nur mit echter Emotion lasse sich im Netz etwas bewegen.

Nun mangelt es aktuell wirklich nicht an Emotionen im Internet. Die Flüchtlingsdebatte wird von einer Flut aus Hasskommentaren, Verdächtigungen, Schuldzuweisungen und Drohungen begleitet. In Amerika seien es Schwarzen- und feministische Aktivisten, die online angegriffen würden, erzählt Zandt und fordert: „Stop being such a jerk in the internet“. Offenbart das Gift im Netz nun die dunkle Seite der Technologie, wird sie gefragt. Ihre Antwort: „Nein. Es offenbart die dunkle Seite der Menschheit.“

Allerdings hätten Studien ergeben, dass viele Hater im Netz einer verzerrten Realitätswahrnehmung erliegen. Ihre ´Opfer` erscheinen ihnen nur bedingt real, könnten somit auch nicht echt leiden. „Können sie doch!“, empört sich Zandt. Social Media-Nutzer schütten bei einer als angenehm empfundenen Online-Beziehung genau das gleiche Hormon aus, wie nach einer Runde Kuscheln, fährt sie fort. Und so würden auch digital geäußerte Beleidigungen oder Drohungen als real empfunden. „Immerhin wissen wir nun, wo wir ansetzen müssen“, ist ihr Fazit. „Seid empathischer“ – on- und offline!

„Industrie 4.0 – Hamburgs Wirtschaft und die digitale Revolution“

Der aktuelle ´Online-Status` der Stadt Hamburg wurde bei der Veranstaltung „Industrie 4.0 – Hamburgs Wirtschaft und die digitale Revolution“ unter die Lupe genommen. „Ist Hamburg auf dem Weg zu einer wirklichen Smart City?“, fragt Moderatorin Dr. Anna Schwan von „Schwan Communications“.

„National ist Hamburg gut aufgestellt“, urteilt Prof. Dr. Alkis Otto vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI). Olaf Scholz bescheinigt er das Thema gut im Blick zu haben und auch E-Government sei gut etabliert. International jedoch sehe das noch etwas anders aus. „Allein in Europa haben uns Amsterdam in Punkto E-Mobilität und Kopenhagen mit seiner Energiepolitik einiges voraus.“

Wie sehr sei denn ein traditionelles Unternehmen wie die HHLA an der digitalen Entwicklung interessiert, möchte Schwan wissen. Tradition und Innovation schließen sich keineswegs aus, findet HHLA-Pressesprecher Karl Olaf Petters und betont: „Der Hamburger Hafen war von jeher Innovationstreiber.“ Als aktuelles Beispiel nennt er ein Pilotprojekt in Kooperation mit Vattenfall zur Elektromobilität. Auf dem Container Terminal Altenwerder wird erforscht, wie die Batterien von zehn batteriebetriebenen Schwerlastfahrzeugen exakt dann aufgeladen werden können, wenn Ökostrom-Spitzen aus Wind- und Solarenergie im Netz sind. Ziel sei es, das Thema intelligentes Lademanagement voranzubringen. Digitale Intelligenz ist auf dem Vormarsch.
ys/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.socialmediaweek.org/hamburg/

Über die Social Media Week Hamburg

Mehr als 170 Veranstaltungen standen in diesem Jahr bei der Social Media Week Hamburg vom 22. bis zum 26. Februar auf dem Programm. Bei den Vorträgen, Diskussionen und Panels wurden Themen behandelt, wie der Digitale Wandel in Unternehmen und Städten, der Umgang mit Social Media – privat oder als Marketing-Tool – oder Chancen und Herausforderungen für Startups. Wer eine spannende Veranstaltung verpasst hat, kann das online nachholen. Auf www.socialmediaweek.org/hamburg sind Videos hinterlegt.

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