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Zukunftslotse Moritz Avenarius - © Moritz Avenarius / Fotografin Benja Weller

Design-Thinking nach dem "Sechs-Punkte-Plan"

In Workshops lehrt der Hamburger Berater Moritz Avenarius Prozesse innovativer Denkansätze. Auf diese Punkte kommt es an

Innovatives Denken ist im globalen Wettbewerb unverzichtbar. Großkonzerne streben ebenso wie junge Startups nach Produkten und Services, die die Bedürfnisse ihrer Kunden optimal befriedigen. Eine Methode, die bei dieser Zielsetzung unterstützen kann, ist das sogenannte Design Thinking. Das Konzept, das bereits in den 90er Jahren von der Innovationsagentur IDEO entwickelt wurde, erobert immer weitere Bereiche – nicht nur bei Architekten und in der Industrie, auch in der öffentlichen Verwaltung und im Handwerk wächst das Interesse, wie der Trainer Moritz Avenarius beobachtet. Im Gespräch mit den Hamburg News erklärt der Physiker Reiz und Chancen einer vielschichtigen Innovations-Methode.

Hamburg News: Herr Avenarius, Sie leiten Workshops in Unternehmen und Organisationen zum Thema Design Thinking. Worin bestehen die Denkhürden, die Ihre Teilnehmer überwinden müssen?

Moritz Avenarius: Beim Design Thinking gibt es zwei wesentliche Herausforderungen. Zum einen muss der Mensch mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt der Betrachtung rücken. Design Thinking bedeutet aber nicht einfach herauszufinden, was der Kunde möchte, sondern seine Bedürfnisse zu deuten und ein entsprechendes Produkt zu entwickeln. Was damit gemeint ist, veranschaulicht ein Zitat von Henry Ford: „Wenn ich die Menschen gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt schnellere Pferde.“ Der Nutzer wäre nicht selbst auf die Idee gekommen, dass ein Auto die deutlich komfortablere Lösung ist. Das musste die Industrie antizipieren.

Die zweite Herausforderung besteht darin, Probleme nicht unmittelbar eine Lösung entgegensetzen zu wollen. Ich nenne das einen kompetenten Lösungsaufschub. Noch heute gilt viel zu oft der Leitsatz „Wenn du es einmal machst, mach es richtig.“ Beim Design Thinking werden Ideen und Prototypen genauso schnell verworfen, wie sie entwickelt wurden. Der Lösungsprozess verläuft viel kleinschrittiger.

Hamburg News: Wie genau verläuft denn so ein Design Thinking-Prozess?

Moritz Avenarius: Die Methode folgt einem strukturierten Sechs-Punkte-Plan. Am Anfang steht das Verstehen – die Definition des Problems der Zielgruppe. Formulierte Annahmen werden anschließend mithilfe von Interviews oder mit Beobachtungen direkt bei den Nutzern geprüft. Dabei soll keine repräsentative Studie entstehen, es geht vielmehr darum, neue Impulse für den Entwicklungsprozess zu gewinnen. Die gesammelten Informationen werden zu einem umfassenden Bild der Zielgruppe, zu sogenannten Personas , verdichtet. Hier schließt der Prozess der Ideenfindung an, der mit verschiedenen Kreativtechniken, zum Beispiel beim Brainstorming oder im Rollenspiel, gefördert wird.

Um die Ideen als Prototypen zu visualisieren, bringe ich meinen Workshop-Teilnehmern zum Beispiel Lego-Bausteine oder Knete mit. Die entwickelten Prototypen werden direkt beim Nutzer getestet und nicht selten wieder verworfen. Ziel meiner Workshops ist es, aus einer Vielzahl von Ideen, eine klare, auf die Zielgruppe zugeschnittene Lösung zu filtern, die man in einem Konzept formulieren und umsetzen kann.

Hamburg News: In welchen Bereichen kommt Design Thinking zum Einsatz?

Moritz Avenarius: Als klassisches Beispiel für gelungenes Design Thinkings gelten die Apple-Produkte, die mit innovativer Form und Handhabung den Computermarkt revolutionierten. Seit ihrer Entstehung in den 90er Jahren hat die Methode vor allem in der Architektur und der Entwicklung von Industrieprodukten Fuß gefasst. Im Zuge der Digitalisierung kommt sie heute immer stärker auch bei der Entwicklung neuer Services, etwa bei Apps, zum Einsatz. Denkt man nur an Schlagworte wie IoT, Industrie 4.0 oder 3D-Druck wird klar, dass das Zuschneiden von Produkten und Services auf die individuellen Nutzerbedürfnisse voranschreitet.
ca/kk

Das Interview führte Christin Apenbrink

Quellen und weitere Informationen:
www.zukunftslotse.de

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