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Designer haben Macht und Verantwortung - © Jonas Wölk

Design aus Hamburg: Nachhaltigkeit wird immer wichtiger

In der Designmetropole Hamburg arbeiten mehr als 12.000 Designer; die Anforderungen an die Branche steigen. Ein Gespräch mit Babette Peters vom designxport

Klarheit in der Form, gepaart mit Funktionalität, stehen für gutes Design. Andererseits sind Purismus oder Dekadenz eine Frage des Geschmacks. Und für viele sind überraschende oder dekorative Elemente, sowie eine angenehmen Haptik, ein entscheidendes Kaufmotiv. Exzellentes Design muss vielen Ansprüchen gerecht werden – und es werden immer mehr.

´Form follows function`, der klassische Leitsatz für Designer, „greift für unsere immer komplexere Welt inzwischen zu kurz“, weiß Dr. Babette Peters, Geschäftsführerin von Hamburgs Designzentrum „designxport“ in der Hafencity. „Natürlich müssen sich Produkte durch ihre Funktionalität auszeichnen. Niemandem ist mit einer Saftpresse gedient, die wie eine futuristische Skulptur aussieht, bei der am Ende jedoch der Saft überall nur nicht im Glas landet.“

Doch müssten Designer heute noch eine Vielzahl weiterer Aspekte bedenken. So sind in den letzten Jahren Begriffe wie ´Sustainable Design` und ´Ecodesign` immer stärker in den Fokus gerückt. Immer mehr Konsumenten wünschen sich ökologisch, nachhaltig und fair hergestellte, am besten auch zu reparierende, langlebige Produkte, die zudem am Ende nicht unnötig viel Abfall bei der Entsorgung produzieren. „Trotzdem soll das Produkt Spaß machen und ästhetisch anspruchsvoll sein. Es soll Begehrlichkeit wecken, das Produkt muss ja konkurrenzfähig sein. Und dazu sollte es den jeweils vorherrschenden sozial-gesellschaftlichen Trends ein Stück weit entsprechen. Denn Design entsteht ja nicht im luftleeren Raum“, erläutert Peters.

Knapp 60 Prozent der Hamburger Designer sind weiblich

Designer haben Macht und Verantwortung, ist die erfahrene Vertreterin der Hamburger Designbranche überzeugt. Denn sie sitzen an der Schnittstelle zwischen den Wünschen der Konsumenten, der Technologie, der Wissenschaft und der Wirtschaft. „Designer sind zunehmend gefragt, ihre Auftraggeber von neuen nachhaltigen und kreativen Lösungen zu überzeugen.“ Aktuell verfügen über 12.000 Designer in Hamburg über diese potentielle Macht und Verantwortung. Gut ein Drittel von ihnen ist selbständig, der Frauenanteil liegt bei knapp 60 Prozent.

Dr. Babette Peters, Geschäftsführerin von Hamburgs Designzentrum „designxport“

Bekannte Designerinnen sind etwa Ella Deck, Iris von Arnim, Bettina Schoenbach oder Uli Schneider aus der Welt der Mode. Lichtplanerin Ulrike Brandi entwarf das Lichtkonzept für die Elbphilharmonie und beleuchtete die Fassade des Hamburger Rathauses. Und die Illustrationen von Birgit Schössow schafften es bereits drei Mal auf das Cover des US-Magazins „New Yorker“.

Hamburg im Corporate- und Packaging Design besonders stark

Hamburg ist eine Designmetropole. Sämtliche Ausrichtungen des Designs von Industrie- und Produktdesign über Grafik-, Corporate- und Markendesign, Packaging, Interior-, Messe- und Modedesign bis zu Schmuck-, Glas- und Textildesign sind in Hamburg präsent. So ist die Hansestadt Sitz vieler namhafter Designagenturen, darunter die internationale Branding- und Design-Netzwerkagentur Brand Union, die Designagentur Mutabor oder die auf Industriedesign und Interfacedesign in der Medizintechnik spezialisierte Agentur Held+Team.

Und in Hamburg sind vielfach ausgezeichnete Designer wie Peter Schmidt oder Peter Maly mit ihren Unternehmen vertreten. In zwei Bereichen sei Hamburg besonders stark aufgestellt, weiß Peters: „Dank der Verlagsbranche ist das zum einen der Bereich Corporate-Design, zum anderen Packaging Design.“ Innovative Produktverpackungen seien vor allem seitens Unternehmen wie Unilever oder Beiersdorf gefragt.

Und schließlich schafft auch der fortschreitende digitale Wandel neue Arbeitsfelder für Designer. So erfordern Entwicklungen wie das Internet der Dinge neue gestalterische Überlegungen und die wachsende Gamesbranche in Hamburg wird ebenfalls zu einem immer interessanteren Betätigungsfeld für kreative Designer.
ys/kk

designxport

Seit der Eröffnung von designxport in der HafenCity im Juli 2014 – hervorgegangen aus der Initiative “hamburgunddesign” zur Förderung des Design- und Kreativstandortes Hamburg – gibt es in der Hansestadt erstmals eine öffentliche Plattform für Präsentation, Information und Vernetzung zu aktuellen Designthemen. Auf 800 Quadratmetern ist eine Schnittstelle zwischen Gesellschaft, Kultur, Wissenschaft, Technologie und Wirtschaft entstanden, die maßgeblich auf das Engagement von Dr. Babette Peters zurückgeht, die zuvor bereits seit 1999 Leiterin von “hamburgunddesign” war.

Aktuelle Ausstellung: Design talks politics – Keyvisuals für Freiheit, Demokratie und Bürgerrechte. In Zeiten von G20, Brexit und der kommenden Bundestagswahl haben national wie international renommierte Grafikdesigner, Illustratoren und Künstler politisch, ironisch, böse, lustig und schlau ein gestalterisches Zeichen gesetzt.
Weitere Informationen unter: www.designxport.de

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