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Inspiration pur im Co-Living-Space: Die Co-Liver wohnen und arbeiten zusammen - © Sandro Erceg

Co-Living: Büro- und Wohngemeinschaft unter einem Dach

Co-Working für Fortgeschrittene: Die Bewohner des ersten Hamburger Co-Living-Space teilen ihr Wissen - und ihren Wohnraum. Teil eins unserer SERIE über New Work

Im Szeneviertel Sternschanze befindet sich die wohl erste Co-Living-WG Hamburgs. Hier teilen sich fünf inspirierende Menschen zwischen 28 und 32 Jahren eine 180 Quadratmeter große Wohnung. Das Besondere daran: Sie wohnen nicht nur gemeinsam und selbst organisiert unter einem Dach, sondern arbeiten auch zusammen – und inspirieren sich gegenseitig. Denn die jungen Gründer und Kreativen haben vor allem eines gemeinsam: Ihr mobiles Büro ist der Laptop. Damit können sie in der WG-Küche arbeiten, wo nebenbei das Mittagessen köchelt, oder im Wohnzimmer, wo am Abend zuvor noch gefeiert wurde. Das Sharing-Konzept hat seinen Ursprung in der Start-up-Hochburg San Francisco, dort gilt Co-Living als Antwort auf den Mangel an bezahlbarem Wohn- und Arbeitsraum.

Inspiration, Vertrauen und Gemeinschaftsgefühl

Während Co-Working sich durch ein großes, loses Netzwerk auszeichnet, in dem man sich zwar austauscht aber keine tiefe Verbindung genießt, betrachtet der Hamburger Zukunftswissenschaftler Prof. Dr. Ulrich Reinhardt Co-Living als eine Art Weiterentwicklung: „Hier vereinen sich das Konzept der Büro- und Wohngemeinschaft. Die zusammen gefundene Gemeinschaft profitiert nicht nur persönlich vom gemeinsamen Wohnen, sondern auch in Bezug auf die Arbeit, da Ideen besser unterstützt und vorangebracht werden können, wenn sich Menschen besser kennen. Dabei spielt das Gemeinschaftsgefühl eine große Rolle.“

Ebendieses Gefühl kennen die fünf Co-Liver nur zu gut: „Unser Co-Living-Space lebt im Kleinen vom persönlichen Austausch und einer tiefen Verbundenheit. Wir können uns gegenseitig unser Herz ausschütten, wenn es einmal nicht so gut läuft. Zugleich fördern, inspirieren und unterstützen wir uns, damit jeder mit seinen Vorhaben weiterkommt“, berichtet Manuel Dingemann, der Videos für nachhaltige Unternehmen produziert, den Hamburg News.

Gebündeltes Know-how: Einer für alle, alle für einen

„Ich habe mir das kleinste Zimmer ausgesucht, weil ich lieber jeden Euro in mein Unternehmen stecke“, erzählt Natalie Richter, die in der Gründungsphase von leev, ihrer eigenen Apfelsaft-Marke, steckte, als sie in die Co-Living-WG einzog. So wurde das Know-how aller Mitbewohner gebündelt, um Natalies erste Projekte in Gang zu bringen. Jeder überlegt sich, was er der Gemeinschaft zurückgeben kann – auf persönlicher wie auf fachlicher Ebene. Dies bedeutet aber auch, dass die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben gänzlich verschwimmen. Natalie berichtet weiter: „Wir lieben unsere Arbeit und das, was wir tun. Auf diese Art und Weise verwirklichen wir uns selbst, deshalb trennen wir nicht bewusst zwischen Job und Freizeit.“

Sharing ist Caring

Man teilt also beim Co-Living mehr als lediglich den Drucker, Tisch und Konferenzraum. Ist Teilen das neue Besitzen? Prof. Dr. Reinhardt prognostiziert: „Sharing ist caring. Nicht nur bei der jungen Generation zeichnet sich ein Trend ab, der die Lebensqualität in den Fokus rückt. In Zukunft wird es heißen: „Meine Familie, meine Freunde, meine freie Zeit“ und nicht mehr „Mein Haus, mein Auto, meine Jacht.“
sb/kk

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