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Geschäftsabschluss - © www.mediaserver.hamburg.de / C. O. Bruch

Chinesische Investoren interessiert an Hamburgs Digitalwirtschaft

Die Übernahme der IT-Firma Smaato durch das chinesische Unternehmen Spearhead ist ein Beispiel. Auch andere Hamburger Branchen im Fokus

Hamburg ist einer der dynamischsten Entwicklungsorte für die Digital- und Werbewirtschaft. Auch chinesische Konzerne blicken mit wachsendem Interesse auf die spannenden Entwicklungen am Standort. Aktuelles Beispiel ist die Übernahme des Hamburger IT-Entwicklers Smaato durch den chinesischen Investor Spearhead. Das in Peking ansässige Unternehmen zählt zu den führenden Anbietern der chinesischen PR- und Werbewirtschaft. Wie Smaato bestätigte, zahlt Spearhead 148 Millionen Dollar für den Deal. Die zuständigen Regulierungsbehörden und die Aufsichtsgremien beider Unternehmen müssen noch zustimmen. Aber auch andere Hamburger Branchen sind für die Chinesen, die durch Übernahmen verstärkt ins Ausland expandieren, von Interesse.

Europa-Zentrale in Hamburg

Das 2005 gegründete Unternehmen Smaato vermittelt Werbebanner für Smartphones in Echtzeit-Auktionen zwischen werbenden Unternehmen und Netzbetreibern und beschäftigt derzeit rund 210 Mitarbeiter aus 30 Nationen. Hauptfirmensitz ist San Francisco. Sitz der Europa-Zentrale ist Hamburg mit zurzeit insgesamt 110 Mitarbeitern. Smaato hat weitere Büros in New York und Singapur. Im Sommer soll ein weiterer Firmensitz in Hamburgs Partnerstadt Shanghai den Betrieb aufnehmen, wie Unternehmensgründerin Petra Vorsteher der Zeitung „Die Welt“ sagte.

China expandiert durch Übernahmen im Ausland

Smaato vermittelt nach eigenen Angaben täglich rund zehn Milliarden Anzeigen und erreicht im Monat eine Milliarde Smartphone-Nutzer. Durch den Eintritt in den chinesischen Markt erhofft sich das Unternehmen den Zugang zu einer weiteren Milliarde Menschen. Petra Vorsteher, die für die Stadt Hamburg auch als HamburgAmbassador ehrenamtlich für die Hansestadt im Ausland wirbt: “Wir freuen uns sehr, denn wir haben uns den Investor gezielt ausgesucht“, so Petra Vorsteher im Gespräch mit den Hamburg News.

“Wir wollen ganz klar weiter wachsen. Wir sind ja bereits die global führende Real-Time Advertising Plattform für mobile Publisher und App-Entwickler. Insbesondere in der Mobile- und Digitalbranche geht es derzeit jedoch vor allem um eines: Speed. Gemeinsam mit Spearhead, eines der erfolgreichsten Marketingunternehmen Chinas, gibt es jetzt für uns jetzt die Möglichkeit einer schnelleren Entwicklung in dem riesigen, mobil first, chinesischen Markt”, so die Unternehmerin. “Eine tolle Chance, die nur mit einem erfolgreichen chinesischen Partner so zu erreichen ist. Spearhead wiederum erhält durch uns Zugang zu den Märkten außerhalb Chinas. Eine klare Win-Win-Situation.” Für die Beschäftigten am Standort Hamburg soll sich demnach nichts ändern. Vorsteher: „Wir brauchen sicher weitere, vor allem chinesischessprachige Mitarbeiter. Sonst bleibt alles beim Alten.“

Internationale Vernetzung

„Chinas Wirtschaft internationalisiert sich auf der Suche nach Märkten für Güter, Dienstleistungen und Kapital – Ausdruck der zunehmenden Modernisierung der chinesischen Wirtschaft selbst, wie sie etwa in der 'Made in China 2025’ Strategie der chinesischen Regierung zum Ausdruck kommt“, so Lars Anke, Vertreter der HWF Hamburgische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung mbH und Leiter des Hamburg Liaison Office (HLO) in Shanghai. „Neuentwicklungen wie sie die innovative Hamburger Startup Branche hervorbringt, sind hier von besonderem Interesse. Die Zusammenarbeit zwischen Spearhead und Smaato ist ein gutes Beispiel für internationale Vernetzungen in der IT basierten Dienstleistungsindustrie.“

Hamburger High-Tech-Fabrik an chinesischen Investor verkauft

Dazu passt auch die Nachricht, dass der niederländische Chiphersteller NXP sein Hamburger Werk für Halbleiter an Finanzinvestoren aus China verkauft. Ein Konsortium aus den Firmen Jianaguang Asset Management und Wise Road Capital übernimmt die NXP-Standardhalbleiter-Sparte und in diesem Rahmen auch die Hightech-Fabrik in Hamburg-Lokstedt, teilte NXP am Dienstag mit. Nach Angaben von NXP beträgt der Kaufpreis 2,75 Milliarden US-Dollar. Unter dem neuen Namen “Nexperia” soll der Bereich nach der Übernahme als unabhängiges Unternehmen mit Sitz im niederländischen Nijmegen weitergeführt werden. Der Standort Hamburg mit rund 800 Mitarbeitern gelte nach einem Bericht des Hamburger Abendblatts als Kernstück des neuen Konzerns.

Auch Hamburgs Games-Branche für China interessant

Auch andere Hamburger Zukunftsindustrien sind für chinesische Unternehmen von Interesse. So hat erst im April dieses Jahres die chinesische Youzu Interactive Co, Ltd. den Hamburger Spieleentwickler Bigpoint übernommen. Gemeinsam bilden Bigpoint und Youzu einen globalen Marktplatz für Online- und Mobile Games und verfügen damit über bedeutende Marktanteile in über 200 Ländern. Die Bigpoint GmbH entwickelt Computer– und Videospiele für eine breite Zielgruppe. Zu den bekanntesten Titeln von Bigpoint gehören Farmerama, DarkOrbit, Seafight, Drakensang Online und Battlestar Galactica Online.

Für die Hamburger Hafenwirtschaft ist China der wichtigste Markt

Das Interesse ist durchaus wechselseitig. Für Hamburgs Hafenwirtschaft ist China der wichtigste Handelspartner. Um die Beziehungen zu vertiefen, reist im Juni eine zwölfköpfige Hafenwirtschaftsdelegation ins Reich der Mitte. Mit dabei sind unter anderen Vertreter der Unternehmen BUSS Port Logistics, Brunsbüttel Ports, TCO Transcargo, CLC China Logistic Center, H.S.H. Schleppgesellschaft sowie der Hamburg Port Authority (HPA).

Die Delegation wird neben Shanghai auch Ningbo, Tianjin und Beijing besuchen, um für den Hamburger Hafen zu werben und zahlreiche Unternehmensgespräche mit chinesischen Unternehmens- und Hafenvertretern führen, teilte Hafen Hamburg Marketing (HHM) mit. Vorgesehen sei auch ein Besuch der Messe „transport logistic China“.

In Zukunft sollen ähnliche Reisen auch in weiteren asiatischen Märkten organisiert werden, die für die Hafenwirtschaft von Interesse sind. In Deutschland ist Hamburg bereits jetzt der Standort mit besonderer Asienkompetenz: Mehr als 550 Unternehmen aus China sind hier ansässig – mehr als in jeder anderen europäischen Stadt. Dazu kommen etwa 100 Firmen aus Japan, 50 aus Taiwan sowie weitere aus Korea und Südostasien. Lars Anke, Leiter des Hamburg Liaison Office in Shanghai: „Diese Reisen sind wichtig und eine sehr gute Möglichkeit, bestehende Kontakte zu pflegen und neue Kontakte zu knüpfen.“
kk/ma

Quellen und weitere Informationen:
www.smaato.com
www.hwf-hamburg.de
www.nxp.com

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