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© Dr. Carsten Brosda Senatskanzlei

"Wir werden von der besonderen Struktur des Standorts profitieren"

Fragen an Dr. Carsten Brosda, Bevollmächtigter des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg für Medien zum Wandel in der Branche

Digitale Transformation ist das Stichwort für die notwendige Veränderungskultur in der Medienwirtschaft. Hamburg News fragte Dr. Carsten Brosda, Leiter im Amt für Medien in der Hamburger Senatskanzlei: „Wie bereitet sich die Branche in Hamburg auf den Wandel vor?“

Hamburg News: Der digitale Wandel verändert die Medien- und Kreativindustrie wie kaum eine andere Wirtschaftsbranche. Welche größten Herausforderungen sehen Sie?

Carsten Brosda: Ich sehe vor allem drei große Veränderungen. Zum einen geht es darum, wie künftig Erlösmodelle für kreative Medieninhalte aussehen können, die den Möglichkeiten der digitalen Verbreitung gerecht werden. Zweitens ist die zunehmend mobile Nutzung medialer Angebote eine Herausforderung vor allem für die Aufbereitung der Inhalte. Und drittens werden die Konsumenten selbst durch die neuen digitalen Möglichkeiten aktiver, autonomer, bringen sich in den Prozess ein. Medienanbieter verlieren so ein Stück ihrer Deutungshoheit über ihre Produkte.

Hamburg News: Wie stellen sich Hamburgs Medienunternehmen darauf ein, wo gibt es eventuell Nachholbedarf?

Carsten Brosda: Die Frage ist vor allem, wie gestaltet man die Schnittstellen zwischen Technologie und Content? Hier in Hamburg gibt es viele gute Ansätze dafür. Wir sind darüber in stetigem Austausch mit den Unternehmen am Standort. Ich glaube, dass wir in Hamburg dann besonders erfolgreich sind, wenn wir die Kraft bereits erfolgreicher Unternehmen verbinden mit den kreativen Ideen junger Start-Ups. Hier brauchen wir Ökosysteme, in denen sich alle Beteiligten wechselseitig antreiben.

Diese Ökosysteme werden künftig auch bislang bestehende Branchengrenzen überwinden. Wenn wir uns beispielsweise den Bereich digitales Payment anschauen, dann können viele Inhalteanbieter hier etwas von der Games-Industrie lernen, die das bereits seit Jahren sehr erfolgreich organisiert. Die Digitalisierung treibt hier die Konvergenz weiter voran. Aufgrund der besonderen Struktur unseres Standorts können wir davon gut profitieren.

Hamburg News: Wie kann die Stadt bei diesen wichtigen Fragen Hilfestellung leisten?

Carsten Brosda: Wir betrachten Medien und IT als eigenes Wirtschaftscluster. Insgesamt arbeiten mehr als 110.000 Beschäftigte in den Unternehmen dieser Branchen in Hamburg. Wir sind damit auch im internationalen Maßstab eines der führenden Zentren der Medien-, IT- und Kreativwirtschaft. Wir als Stadt können vor allem Rahmenbedingungen schaffen. Zum einen gesetzlich, indem wir im Länderkreis aktiv die Weiterentwicklung der Medienordnung vorantreiben. Zum anderen aber auch praktisch, indem wir kreative Räume schaffen, in denen Ideen geboren werden, die dann zu Geschäftsmodellen ausgearbeitet und in den Markt gebracht werden können.

Hamburg News: Was heißt das ganz praktisch?

Carsten Brosda: Ein gutes Beispiel dafür ist die Standortinitiative nextMedia.Hamburg. Dort öffnen wir solche Räume, bieten Netzwerke, umfangreiche Unterstützung und Möglichkeiten, zukunftsfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Viele namhafte Unternehmen haben diesen Wert erkannt und unterstützen die Initiative. Daraus entstanden ist beispielsweise der nextMedia accelarator, ein strukturiertes Programm für Start-Ups aus dem Medienbereich. Cloud-Lösungen, originelle News-Apps und andere neue digitale Dienstleistungen entstehen hier – schnelle und wendige Beiboote für große Medienhäuser. Außerdem bindet nextMedia.Hamburg die Hochschulen eng mit ein, denn auch darum geht es: bereichsübergreifenden Wissenstransfer.

Technik ist Basis und Beschleuniger für Innovationen und zukunftsfähige Geschäftsmodelle auch im Bereich Medien- und Kreativwirtschaft. Schon jetzt erzielen wir bei internationalen Veranstaltungen wie zum Beispiel der South by Southwest (SXSW) in Austin (USA) viel Aufmerksamkeit. In Hamburg sind wir prädestiniert für entsprechend erfolgreiche Ökosysteme: als Content-City mit jahrhunderterlanger Kaufmannstradition im Lichte neuer Technologien. Wenn wir die Transformation nicht schaffen, wer dann?

Interview: Karolin Köcher
www.nextmedia-hamburg.de

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