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Avocado-Store-Geschäftsführerin Mimi Sewalski - © Avocado Store GmbH

Avocado Store aus Hamburg: Wer billig kauft, kauft zweimal

Faire Fashion und Naturkosmetik: die Geschäftsführerin des grünen Online-Marktplatzes, Mimi Sewalski, im Interview mit den Hamburg News

Ganz schön grün: Der Avocado Store ist eine Online-Plattform für Eco Fashion und Green Lifestyle und wurde 2010 von den Hamburgern Philipp Gloeckler und Stephan Uhrenbacher gegründet. Mittlerweile bietet das E-Commerce-Unternehmen mehr als 160.000 nachhaltige Produkte von knapp 700 Händlern an. Jüngst wurde es von Statista und Focus Business zu einem der „Wachstumschampions 2018“ gekürt. Die Plattform mit Start-up-Charakter setzte sich gegen 500 andere Firmen durch und sicherte sich in der Kategorie Einzelhandel (inkl. Versandhandel und E-Commerce) Platz 15.

Damit liegt es mit seinem kontinuierlichen Wachstum Presseberichten zufolge vor Branchengrößen wie dem Bio-Supermarkt Alnatura und dem Online-Versandhändler Zalando. Während sich die beiden Gründer rasch neuen Projekten widmeten, übernahm die heute 37-jährige Mimi Sewalski bereits Ende 2011 die operative Geschäftsführung des Avocado Stores. Hamburg News sprach mit ihr über Nachhaltigkeitskriterien, Klischees und nachhaltiges Wachstum.

Hamburg News: Was macht den Avocado Store so besonders?

Mimi: Wir merken im Alltag ja selbst, dass bei dem Thema Nachhaltigkeit viel Unklarheit herrscht. Deshalb besteht die Gründungsidee des Avocado Stores darin, eine Anlaufstelle für Verbraucher zu schaffen. Wir präsentieren das Produkt ansprechend und schlüsseln auf, warum es nachhaltig ist. Bei Bedarf kann man mit uns in den Dialog treten und diskutieren. Ob Fashion, Möbel, tierleidfreie Kosmetik, vegane Schuhe und Gürtel oder innovative Produkte, wir wollen die erste Adresse für nachhaltigen Konsum sein. Dabei agieren wir als Trendsetter und Experte zugleich. Wir wollen so viele Menschen wie möglich an die Hand nehmen und ihnen zeigen, dass sie ihr Konsumverhalten ganz unkompliziert nachhaltig gestalten können. Meine Oma sagt immer: „Wer billig kauft, kauft zweimal“. Und das spüren wir: Die Menschen besinnen sich langsam auf die guten, alten Dinge und konsumieren bewusster.

Hamburg News: Wie bist du zum Avocado Store gekommen?

Mimi: Ich habe ursprünglich Soziologie und Kriminologie studiert und anschließend Erfahrungen bei Start-ups, in der Werbebranche und in der Gastronomie gesammelt. Da ich mich privat schon immer für nachhaltige Themen interessiert habe, hatte ich auch schnell beruflich den „grünen Stempel“. Schließlich traf ich 2011 Philipp Gloeckler, einen der beiden Gründer des Avocado Stores, auf einer Hamburger Nachhaltigkeitsmesse. Er war von meinem Netzwerk beeindruckt und engagierte mich, um für seine neue Online-Plattform Produkte zu generieren. Nach etwa einem halben Jahr haben sich die Gründer bereits anderen Projekten gewidmet und ich war wohl zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Bereits Ende 2011 übernahm ich die operative Geschäftsführung, aber hatte zunächst noch einen Berater an meiner Seite. 2013 bin ich Geschäftsführerin geworden.

Screenshot von Avocadostore.de

Hamburg News: Wie hat sich der Avocado Store über die Jahre hinweg entwickelt?

Mimi: Wir wachsen seit einer Weile sehr stark. Zugleich vergrößert sich auch der Nachhaltigkeitsmarkt enorm. Das merken wir an immer wieder neuen und grünen Ideen. So wird nicht nur unser Produktsortiment immer größer, auch unser Team erweitert sich. Bei mittlerweile 29 Mitarbeitern ist uns ein nachhaltiges Personalmanagement besonders wichtig. So sind beinahe alle Verträge unbefristet und wir sind überzeugt davon, dass wir auch in den nächsten zwei Jahren Nachhaltigkeit und Wachstum vereinbaren werden können. Wir haben viele Teammitglieder, die zu uns gekommen sind, weil sie einfach mehr Sinn in ihrer Arbeit gesucht haben – von der Praktikantin bis zu Geschäftsführung. Wir verkörpern selbst die Philosophie des grünen Marktplatzes, die einen tragen z. B. nur fair hergestellte Mode, die anderen engagieren sich bei Greenpeace und ich fahre Elektroroller und baue mein eigenes Gemüse auf einem Acker in Norderstedt an.

Hamburg News: Wie wichtig ist Hamburg als Heimatstadt des Avocado Stores?

Mimi: Mir gefällt das Hamburger Netzwerk besonders gut. Es gibt hier große nachhaltige Firmen, wie Lemonaid, Viva con Agua oder das Modelabel Recolution, aber auch viele kleinere, wie die Upcycling-Designmaufaktur Lockengelöt oder der Green Fashion Store Glore. Darüber hinaus ist die Hamburger Nachhaltigkeitsszene stark ausgeprägt; dies zeigt sich auch an Influencern, die sich auf eine bewusste Lebensweise konzentrieren. Und nicht zu vergessen: Hamburgs Nähe zu Berlin. Gerade im Nachhaltigkeitsbereich tauschen sich die Szenen der beiden Städte sehr gut aus und profitieren voneinander.

Hamburg News: Wie stellt ihr sicher, dass die Produkte einem nachhaltigen Ansatz entsprechen?

Mimi: Zusammen mit Experten haben wir zehn Nachhaltigkeitskriterien entwickelt, anhand derer wir jedes Produkt handverlesen. Mindestens eines muss zutreffen. Andersherum kann der User unseren Marktplatz nach ebendiesen Kriterien filtern: z. B. recycelt & recyclebar, CO₂-sparend, fair & sozial oder Made in Germany. Die Königsdisziplin stellt das Prinzip Cradle-to-Cradle (zu Deutsch: „von der Wiege zur Wiege“) dar, die der Vision einer abfallfreien Wirtschaft Tribut zollt. Produkte, die mit diesem Kriterium ausgezeichnet sind, bestehen aus natürlichen Inhaltsstoffen, die sich bestenfalls vollständig kompostieren lassen. Ein Beispiel hierfür ist das wiederverwendbare Frischetuch aus Hanf-Fasern Bio-Baumwolle und Bienenwachs – als Alternative zu umweltschädlicher Frischhaltefolie aus Plastik oder Aluminium.

Dennoch ist und bleibt „Nachhaltigkeit“ ein sehr schwammiger Begriff. Da gibt es kein schwarz oder weiß, kein ja oder nein. Im Textilbereich können wir uns an anerkannten Siegeln, wie am GOTS oder IVN, orientieren. Aber es gibt auch Ausnahmen, wir nehmen auch Produkte bzw. Händler auf, die kein teures Siegel haben, das häufig schwer zu bekommen ist, solange wir von ihnen überzeugt sind.

Hamburg News: Wie geht der Avocado Store mit Klischees und Vorurteilen um?

Mimi: Uns begegnen immer wieder zwei Hauptklischees: Bei uns gäbe es Öko-Mode und alles sei zu teuer. Mit unserer Website und in den Sozialen Medien versuchen wir primär zu zeigen, dass unsere Produkte cool sind. Im zweiten Schritt vermitteln wir, dass sie auch noch nachhaltig sind. Das funktioniert viel besser, als mit dem erhobenen Zeigefinger. Zudem sind viele Produkte gar nicht unbedingt teurer, sondern häufig umso langlebiger, als die „billigen“ und herkömmlichen Varianten.

Hamburg News: Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Mimi: Wir hoffen, dass sich mehr Leute trauen, nachhaltige Produkte – auch von kleinen Labels – auszuprobieren. Dafür empfehle ich Socken und Unterwäsche, weil es Alltagsprodukte sind, die man jeden Tag trägt. Da merkt man besonders gut, was Öko-Mode inzwischen kann, vor allem hinsichtlich der Qualität und Materialien. Wir wünschen uns, dass sich die Menschen weiter öffnen und hinterfragen: Wo kommen die Dinge her, die ich konsumiere? Ich glaube, dann wäre nicht nur Hamburg, sondern die ganze Welt ein Stück weiter. So lernen wir vielleicht wieder, Dinge wertzuschätzen und bewusst einzukaufen.
sb/kk

Das Interview führte Sarah Bischoff

Quellen & weitere Informationen
www.avocadostore.de
www.siegelklarheit.de

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