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Aufbruch in neue Welten: Hamburg auf VR-Kurs - © Yvonne Scheller

Aufbruch in neue Welten: Hamburg auf VR-Kurs

Virtual-, Augmented- und Mixed Realitiy erobern immer mehr Märkte. Hamburg setzt auf diese Zukunftsbranchen und fördert sie

Ofentür öffnen, Schaufel greifen, mit Kohle beladen und dann rein damit ins Feuer. Eigentlich ganz einfach – doch die Aufgabe in einer virtuellen Umgebung zu lösen, erweist sich für Ungeübte als Herausforderung. Das stellte auch Dr. Carsten Brosda Mitte Dezember 2017 bei der Präsentation „Speicherstadt Digital“ im Praxistest fest: „Die volle Kohlenladung sicher in den Ofen zu buxieren, war am Anfang gar nicht so einfach.“ Aber der Versuch machte dem Senator für Kultur und Medien sichtlich Spaß. „Die Arbeiter in der Speicherstadt um 1900 hätten es sich nicht träumen lassen, dass wir gut 100 Jahre später ihr Leben und ihre Arbeitswelt durch Virtual Reality wieder erlebbar machen wollen. Doch das tun wir!“

Mit Augmented Reality die Vergangenheit ins Jetzt transportieren

Das Projekt „Speicherstadt digital“ ist Teil der Digitalisierungsstrategie der Stadt im Kulturbereich. Ziel ist es, Kulturgüter für jedermann digital erlebbar zu machen und so einen umfassenden und übergreifenden Zugang zu unserem kulturellen Erbe zu schaffen. Besucher können dabei nun auf das Medium ihrer Wahl zugreifen. Die App „Speicherstadt digital“ – verfügbar für Android und iOS – bietet historische Fotos aus den Archiven der Stiftung Historische Museen Hamburg, der HHLA und aus dem Staatsarchiv. Dazu gibt es zahlreiche Texte mit Hintergrundinformationen, eigens vom NDR produzierte Hörspiele sowie einen eigenen Auftritt auf der Plattform Google Arts & Culture. Anhand von 360-Grad-Aufnahmen können Interessierte so einen Blick in die historischen Speicher werfen, durch Straßen und über Brücken flanieren und sogar eine virtuelle Fleetfahrt unternehmen. Und mittels Augmented Reality lässt sich die Vergangenheit ins Jetzt transportieren. Wird die Kamera eines Smartphones oder Tablets etwa auf das Kesselhaus gerichtet, werden historische Aufnahmen eingespielt und zeigen das Gebäude anno dazumal. Mit einer Filterfunktion lassen sich zudem bestimmte Themenfelder tiefer erkunden, darunter „Vor dem Bau der Speicherstadt“, „Bauabschnitte“ oder auch der „Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg“.

„Spherie“, die filmende VR-Drohne

Besonders authentisch aber wird die Reise in die Vergangenheit der Speicherstadt als VR-Erlebnis: Mit Virtual-Reality-Brille und Controller tauchen Besucher ein in die Welt der Hafenarbeiter vor 100 Jahren: Sie bedienen Maschinen, verladen Waren – oder schaufeln Kohle. Und das Erlebnis ist tatsächlich so real, dass der User erwartet, jeden Moment auch die Glut des Feuers zu spüren. Entwickelt wurden die VR-Anwendungen von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) und sind noch bis März 2018 im Dialoghaus, Alter Wandrahm 4 zu erleben. Die Möglichkeit, die neuen Technologien im Rahmen von “Speicherstadt digital” auszutesten und zu erleben, baut Hemmschwellen ab und erhöht die Akzeptanz für beispielsweise den VR-Einsatz in weiteren Bereichen.

Ein weiteres spannendes Projekt festigt die Bedeutung der Speicherstadt als VR-Hotspot in Hamburg: In Kürze sollen Künstler und Kreative keine zehn Gehminuten von der Elbphilharmonie entfernt im “M28-Speicher” auf einer Fläche von 10.000 Quadratmetern – verteilt über acht Böden – zu günstigen Konditionen Arbeitsräume beziehen können. Teil des Großprojektes ist auch ein „VR Headquarter” – eine gemeinschaftliche Arbeitsfläche innerhalb des Speicherblocks, die speziell für VR-Startups bereit gestellt wird. Angestoßen wurde das Headquarter von den Hamburger VR-Vorreitern Spice VR, Spherie, Noys VR und den VR Nerds. Die Eröffnung des gesamten “M28-Speichers” soll im Frühjahr 2018 erfolgen.

Schon heute arbeitet das Startup Spice VR keinen Kilometer von den historischen Speichergebäuden entfernt im Oberhafenquartier intensiv an VR- und 360°-Video-Erlebnissen. Um das Eintauchen in virtuelle Welten noch optimaler zu gestalten, kombiniert SpiceVR Virtual Reality mit modernster Drohnen-Technologie und entwickelte zusammen mit Jonathan Hesselbarth „Spherie“, eine filmende VR-Drohne, die von der ersten Schraube an so konzipiert ist, nahtlose 360° VR-Aufnahmen zu ermöglichen ohne die Filmcrew oder die Drohne selbst im Bild zu haben.

Unbegrenzte Möglichkeiten: VR als Tool in Film, Marketing oder Stadtentwicklung

Ende November 2017 nahm SpiceVR beim „6. Dubai Hamburg Business Forum“ teil. Die Besucher aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zeigten großes Interesse an Spherie. „Wir sind eingeladen 2018 unsere Technologie nochmals in Dubai zu präsentieren“, freut sich SpiceVR-CEO Nicolas Chibac. „In Dubai sind VR und Drohnen große Themen. Dort wird beispielsweise bereits über bemannten Drohnen-Verkehr, also Fliegende Taxis, nachgedacht“, erzählt er. Die Hamburger hingegen arbeiten daran, „Spherie“ zu perfektionieren. Aktuell noch manuell gesteuert, soll sich die 3D-Drohne in Zukunft autark den optimalen Weg suchen und eigenständig ein 3D-Modell erstellen, das anschließend eine fotorealistische Textur erhält. Chibac und sein Team betonen das vielfältige Potential der VR-Technologie – sowohl was die Erschaffung von VR-Welten betrifft, als auch hinsichtlich der Einsatzmöglichkeiten in unterschiedlichen Branchen, von Filmunterhaltung über das Immobilien- oder Touristiksegment bis zu Marketing oder Stadtentwicklung.

Neuer Masterstudiengang „Digital Reality“

Ein weiterer Schritt in der Stadtentwicklung hin zu ´Hamburg als Tor zur virtuellen Welt` ist durch die Gründung des Vereins nextReality.Hamburg e.V. gelungen. Durch das enge Zusammenspiel von Wirtschaft, Wissenschaft und Stadt soll Hamburg als innovativer Standort in den Bereichen Virtual Reality, Augmented Reality, Mixed Reality und 360° Video maßgeblich vorangebracht werden. Ein anderer entscheidender Aspekt, Hamburg als VR-Hotspot zu entwickeln, sind qualifizierte und innovative Fachkräfte. Der Start des neuen Masterstudiengangs „Digital Reality“ an der HAW im März 2018 soll dem Rechnung tragen. Digital Reality ist ein Kunstwort und umfasst die Bereiche Virtuelle Realität, Augmented Reality, und Mixed Reality. In vier Semestern stehen Informatik, Programmieren, Netzwerktechnik und Mathematik auf dem Programm. Außerdem werden Themen wie das Internet of Things oder Human Computer Interaction thematisiert und ´Games Engines` behandelt, die verwendet werden um dreidimensionale Welten zu erzeugen.
ys/kk

Weitere Informationen unter:
www.speicherstadt-digital.de
www.dialog-in-hamburg.de
www.haw-hamburg.de/digital-reality.de
www.nextreality.hamburg/verein
www.spicevr.com

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