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Arbeitswelt der Zukunft: 6 Tipps für erfolgreiche Manager

Agilität und Effectuation sind Buzzwords für Führungskräfte in der digitalen Arbeitswelt. Business-Coach Tom Rückerl erläutert, wie Führung heute sein muss

Viele Manager sind noch mit Telefonzellen und Schreibmaschinen aufgewachsen. Nun müssen sie mit der Digitalisierung nicht nur zurechtkommen, sondern auch noch forsch vorangehen. Wie schaffen sie das? Die Hamburg News sprachen mit Management-Coach Tom Rückerl, Chef des Hamburger Instituts V.I.E.L. Coaching und Training.

Hamburg News: Wo liegen die Herausforderungen beim digitalen Wandel?

Rückerl: Die wohl größte Challenge ist: Komplexität! Unser Gehirn ist ein biologisches Organ – es wurde entwickelt für eine Welt, die einerseits viel gefährlicher war, aber dafür auch wesentlich einfacher! Deshalb versucht unser Gehirn permanent, Komplexität zu reduzieren. Anders gesagt: Unser Gehirn neigt dazu, die Digitalisierung zu unterschätzen – für Unternehmen kann das fatale Auswirkungen haben! Unser Gehirn, das sich seit der Steinzeit kaum verändert hat, hatte nicht genügend Zeit, um Strategien oder Handlungsmuster für die Reiz-Überflutung zu entwickeln. Immer mehr Dinge finden gleichzeitig statt – selbst erfahrene Manager haben da oft Schwierigkeiten, den Fokus zu halten. Der Work-Load ist riesig.

Hamburg News: Was muss Führung heute besonders leisten?

Rückerl: Führungskräfte müssen die große Komplexität bewältigen und gleichzeitig noch Zeit für ihre Mitarbeiter finden. Wer als Führungskraft heute erfolgreich sein will, braucht eine exzellente Selbst-Organisation und den direkten Kontakt zu seinen Mitarbeitern – also nicht nur über Twitter oder E-Mail.

Hamburg News: Warum ist die Beziehung zu den Mitarbeitern heute so besonders wichtig?

Rückerl: Wirkungsvolle Führung findet statt in motivierenden Mitarbeitergesprächen. Die digitalisierte Welt verführt uns, per Mail nur auf der Sach-Ebene zu kommunizieren. Das greift zu kurz. Erfolgreiche Führungskräfte achten gerade jetzt besonders auf die Motivation ihrer Mitarbeiter. Menschen sind soziale Wesen – daran wird auch die Digitalisierung nichts ändern. Wir alle brauchen emotionale Ernährung – das Gefühl von Wertschätzung und Zugehörigkeit. Aus psychologischer Sicht sind E-Mails emotionales Junk-Food.
 
Hamburg News: Führung braucht Steuerung und Planung. Das wird durch die rasante technische Entwicklung immer schwieriger. Was tritt als Führungsinstrument an diese Stelle?

Rückerl: Der Mangel an Planbarkeit erfordert neue Management-Systeme, wie zum Beispiel der Ansatz von „Effectuation“ (Entscheidungslogik in Situationen der Unsicherheit; Anm. der Red.). Hier wird die Varianz der Unkalkulierbarkeit bewusst genutzt, um eine andere Form der Steuerung zu erzeugen. In der Konsequenz brauchen wir Menschen, die Verantwortung übernehmen und lernen, auch mit Ungewissheit umzugehen. Naturgemäß erzeugt das Unbekannte Angst. Wer in der digitalisierten Welt erfolgreich sein will, muss vor allem lernen, Ängste zu relativieren und Unsicherheiten auszuhalten. Die Potenziale des digitalen Zeitalters sind gigantisch – doch die Risiken und Nebenwirkungen sind auch nicht zu unterschätzen.

Hamburg News: Wie wirkt sich all dies auf die Statik und Hierarchie eines Unternehmens aus?

Rückerl: Hier gibt es zwei Tendenzen: Einerseits verstärkt zunehmende Unsicherheit den Ruf nach einer starken Führung – wie wir es politisch ja mit Erdogan, Orban und Trump gerade erleben. Autoritäre Hierarchien eignen sich aber nicht für die Herausforderungen des 21.Jahrhunderts. Anders das „Agile Management“. Erfolgreiche Unternehmen investieren in ihre Mitarbeiter, um vitale Agilität zu erzeugen. Sie setzen auf verantwortungsbereite Menschen, die nicht auf Hierarchie und Vorschriften angewiesen sind, weil sie intelligent kommunizieren und durch Teamfähigkeit Synergie-Effekte erzielen.

Die Erfolgsstorys aus dem Silicon-Valley basieren allesamt darauf, dass intelligente Menschen, von einer motivierenden Idee inspiriert, gemeinsam etwas Großes schaffen. Agile Unternehmen sind extrem flexibel, die Mitarbeiter kommen gern an ihren Arbeitsplatz, sie begegnen ihren Kollegen auf Augenhöhe … und sie wollen aktiv gestalten. Agile Unternehmen wissen, dass sie ihren Mitarbeitern Sinn bieten müssen.

Hamburg News: Was fällt Ihnen bei Ihrer Arbeit als Business Coach bei Führungskräften großer Unternehmen und Konzerne derzeit besonders auf?

Rückerl: Die Führungskräfte spüren die zunehmende Dynamik und suchen Orientierung. Für ihre Strategie 2020 haben viele Unternehmen „Change-Prozesse“ eingeleitet. Die Vorstände wissen, dass es jetzt darauf ankommt, ihre Unternehmen zukunftsfähig zu machen. Die Digitalisierung erfordert eine neue, schnell anpassungsfähige Unternehmenskultur. Besonders in technikorientierten oder datengetriebenen Unternehmen fehlt es oft an Managern, die sowohl fachlich fit sind und gleichzeitig über Führungsqualitäten verfügen. Das spüren wir in Business-Coaching-Seminaren sehr deutlich.

Sechs Tipps: So werden Manager fit für die Arbeitswelt 4.0:

1. Halten Sie den Fokus!

Unser Gehirn schüttet Belohnungs-Hormone aus, sobald wir neue Informationen wahrnehmen – aber Achtung: Dieser Reflex trügt. Ähnlich wie der Konsum von Zucker, der auch nur kurzfristig Glückshormone stimuliert. Fokussieren Sie daher nicht auf NEUE Informationen, sondern auf WICHTIGE, für Ihr Business relevante News.

2. Denken Sie auch an Netzwerke in der Echtwelt!

Sorgen Sie für lebendigen Support. Nutzen Sie die Technik, wo es Sinn macht, aber begegnen Sie Ihren Kommunikations-Partnern auch auf der Beziehungs-Ebene. Interessieren Sie sich für ihre Befindlichkeiten. Ergänzen Sie Ihr virtuelles Netzwerk um Kontakte in der realen Welt. Auch wenn es oft mehr Zeit beansprucht.

3. Bleiben Sie empathisch!

Auch für Empathie gilt: If you don’t use it, you lose it. In unseren Ausbildungen zum Business-Coach spielt das Empathie-Training eine zentrale Rolle: Sie müssen Zeit und Aufmerksamkeit investieren, um sich in Ihr Gegenüber einzufühlen. Doch dies ist eine extrem sinnvolle Investition: Je besser Sie verstehen, was die anderen wollen, desto wirkungsvoller können Sie Ihre Botschaften auf deren Erleben abstimmen.

4. Gönnen Sie sich digitale Auszeiten!

Die Arbeitswelt 4.0 ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Wir brauchen Zeiten ohne Leistungsdruck, ohne externe Stimulanz. Das gilt besonders für Führungskräfte unter Leistungsdruck. Gönnen Sie sich Pausen, in denen Sie wirklich abschalten. Das Handy kann warten.

5. Coachen Sie Ihre Mitarbeiter!

Coaching ist der Führungs-Stil der Zukunft. Fokussieren Sie auf Stärken und Potenziale. Helfen Sie Ihren Mitarbeitern dabei, sich zu entwickeln – gerade High-Performer wollen ein echtes Sinngefühl. Loben Sie! Signalisieren Sie Wertschätzung für Loyalität und Vertrauen.

6. Seien Sie authentisch!

Agiles Management setzt authentische Führungskräfte voraus. Ihre Mitarbeiter müssen Ihnen auf Augenhöhe begegnen können. So entsteht echter Team-Spirit und nachhaltige Motivation. Erzeugen Sie ein Arbeitsklima, in dem emotionale Ernährung stattfinden kann. „Creating a world that people want to belong to!“ gilt heute mehr als je zuvor.
kk

Zur Person

Tom Rückerl ist Diplom Psychologe, Management-Coach und Autor von psychologischen Fachbüchern. Außerdem moderiert er Großveranstaltungen und unterstützt Unternehmen und deren Führungskräfte beim Erreichen ihrer Ziele. Sein Institut V.I.E.L Coaching + Training hat langjährige Erfahrung bei der Ausbildung von Business-Coaches und Business-Trainern und ist Mitglied im Deutschen Verband für Coaching + Training dvct.
www.viel-coaching.de

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