Titel Luftfahrt
NFC-Schnittstelle am Passagiersitz - © Thorsten Kiehl / TUHH Institut für Flugzeug-Kabinensysteme

Luftfahrt 4.0: Das Smartphone als Universalschlüssel

Im Forschungsprojekt DiProPax arbeiten Wissenschaftler der TUHH gemeinsam mit Hamburger Industriepartnern an einer Schnittstellenlösung für die Flugzeugkabine

Wenn man verreist, sucht man immer etwas. Erst die Karte für die U-Bahn, dann das Flugticket, dann die Bordkarte. Bevor man ins Flugzeug steigt, trägt man neben seinem Gepäck immer noch eine Menge Papier mit sich herum. Zum Glück ändert sich das gerade. Auch im Flugzeug können Reisende mehr und mehr genauso auf Smartphone oder Tablet zugreifen wie am Boden. Das Forschungsprojekt „DiProPax“, in dem Forscher der Technischen Universität Hamburg-Harburg mit Hamburger Industriepartnern wie NXP Semiconductors zusammen arbeiten, will hier die nötige Grundlagenarbeit leisten. „Bring your own device“ oder BYOD ist zwar vielerorts schon verbreitet, stößt aber im Flugzeug immer noch an Grenzen. „DiProPax“ soll das nun ändern. Die Abkürzung steht für „Digitale und sichere Prozesse in der Kabine für den Passagier und die Besatzung“.

Universalschlüssel für die Reise

„Der Passagier soll sich in der Kabine durch sein Tablet oder Smartphone mit den Systemen an Bord verbinden können“, erläutert Professor Ralf God, Leiter des Instituts für Kabinensysteme an der TU Hamburg-Harburg das Prinzip. Passagiere könnten dann nicht nur Getränke bestellen, auf das Bordmenü zugreifen, zollfrei einkaufen oder einen Film ansehen. Möglich wären auch Internet-Zugänge, aktualisierte Reiseinformationen, Hotelbuchungen und vieles andere. Dabei soll auf dem Endgerät des Passagiers eine Art elektronischer Universalschlüssel für die gesamte Reise abgelegt werden: „Sie kriegen ihren Schlüssel auf das Smartphone, kommen damit durch den öffentlichen Nahverkehr, ins Flugzeug und in ihr Hotelzimmer“, sagt Ralf God. Dieser Schlüssel oder 'Token’ wird in dem Moment erzeugt, in dem ein Passagier seine Reise bucht.

Schnittstelle für Tablet und Smartphone

Die kontaktlose Schnittstelle selbst ist dabei keine echte Neuheit. In Deutschland ist sie in Handys oder an Supermarktkassen zu finden. Die Technologie wird auch im elektronischen Zahlungsverkehr oder für Personalausweise genutzt. Allerdings ist sie in Asien und in den USA wesentlich weiter verbreitet als in Europa. Beispielsweise ist die Netzkarte für den Nahverkehr von Tokio gleichzeitig ein Zahlungsmittel ähnlich der hierzulande genutzten Geldkarte. Estland und Lettland nutzen diese Schnittstelle unter anderem für das 'e-Government’, also etwa um Wahlunterlagen zu erhalten oder Kontakt zur öffentlichen Verwaltung aufzunehmen.

Für die Fluggesellschaften ermöglicht dieser digitale Universalschlüssel nicht nur ein besseres Management ihrer Beziehung zum Kunden, sondern auch die Möglichkeit, zusätzliche Umsätze zu erzielen. Auch die Arbeit an Bord lässt sich über kontaktlose Schnittstellen verbessern, etwa über spezielle Datenzugänge für die Kabinenbesatzung, die Piloten oder das Bodenpersonal. Deren Angehörige würden sich dann ebenfalls über Smartphone oder Tablet anmelden. Bisher sprachen Sicherheitsbedenken gegen kontaktlose Schnittstellen an Bord eines Airliners. Die soll „DiProPax“ ausräumen: „Wir müssen zeigen, dass die Schnittstelle die anderen Systeme an Bord nicht stört“, sagt Professor Ralf God. Hinzu kam die geringe Verbreitung dieser Schnittstelle in mobilen Endgeräten.

Hamburger Unternehmen beteiligt

Zu den an „DiProPax“ beteiligten Unternehmen gehören NXP Semiconductors, KID-Systeme und Telit Wireless Solutions. Der niederländische Halbleiterhersteller NXP, dessen Deutschland-Hauptsitz sich in Hamburg-Lokstedt befindet, arbeitet an der sicheren Ableitung des digitalen Schlüssels etwa von einem elektronischen Personalausweis. Außerdem suchen die Entwickler bei NXP nach Wegen, diesen Schlüssel sicher zu speichern und an einen e-Shop zu übermitteln. Nach eigenen Angaben sieht NXP Anwendungen im Bereich des sicheren elektronischen Bezahlens in der Flugzeugkabine. KID-Systeme, ein Entwickler elektronischer Kabinensysteme aus Buxtehude, arbeitet daran, die kontaktlose Schnittstelle ins Flugzeug zu bringen. Der global agierende Internet of Things-Spezialist Telit Wireless Solutions mit R&D Center und Sales Office in Hamburg liefert die Software.

Bis zur Produktreife werden aber wohl noch drei bis fünf Jahre vergehen. Ralf God plant, am Tech Center des Zentrums für Angewandte Luftfahrtforschung (ZAL) eine Demonstrationsanlage aufzubauen.
fl/ca/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.tuhh.de/dipropax
www.nxp.com
www.kid-systeme.de
www.stollmann.de

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