Titel Luftfahrt
Dr. Achim Leder, Gründer von Jetlite - © Hamburg Aviation / Fotograf: Lukas KIRCHNER

"jetlite" kommt bei Lufthansa erstmals in den Praxistest

Das Lichtkonzept des Startups soll dem Jetlag vorbeugen. In Hamburg profitiert das Unternehmen von einer guten Infrastruktur

Wenn der neue Airbus A350-900 der Lufthansa am kommenden Freitag in den Langstreckendienst geht, erleben Fluggäste erstmals ein an den menschlichen Biorhythmus angepasstes Lichtkonzept in der Kabine: 24 verschiedene Lichtszenarien an Bord sorgen dafür, dass der Fluggast seinen Zielort ausgeruhter und mit weniger Jetlag erreicht. Einen wesentlichen Teil bei der Entwicklung dieser Weltneuerung für Langstreckenflüge trug der Luftfahrtstandort Hamburg bei. Das wissenschaftliche Konzept für die neue Lichttechnik stammt von dem im Luftfahrtcluster verankerten Startup „jetlite“ und wurde mit Unterstützung von Airbus in dessen sechsmonatigen Accelerator-Programm BizLab zur Marktreife geführt. Mit dem erfolgreichen Marktlaunch wird das junge Unternehmen das Airbus-Gründerzentrum im März verlassen und Büros im ZAL Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung beziehen.

BizLab: Vom Netzwerk profitiert

„Wir freuen uns mit unserem Lichtkonzept einen sichtbaren Teil zur Verbesserung der Atmosphäre auf Langstreckenflügen beitragen zu können. Dieses Ergebnis haben wir auch der sehr guten Infrastruktur in Hamburg zu verdanken: Durch die gezielte Förderung im Airbus BizLab und die kurzen Wege zwischen den Akteuren im Luftfahrtcluster und im ZAL haben wir von Anfang an von einem einmaligen Netzwerk profitieren können“, sagt Dr. Achim Leder, Geschäftsführer von „jetlite“.

„jetlite“ entstand aus Leders Promotionsthema über die Steigerung des körperlichen Wohlbefindens im Flugzeug durch den gezielten Einsatz von Licht. So kann etwa warmes Licht zu Beginn eines Nachtflugs nachweisbar zur Behaglichkeit und Entspannung beitragen. 2016 wurde „jetlite“ als eines von sechs Startups in das neueröffnete Airbus BizLab Hamburg gewählt. In dem sechsmonatigen Accelerator-Programm, das der Luftfahrtkonzern auch in Toulouse und Bangalore anbietet, werden externe und interne Projekte gezielt gefördert und an die Marktreife herangeführt. Gleichzeitig ist das junge Unternehmen seit den Gründungstagen im Luftfahrtcluster Hamburg Aviation aktiv.

Lufthansa plant Nachrüstung ihrer Flotte

Hamburg gilt als weltweit größtes Kompetenzzentrum für Flugzeugkabinentechnik – so stammen allein beim Langstrecken-Airbus A350 neben der „jetlite“-Lichttechnik auch das Gesamt-Kabinenkonzept (Airbus), im 3D-Druckverfahren hergestellte Befestigungen (Laserzentrum Nord / SLM Solutions) oder das Design der Lufthansa Premium Economy Class (müller/romca) aus der Metropolregion. Mit dem CFK-Valley in Stade sowie Lufthansa Technik am Hamburg Airport sind regionale Akteure zudem auch bei Entwicklung und Wartung des Airbus A350 maßgeblich involviert.

Die Einbindung der innovativen Lichttechnik in die A350-900 der Lufthansa geschah im Hamburger Kabinenentwicklungszentrum von Airbus, dem „Customer Definition Centre“, zusammen mit Airline-Vertretern. Für die Ausführung des konkreten Designs, das auf dem „jetlite“-Konzept aufbaut, waren die renommierten Lichtplaner von Kardorff Ingenieure aus Berlin verantwortlich. Im Anschluss an die Einführung des chronobiologischen Lichtdesigns in ihrer neuen A350-Flotte plant Lufthansa auch die Nachrüstung ihrer Flotte aus Boeing 747-8.

Umzug in das ZAL TechCenter

Auch für „jetlite“ geht die Entwicklung am Standort weiter: Zusammen mit dem bislang ebenfalls im Airbus BizLab beheimateten Startup Synergeticon, das neue Verfahren in der Produktionstechnik entwickelt, wird das Unternehmen um Dr. Achim Leder im Frühjahr innerhalb Finkenwerders ins 2016 eröffnete ZAL TechCenter umsiedeln, einem der weltweit modernsten und größten Forschungszentren der Luftfahrt. „Wir freuen uns über den effizienten Schulterschluss mit dem Airbus BizLab und sind überzeugt, dass „jetlite“ und „Synergeticon“ mit dem Umzug ins ZAL den richtigen Schritt machen.”

Im ZAL TechCenter forschen bereits heute über 30 Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft gemeinsam zu den Zukunftsthemen der Luftfahrt – darunter auch alle relevanten Akteure im Flugzeugkabinenbereich. Zudem hat „jetlite“ mit dem elf Meter hohen Kabinen-Teststand im ZAL alle Möglichkeiten, sein Produkt nachhaltig weiter zu entwickeln“, sagt Roland Gerhards, Geschäftsführer ZAL Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung. Langfristiges Ziel von „jetlite“ ist es, sein Konzept zur Reduzierung von Jetlag über das Kabinenlicht hinaus auf die gesamte Reise auszuweiten. Etwa durch gezielte Lichtstimmungen auch am Flughafen vor dem Boarding oder durch eine Smartphone App, die dem Fluggast bereits Tage im Voraus je nach Flugziel und persönlichem Schlafrhythmus die ideale Zu-Bett-geh-Zeit berechnet.
ca/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.hamburg-aviation.de
www.jetlite.de

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