Titel Luftfahrt
Eine der ersten Studien von Werner Granzeier und Thomas Brock für die Kabine des Airbus A320 - © iDS Design Studio/Institut für "Wide-Body Open-Rotor"

WBOR-Institut jetzt im ZAL: Innovatives Design für die Luftfahrt

Ergonomie spielt in der Transportation-Entwicklung eine immer größe Rolle. Der Mensch im Mittelpunkt des Design-Prozesses

Innovative Designs für Flugzeugkabinen sind das Markenzeichen des Instituts für Wide-Body Open-Rotor (WBOR), Design und Entwicklung Hamburg GmbH. Das Unternehmen hat sich jüngst im neuen ZAL (Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung) angesiedelt. Es hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, so etwa den Chrystal Cabin Award, der anlässlich der Aircraft Interiors Expo verliehen wird. Den Preis erhielt WBOR 2010 für das HILA (Highly Integrated Flexible Lavatory), eine behindertengerechte Flugzeugtoilette. HILA nimmt nicht mehr Platz ein als eine herkömmliche Toilette, bietet aber dank beweglicher Elemente auch Raum für einen Rollstuhl. Kooperationspartner waren Airbus und der Flugzeug-Ausrüster Diehl.

Eine neue Kabine für die Boeing 717

Der Ursprung des Instituts für “Wide-Body Open-Rotor” (WBOR), Design und Entwicklung Hamburg GmbH liegt in dem Unternehmen iDS. Das Unternehmen wurde 1984 als iD (Industrial Design) Studio von Professor Werner Granzeier gegründet. iD Studio spezialisierte sich auf innovative Lösungen im Transportation Design und konzipierte Cockpits und Kabinen für Passagierjets. Zudem erweiterte Granzeier das iDS-Portofolio auf andere Produkte. Heute kann das Unternehmen eine breite Palette von Lösungen liefern – für Flugzeuge, Schiffe, PKW, Schienenfahrzeuge etwa, im Bereich Corporate Identity, Investitionsgüter, Lichtdesign und CAD. Die Designer gestalten ganze Flugzeugkabinen, Cockpits, Sitze, Toiletten, Hochgeschwindigkeitszüge, Heizkessel, Kleiderbügel und Schuhanzieher.

Eine der Sternstunden von iDS war die Kabine des zweistrahligen Verkehrsjets McDonnell Douglas MD 95, einer Weiterentwicklung der älteren DC 9. iDS entwickelte ab 1996 ein komplett neues Kabinendesign. Boeing übernahm das Vorhaben beim Kauf von McDonnell Douglas, baute das Flugzeug als Boeing 717 in Serie und verwendete auch Granzeiers Kabinenentwurf. „Wir haben damals das Mock-Up in Hamburg gebaut und dann in Long Beach von 1200 Leuten testen lassen“, erinnert sich Werner Granzeier. So genannte Mock-Ups sind Modelle in Originalgröße, die oft bereits funktionsfähige Komponenten wie Sitze enthalten. Sie sind ein normaler Teil des Entwurfsprozesses. Aufgabe der vielen Menschen war, das Sales Mock-Up der 717-Kabine auf seine ergonomische Qualität, also auf Tauglichkeit und Bequemlichkeit für die Passagiere hin zu untersuchen.

Marktanalyse am Anfang

Ergonomie spielt im Transportation-Entwicklungsprozess eine große Rolle. Menschen müssen sich im Flugzeug sicher bewegen, etwa um an ihren Platz zu gelangen, oder um während des Fluges auf die Toilette gehen zu können. Außerdem muss sichergestellt sein, dass ein Flugzeug im Notfall so schnell wie möglich evakuiert werden kann. Gleichzeitig muss eine Vielzahl von Sicherheitsvorschriften beachtet werden. „Herzstück der Entwurfsarbeit ist die Orientierung am Menschen“, so Professor Granzeier. Dazu gehört die Berücksichtigung der verschiedenen Gruppen, also Alte, Junge, Kinder und Menschen, die in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind. Daher macht WBOR, wie das Unternehmen seit 2015 heißt, immer praktische Versuche. Im Entwicklungsprozess läuft die Arbeit am Mock-Up und an virtuellen Simulationen im Computer parallel. „Die Idee wird immer am Mock-Up in 1/1 überprüft“, sagt Torsten Kanitz, Geschäftsführer von WBOR.

Und die fertige Lösung muss wirtschaftlich für den Kunden tragbar sein. „Wir machen am Anfang immer eine ausgefeilte Marktanalyse“, so Kanitz weiter. „Wir orientieren uns immer an der Stückzahl“, ergänzt Granzeier. „Für zehn Kabinen kann man ganz anders planen als für 800 Kabinen jährlich.“ Die Experten begleiten jedes Projekt bis zum Serienanlauf und übergeben zum Abschluss alle CAD-Daten an den Kunden.

Kabinenkonzepte für renommierte Hersteller

iDS war anfangs in Jork südlich der Elbe angesiedelt, zog dann nach Hamburg-Altona. 2015 wurde aus iDS das Institut für “Wide-Body Open-Rotor” (WBOR), Design und Entwicklung Hamburg GmbH. Werner Granzeier, der Gründer, schied aus, ist aber weiterhin als Berater tätig.

In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen zahlreiche Kabinenkonzepte entwickelt, so etwa das Interior für die nie realisierte Dornier Do 728Jet, für die chinesische ARJ 21 und C 919, die Bombardier CRJ 900 und die Sukhoi 100. Zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entstanden Konzepte für den Next Generation Train, einen zukünftigen Hochgeschwindigkeitszug. Außerdem bietet WBOR einen Komplettservice für VIP-Flugzeuge oder hochklassige Yachten an.

Gute Vernetzung im ZAL

Mit dem Umzug ins ZAL hoffen Kanitz und Granzeier, ihre Vernetzung mit Kooperationspartnern und potentiellen Kunden zu verbessern. Zumal nicht wenige Absolventen von Werner Granzeier nun für Unternehmen im ZAL arbeiten. Granzeier lehrt neben seiner Beratertätigkeit für WBOR auch am Fachbereich Fahrzeugtechnik und Flugzeugbau der Hochschule für Angewandte Wissenschaften und an der Technischen Universität Hamburg. Zukunftsthemen für das Unternehmen sind neue Flugzeug- und Kabinenkonzepte, die nachhaltige Produktgestaltung, der 3D-Druck und die Anforderungen der Industrie 4.0. Wachsende Bedeutung haben zudem die immer individueller werdenden Bedürfnisse der Passagiere.
fl

Quelle und weitere Informationen:
http://www.ids-hamburg.com/
http://www.zal.aero/home/

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