Titel Luftfahrt
ZAL TechCenter - © ReGe Hamburg/ Martin Kunze

Hamburgs Luftfahrt baut Forschungslandschaft aus

Im ZAL Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung forschen Wirtschaft und Wissenschaft künftig gemeinsam zu Zukunftsthemen der Luftfahrt

Im weltweit wohl modernsten Forschungszentrum für die zivile Luftfahrt werden Großunternehmen wie Airbus und Lufthansa Technik, Zulieferer wie Diehl, Hochschulen und Institutionen wie das DLR die Infrastrukturen gemeinsam nutzen. Innovationen sollen so durch gezielte Kooperation schneller zur Marktreife geführt werden. Das ZAL wird sich auf sechs Forschungsschwerpunkte, „Technical Domains“ genannt, konzentrieren – darunter Kabinen, 3D-Druck, Industrie 4.0, Akustik und Virtual Reality. Das Forschungszentrum, dessen Gesamtinvestition sich auf knapp 100 Millionen Euro beläuft, bietet 600 Arbeitsplätze auf 26.000 Quadratmetern Fläche. Offiziell wird das Gebäude am 7. März von Hamburgs Erstem Bürgermeister Olaf Scholz und zahlreichen weiteren Ehrengästen eröffnet.

Schnellere Marktreife von Innovativen

Das neue Forschungszentrum in Finkenwerder wird sich statt auf Grundlagenforschung vor allem auf die nachfolgenden Entwicklungsschritte konzentrieren: innovative Produkte und Konzepte sollen deutlich schneller und kostengünstiger zum Einsatz in der internationalen Luftfahrt geführt werden. Erreicht wird dies einerseits durch die frühzeitige Einbindung von Partnern wie Hochschulen oder Zulieferern, andererseits durch die im ZAL verfügbaren Infrastrukturen, die zur Weltspitze der zivilen Luftfahrtforschung zählen.

Sechs Arbeitsschwerpunkte

Die Luftfahrtforschung im ZAL wird sich auf sechs Schwerpunkte – „Technical Domains“ (TD) genannt – konzentrieren, welche die Kernkompetenzen des Standorts Hamburg widerspiegeln. Zentrales Element der TD1 ist das Fuel Cell Lab, ein Forschungslabor für zivile und sichere Nutzungsmöglichkeiten von Wasserstoff. Die TD2, Cabin Innovation & Technology, befasst sich mit einem der Hamburger Luftfahrtschwerpunkte: Flugzeugkabinen. Kernelement dieses Forschungsbereich ist das 20 Meter breite und 11 Meter hohe Cabin & Cargo Test Rig – ein Teststand, in dem alle weltweit gängigen Rumpfquerschnitte von Flugzeugen installiert werden können, um dort beispielsweise die Neuanordnung von Kabinenelementen oder effizienteres Boarden und Beladen zu erproben.

Die Zukunft des Fliegens

Die TD3, Air & Power Systems, befasst sich mit der Weiterentwicklung von Stromversorgungs- und Klimaanlagensystemen in der Kabine. Konkret können die Versuchsaufbauten im ZAL TechCenter unter anderem dafür genutzt werden, elektronisch betriebene Klimasysteme zu erproben, die höheren Passagierkomfort bei gleichzeitig verringertem Energiebedarf ermöglichen. TD4, Aerospace Production & Fuselage Engineering fokussiert auf Forschungsprogramme, die sich mit der Zukunft von Fertigungsmethoden befassen. Kernelement der TD5, Testing & Safety, ist das Acoustics Lab. In diese Akustikkammer, die zu den größten Europas zählt, passen ein komplettes Rumpfstück eines Airbus A320 oder ein Linienbus.

Das Acoustics Lab erlaubt es, künftig Forschungen zu Lärm und Vibrationen, beispielsweise im Flugzeugkabinenbereich, am Boden zu betreiben. Bislang fanden solche Tests allem in der Luft statt. Die TD6, General Processes & Support Topics, wird sich im ZAL TechCenter auf das Thema Virtual Reality konzentrieren. Dazu wurde im Forschungszentrum die mit 6 × 3,5 Metern größte VR-taugliche Bildscheibe in der nördlichen Hälfte Deutschlands installiert. Der dazu gehörige Raum fast etwa 30 Personen und soll langfristig nicht nur für Simulationen von Projekten aus der Luftfahrt zur Verfügung stehen, sondern auch anderen regional verankerten Branchen wie der Games-Industrie.

Eines der größten Luftfahrt-Forschungszentren der Welt

Mit knapp 100 Millionen Euro Projektvolumen (Gebäude mit Testinfrastrukturen) gehört das neue ZAL TechCenter in Hamburg-Finkenwerder zu den größten Luftfahrt-Forschungszentren der Welt. Nach Einzug aller Mieter werden dort etwa 600 Menschen auf einer Fläche von knapp 26.000 Quadratmetern arbeiten. Durch das ZAL entstehen zahlreiche hochqualifizierte Jobs am Luftfahrtstandort Hamburg.

So baut z.B. Diehl, Hamburgs drittgrößter Arbeitgeber in der Luftfahrtindustrie, im ZAL TechCenter ein neues Forschungs- und Entwicklungsteam auf. Unternehmen wie Airbus und Lufthansa Technik verlegen einige ihrer Innovationsabteilungen vollständig in das neue Gebäude. Auch als Veranstaltungsort soll das Forschungszentrum künftig genutzt werden: Dafür stehen neben einem Auditorium für 200 Personen 12 Konferenzräume, ein frei zugänglicher Innovationsmarktplatz und ein großes Betriebsrestaurant zur Verfügung.

Eröffnung am 7. März mit hochrangigen Ehrengästen

Offiziell eröffnet wird das ZAL TechCenter am 7. März 2016 im Beisein von zahlreichen Ehrengästen, darunter Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz, Brigitte Zypries, Staatssekretärin für Luft- und Raumfahrt im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), Dr. Klaus Richter, Einkaufsvorstand der Airbus Group und Vorsitzender der Geschäftsführung von Airbus in Deutschland, sowie Dr. Johannes Bussmann, Vorstandsvorsitzender von Lufthansa Technik. Am 12. März wird es zusätzlich einen Tag der Offenen Tür für die Bevölkerung geben.
him

Quelle und weitere Informationen:
www.zal.aero