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© Lufthansa Technik AG/ Jan Brandes

Fliegende Sternwarte wird in Hamburg generalüberholt

Boeing 747 der Nasa zum Herz- und Nieren-Check bei Lufthansa Technik. Weltweit einzigartiges fliegendes Observatorium

Sofia, eine modifizierte Boeing 747SP, die gemeinsam von der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA und vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) als “Stratosphären Observatorium für Infrarot Astronomie” genutzt wird, ist am Samstag (28. Juni) 2014 auf dem Hamburger Flughafen gelandet.

Rundum-Check in Hamburg

Die fliegende Sternwarte ist normalerweise am “Armstrong Flight Research Center” der NASA in Kalifornien stationiert. Nun werden sowohl das Flugzeug als auch das integrierte Teleskop bis Anfang November bei Lufthansa Technik in Hamburg generalüberholt: “Damit erfüllt das DLR einen Teil seines 20-prozentigen Beitrags zum Betrieb des Observatoriums”, erklärte Alois Himmes, Sofia-Projektleiter im DLR.

Größte Erfahrung bei der Lufthansa Technik in Hamburg

DLR und NASA haben Lufthansa Technik für die Generalüberholung des Flugzeugs gewählt, weil hier die weltweit größte und längste Erfahrung in der Wartung dieses Flugzeug-Typs besteht. „Insgesamt gab es 45 Boeing 747SP, von denen noch 18 im Einsatz sind. Boeing selbst wartet diesen Flugzeug-Typ jedoch nicht“, so Alois Himmes. Von den in den USA ansässigen Firmen mit einer Lizenz für eine umfangreiche Wartung und Instandsetzung habe keine eine vergleichbare Erfahrung.

Besonderheiten der Boeing 747

Die früheren US-Betreiber der 1977 als „Clipper Lindberg“ in Dienst gestellten Boeing 747SP, PanAm und United Airlines, führen diesen Flugzeug-Typ, der von 1975 bis 1986 produziert wurde, zum Beispiel nicht mehr und haben ihre entsprechenden Lizenzen aufgegeben. Die 747SP – “SP” steht für “Special Performance” – hat einen wesentlich kürzeren Rumpf bei gleicher Leistung: sie kann deshalb mit 12 bis 14 Kilometern deutlich höher fliegen als ihre anderen Versionen.

Observatorium blickt in die Geburtsstunde der Sterne

Pionierarbeit leistet der Jumbo auch jetzt: Sofia sei ein weltweit einzigartiges fliegendes Observatorium, das seit 2010 in bisher rund 90 wissenschaftlichen Flügen unter anderem untersucht hat, wie sich Milchstraßensysteme entwickeln, oder wie Sterne und Planetensysteme aus interstellaren Molekül- und Staubwolken entstanden sind. Denn in den Rumpf eingebaut ist ein 17 Tonnen schweres, in Deutschland entwickeltes und vom DLR Raumfahrtmanagement beauftragtes Teleskop mit einem Spiegeldurchmesser von 2,70 Metern.

Insgesamt sechs wissenschaftliche Instrumente sind derzeit im Einsatz. „Im Unterschied zu Weltraumobservatorien können bei Sofia ständig verbesserte oder sogar neu entwickelte Instrumente mit aktueller Technologie eingesetzt werden. Sofia ähnelt einem Weltraumobservatorium, das allerdings nach jedem Flug wieder zur Erde zurückkehrt“, verdeutlicht DLR-Projektleiter Himmes.

100 Beobachtungsflüge jährlich

„Sofia ist für eine Einsatzzeit von 20 Jahren ausgelegt“, sagt Eddie Zavala, Sofia-Programmleiter der NASA, und ergänzt: „Wir haben nun formal die Entwicklungsphase abgeschlossen. Nach dem Ende der Generalüberholung hier in Hamburg wird Sofia ab 2015 mit rund 100 geplanten jährlichen Beobachtungsflügen für viele Jahre das wesentliche Werkzeug der Infrarot-Astronomen sein“.
ker

Quelle:
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
www.dlr.de

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