CCH Hamburg - © www.mediaserver.hamburg.de/F.Scymanska
Research & Innovation, Virtual/Augmented Reality - © Deutsche Messe

Von Big Data zu Smart Data

In der digitalen Zeit sind Daten bei entsprechender Nutzung der Rohstoff für wirtschaftlichen Erfolg. Hamburger Unternehmen zeigten Flagge auf der CeBIT

Hamburg setzte bei der CeBIT auf den maritimen Wiedererkennungsfaktor. Der Gemeinschaftsstand in Halle 5 erinnerte mit seinem blauen Container an das Hamburg Cruise Center in der Hafencity. Hamburger IT-Unternehmen wie Baqend, Cybus, Funk Gruppe, Spice VR oder die globalerp.de gmbh setzten auf eine gemeinsame Visitenkarte, um die wachsende Bedeutung von Hamburgs digitaler Wirtschaft zu demonstrieren. Immerhin ist die Zahl der Hamburger IT-Unternehmen allein in den letzten beiden Jahren um 400 auf aktuell rund 9.650 Unternehmen gestiegen. Die Messe in Hannover ging am Freitag zuende.

Wettbewerbsfähig in einer datengetriebenen Ökonomie

Auch in den anderen CeBIT-Hallen war die Hansestadt gut vertreten – von der Hamburger Polizei mit ihrem Projekt MobiPol, über Dermalog, einem der weltweit führenden Anbieter von maßgeschneiderten Biometrie Lösungen, bis zur Software-Schmiede „HS – Hamburger Software GmbH“. Hamburg ist also durchaus gerüstet, um Sigmar Gabriels bei der CeBIT-Eröffnung formulierten Forderung zu entsprechen: Europa dürfe sich nicht vor Asien und Amerika verstecken, sondern müsse wettbewerbsfähig bleiben „in dieser datengetriebenen Ökonomie“.

Weltweite Datenmenge verdoppelt sich alle zwei Jahre

Eine datengetriebene Ökonomie kann jedoch nur erfolgreich sein, wenn die Daten intelligent ausgewertet werden. Auf der CeBIT ging es im „Future talk“ in Halle 6 deshalb um Smart Data: Das Generieren von hochwertigen und nutzbringenden Informationen aus riesigen Datenmengen. Da sich die verfügbare Datenmenge weltweit alle zwei Jahre verdoppelt, ist ´riesig` allerdings kaum noch ein passender Begriff. Experten erwarten ein weltweites Datenvolumen von 40 Zettabyte im Jahr 2020. Für alle, die noch nie von Zettabyte gehört haben, das sind 1.000.000.000.000.000.000.000 Byte. Parallel zum Datenaufkommen schreitet jedoch auch die technische Entwicklung voran, sodass die technische Beherrschbarkeit solcher Datenmengen zunehmend gegeben ist. Der Weg von Big Data zu Smart Data scheint also geebnet.

Unternehmen wissen zu wenig über sich selbst

Höchste Zeit, dürfte sich dazu Professor Hans Uszkoreit sagen. Der wissenschaftliche Direktor des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) referierte auf der Messe zum Thema „Smart Services, Smart Data, Smart Everything?“ und erklärte: „Unternehmerischer Erfolg hängt von der Güte der Entscheidungen ab: Welche Produkte bringe ich mit welchen Eigenschaften auf welchen Markt?“

Aktuell würde ein Großteil der Entscheidungen auf unsicherer Informationsbasis getroffen. Tatsächlich wüssten viele Unternehmen schlicht zu wenig über sich selbst: „Auf die Frage: ´Was hat warum zu Umsatzeinbußen geführt?`haben Unternehmer zu selten eine umfassende Antwort.“ Und das, obwohl die Basis für diese Antwort, Daten, im Grunde vorhanden sei. Große Datenmengen smart verfügbar zu machen, sei somit ein großer Vorteil für Entscheider. Das gelte besonders für den Mittelstand, der vor den Dimensionen von Big Data noch viel zu oft instinktiv zurückschrecke. Die Lösung sollen nun Smart-Data-Technologien bringen, die es auch Mittelständlern ermöglichen, eine anwendungsorientierte Verwertung von Massendaten zu erzielen.

Intelligente Straßenbeleuchtung

Doch kein Big Data ohne die Generierung von Informationen. Das kann Hand in Hand mit der Entwicklung hin zur Smart City geschehen. Etwa indem Stadtmöbel zu Daten-Sammelstationen umgerüstet würden. Professor Lutz Heuser, Gründer und Geschäftsführer des Urban Institutes, einem Beratungsunternehmen für Lösungen auf dem Weg zur Smart City, geht auf das Thema Straßenbeleuchtung ein. „Dabei handelt es sich um eine der dichtesten Infrastrukturen einer Stadt – alle 80 bis 100 Meter steht ein Lichtmast.“ Da in Europa circa 75 Prozent der Straßenbeleuchtung veraltet sei, stünde eine Umrüstung auf LED vielfach bevor. Eine ideale Gelegenheit, um intelligente Anlagen zu etablieren, beispielsweise mit dem Ziel neben einer optimierten Steuerung der Straßenbeleuchtung auch das Erfassen und Bewerten von Immissionsdaten zu realisieren und etwa bessere Vorhersagen von Lärm, Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder -verschmutzung zu liefern.

Hamburgs Weg zur Smart City ist gekennzeichnet durch zahlreiche interdisziplinäre Pilotprogramme in Bereichen wie Energie, Mobilität, Verwaltung oder Logistik. Tatsächlich ist seitens des Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) auch ein Projekt zum Thema „Intelligenter Lichtmast“ in Planung. Dabei geht es darum, verschiedene Dienste wie nutzungsabhängige Beleuchtungssteuerung, WLAN, Sensoren zur Parkraumdetektion oder Ladestationen für E-Fahrzeuge an „smart points“ zu bündeln.
ys/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.cebit.de