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bild kommt noch - © Jens-Peter Saul, Vorstandsvorsitzender von Ramboll Foto: Ramboll

Rambøll-Chef Jens-Peter Saul: "Wir müssen jetzt aktiv werden"

Der Chef des dänischen Beratungs-Konzerns im Interview zu den bevorstehenden Fehmarn Belt Days und einer ganz besonderen Verwandtschaft

Jens-Peter Saul ist Vorstandsvorsitzender des Rambøll Konzerns, einem der führenden Engineering- und Beratungskonzerne in Europa. Mit rund 13.000 Mitarbeitern weltweit berät Rambøll Unternehmen, Städte und Kommunen in den Bereichen Bauten & Design, Transport & Infrastruktur, Stadtplanung & -gestaltung, Wasser, Umwelt & Gesundheit, Energie, Öl & Gas sowie Management Consulting. Von der Städteplanung bis hin zur Gesamtplanung von Großprojekten wie dem Fehmarnbelt-Tunnel deckt Rambøll ein breites Angebot an Dienstleistungen ab.

Rambøll beschäftigt rund 450 Mitarbeiter in Deutschland, davon 240 in Hamburg. Zuvor war Jens-Peter Saul seit 1994 in verschiedenen leitenden Funktionen für Siemens tätig, zuletzt als Vorstandsvorsitzender von Siemens Windpower. Saul ist zudem Präsident der Deutsch-Dänischen Handelskammer. Im November 2015 wurde der Konzernchef von Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz zum ehrenamtlichen HamburgAmbassador in Dänemark ernannt.

Hamburg News: Was erhoffen Sie sich von den Fehmarn Belt Days? Welche Erwartungen haben Sie an die Veranstaltung?

Jens-Peter Saul: Die Fehmarnbelt-Querung schafft eine neue Region, die Norddeutschland und die Öresundregion näher zueinander bringt. Das Bewusstsein für die Chancen hat durchaus noch Potenzial, vor allem auf deutscher Seite. Aber ich erwarte, dass wir die Fehmarn Belt Days mit über 900 Teilnehmern nicht nur dazu nutzen, um uns des Potenzials bewusst zu werden, sondern dass wir auch einen größeren Konsens bekommen, an welchen Maßnahmen wir schon jetzt arbeiten müssen, um dieses Potenzial zu maximieren. Denn das Zusammenwachsen der Regionen entsteht nicht erst mit der physischen Existenz des Tunnels. Seit Jahren arbeiten Partner in verschiedenen Themenfeldern zusammen, um die Vernetzung zu steigern, die für die Schaffung einer starken Region notwendig ist.

Die Veranstaltung bietet eine ideale Plattform zum Austausch und zum Networking für alle Akteure in der Region. Viele langjährige Kooperationspartner treffen sich zu interessanten Workshops mit konkretem Projektbezug. Wir müssen jetzt aktiv werden und die konkreten Initiativen als Wachstumstreiber nutzen.

Hamburg News: Rambøll leitet ja auch die Ingenieurarbeiten für den Fehmarnbelt-Tunnel. Wie konkret erleichtert der Fehmarnbelt-Tunnel die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Dänemark?

Jens-Peter Saul: Ökonomisch gesehen sinken die Transaktionskosten für Handel und Geschäftsreisen, das wird die Verbindung vor allem zwischen den Zentren Hamburg und Kopenhagen stärken. Von einer guten innerregionalen Verkehrsanbindung und cleveren Mobilitätskonzepten wird aber auch die gesamte Region entlang der Achse profitieren. Nicht zuletzt durch die Wachstumsimpulse. Neben der infrastrukturellen Dimension gibt es zudem eine psychologische Komponente. Man muss nicht mehr übers Wasser, es gibt eine feste Verbindung zwischen den Nachbarn. Dass diese Barriere wegfällt, hat Symbolkraft. Sie wird die jeweils andere Seite viel stärker ins Bewusstsein bringen. Das hat auch die Brücke zwischen Dänemark und Schweden bewiesen.

Wir sollten jedoch mit der Intensivierung der konkreten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Wirtschaftsverbänden und Forschungsinstituten nicht warten, bis der Tunnel eröffnet wird. Bereits seine Planungs- und Realisierungsphase birgt Potenziale. Die Standortbestimmung zur Innovationsfähigkeit entlang der Fehmarn-Route zeigt eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten für zukünftige gemeinsame Aktivitäten. Wir können auf bereits vorhandene Vernetzungsaktivitäten und gemeinsamen Projekten aufbauen.

Zum anderen gibt es Bereiche, in denen ähnliche und sich ergänzende Kompetenzen noch besser ausgeschöpft werden können. Im Baugewerbe, in der Logistikbranche, in den Bereichen Clean Tech, aber auch in der Energiewirtschaft lassen sich gemeinsam innovative Entwicklungen voranbringen. Wir müssen den Weg jetzt ebnen und tätig werden.

Hamburg News: Ende September steht in Hamburg die WindEnergy 2016 an. Hamburg und Dänemark arbeiten schon jetzt im Bereich der Erneuerbaren Energien intensiv zusammen. Wie wirkt sich die Novellierung des EEG auf die weitere Zusammenarbeit aus?

Jens-Peter Saul: Teil der EEG-Novellierung ist nicht nur der Wechsel zu einem Ausschreibungsmodell, auch die jährlich installierte Leistung wird reduziert. Letzteres wird natürlich eine Auswirkung auf die deutsche und dänische Windindustrie haben, da beide führende Exportnationen in dem Bereich sind. Es gibt aber auch Potenziale. Dänemark hat bereits ähnliche Ausschreibungsprozesse etabliert und hier besteht die Möglichkeit über Grenzen hinweg aus diesen Erfahrungen zu lernen. Zudem ist die Windenergie ja auch nur ein Teil der deutschen Energiewende.

Es gibt viele andere Themenfelder, die in Deutschland nun mehr und mehr in den Fokus kommen werden, wie zum Beispiel Themen zur dezentralen Energieversorgung, Energieeffizienz, Smart Energy oder Elektromobilität. Auch hier können wir Deutschen viel von unseren skandinavischen Nachbarn lernen, aber auch viele dänische Firmen können davon profitieren, da Deutschland technologisch auf diese Themen vorbereitet ist.

Hamburg News: Sie haben die beiden deutschen Windkraftberatungsunternehmen BBB Umwelttechnik und Cube Engineering übernommen. Was war der Grund, welche weiteren Schritte sind geplant?

Jens-Peter Saul: Bisher waren wir vor allem im Bereich Offshore-Wind tätig und mit einem Marktanteil von 65 Prozent international führend. Mit der Akquisition von BBB und CUBE haben wir unser Portfolio im Bereich Onshore-Wind deutlich erweitert und können nun in diesem Bereich unsere Kunden entlang der gesamten Wertschöpfungskette mit unseren Engineering- und Beratungsleistungen unterstützen. Nicht zuletzt verfügen BBB und CUBE über eine attraktive Kundenbasis und ein etabliertes, umfangreiches Netzwerk. Beide Unternehmen erbringen ca. 60 Prozent ihrer Dienstleistungen in Deutschland. Wir haben mit der Akquisition also auch unsere Position in Deutschland weiter ausgebaut.

Hamburg News: Was zeichnet die wirtschaftlichen und auch kulturellen Beziehungen zwischen Hamburg und Kopenhagen aus?

Jens-Peter Saul: Hamburg und Kopenhagen kommen mir wie Schwesterstädte vor. Die eine erinnert mich immer an die andere. Die Städte sind wohlhabend, modern, innovativ. Es gibt vielfältige Beziehungen zwischen den Unternehmen und genauso zwischen den Städten und Wirtschaftsorganisationen. Auch die Branchen passen zueinander. Beide Städte sind stark in Logistik, Life Sciences, Energie- und Umwelttechnik sowie Tourismus. Beide Städte zeichnet eine hohe Lebensqualität aus, was ein entscheidender Faktor für das Anziehen von Talenten ist. In all diesen Bereichen gibt es vielfältige Möglichkeiten zur Kooperation. Wir müssen hierfür die Unternehmen zusammenbringen.

Hamburg News: Als Präsident der Deutsch-Dänischen Handelskammer in Kopenhagen und als HamburgAmbassador haben Sie einen direkten Draht zu den Unternehmen. Welches dänische Unternehmen dürfen wir wohl als nächstes in der Hansestadt begrüßen?

Jens-Peter Saul: Für dänische Unternehmen ist Hamburg ganz natürlich der erste Anlaufpunkt. Die erste Großstadt nach der Grenze, die der perfekte Ausgangspunkt ist für den Rest des Landes oder auch Europa. Nicht zuletzt ist Hamburg ein wichtiger Hafen für die dänische Industrie. Exportiert wird von Jütland über die A 7 und den Hamburger Hafen. Und die Dänen fühlen sich natürlich wohl in Hamburg. In letzter Zeit haben Flying Tiger, Hi Fi Klubben, die Restaurantkette Mash sowie Joe and the Juice Läden in Hamburg eröffnet. Im November eröffnet Illums Bolighus auf dem Neuen Wall. Hamburg ist und bleibt ein hochattraktiver Standort für dänische Unternehmen.
kk

Interview: Karolin Köcher

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Die HamburgAmbassadors sind Persönlichkeiten, die mit der Hansestadt eng verbunden sind, dauerhaft im Ausland leben und dort eine herausragende Position in Wirtschaft, Kultur oder Gesellschaft einnehmen. Sie werben für die Stadt bei geschäftlichen Anlässen, durch einzelne Vorträge oder beispielsweise auf von ihnen ausgerichteten “Hamburg”-Abenden, zu denen Freunde, Geschäftspartner und Top-Entscheider eingeladen werden. Darüber hinaus werden die HamburgAmbassadors in die Planung von Messen, Tagungen, Kongressen und Empfängen einbezogen und unterstützen mit ihren Kontaktnetzwerken die Vorbereitung von Auslandsaktivitäten der Stadt. Derzeit sind es 34 Ambassadors in 22 Ländern. Das Ambassador Programm ist organisatorisch bei der HWF Hamburgische Gesellschaft für Wirtschaftsförderung mbH verankert.

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