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Viel mehr als nur Hopfen und Malz - © Julia Schwendner

Mehr als Hopfen und Malz: Craft Beer-Szene in Hamburg wächst

Innovative Mikrobrauereien kreieren individuelles Craft Beer – und präsentieren es beim Winter Beer Day am kommenden Samstag

Craft Beer ist kult. Der Trend zu unabhängigen Brauereien, die individuelle, handwerklich gebraute Biere in kleinen Mengen entwickelten, entstand in den 70er-Jahren in den USA – und eroberte in den letzten fünf Jahren Deutschland. Laut einer aktuellen Statista-Umfrage unter Biertrinkern in Deutschland, kaufen rund 20 Prozent der Befragten einmal im Monat Craft Beer. Besonders die Hamburger schätzen die ungewöhnlichen Biere und immer mehr vom Startup-Geist geprägte Hamburger Mikrobrauereien experimentieren mit neuen Rezepten. Neben klassischen Zutaten Hopfen, Malz, Wasser und Hefe zum Gären fließen Gewürze, Kaffee oder Früchte mit ein. Craft Beer schmeckt deshalb mal fruchtig, mal malzig-röstig. Aber auch bitter, gewürzbetont oder gar blumig. Mit den unkonventionellen Geschmacksrichtungen grenzen sich die kleinen Brauereien von ´Konzernbieren` ab und setzten auf Originalität und Individualität.

Winter Beer Day am 19. November

Wie groß das Interesse an neuen Bier-Kreationen ist, beweisen die Craft Beer Days in Hamburg. Wenn sich beim Winter Beer Day am 19. November internationale Brauereien in den Schanzenhöfen präsentieren, kommt die Craft Beer-Szene schon zum 12. Mal in die Hansestadt. 18 Brauer aus Deutschland, Dänemark und erstmals aus Italien stellen ihre individuellen Winter- und Craft Beer-Sorten vor. Neben typischen Winterbieren wie Stout oder Porter findet sich auch der Craft Beer-Klassiker India Pale Ale (IPA) im Ausschank. Das obergärige Bier ist stärker gehopft als das klassische Pale Ale und hat oft eine blumig-zitrusfruchtige Aromatik. „Die Vielfalt der Biere ist das Besondere beim Winter Beer Day“, sagt Dennis Teppler, Betriebsleiter vom Braugasthaus Altes Mädchen, dem Gastgeber der Craft Beer-Veranstaltung. „Und natürlich lockt der direkte Austausch zwischen Gästen und Brauern. Denn der Kopf hinter dem Bier ist der entscheidende Faktor. Sein Rezept, seine spezifische Auswahl der Zutaten, oft regional erzeugt, zeichnen ein richtig gutes Craft Beer am Ende aus.“ Zum Winter Beer Day 2015 kamen knapp 3.000 Gäste. Dieses Jahr dürfte die Schar der Besucher ähnlich groß sein – von neugierigen Genießern, „bis zu echten Bier-Nerds, die extra wegen einer speziellen Brauerei kommen.“

Ratsherrn Brauerei – Alte Marke, neues Konzept

Wand an Wand zum Alten Mädchen liegt die Ratsherrn Brauerei, eröffnet 2012. Die Marke selbst gibt es schon über 50 Jahre. Sie wurde von der Elbschloss-Brauerei geschaffen, wanderte zur Bavaria St. Pauli-Brauerei und anschließend zur Holsten-Brauerei bevor sich Oliver Nordmann die Rechte sicherte. Heute nun entstehen unter den wachsamen Augen von gleich fünf Braumeistern, darunter Thomas Kunst, Philip Bollhorn und Ian Pyle, Stamm-, Saison- und Co Brew-Sorten. Und das vom Ansetzen des Suds über den gesamten Gärprozess bis hin zum Befüllen der Fässer. Die Ratsherrn-Saison-Biere tragen sprechende Namen wie Matrosenschluck, Lumberjack oder Kaventsmann, denn gerade Craft Beer-Fans schätzen Abwechslung und Fantasie. Einblicke in die Besonderheiten des Brauprozesses sowie einen kurzen Überblick zur gegenwärtigen Craft Beer-Bewegung, bieten regelmäßig stattfindende Brauereiführungen.

Kehrwieder Kreativbrauerei: Ausnahmegenehmigung für Coffee Milk Stout

Das Sudhaus der Kehrwieder Kreativbrauerei ist selbst gebaut. Es besteht aus ehemaligen Milchtanks, kombiniert mit einer gebrauchten Abfüllanlage eines Winzers und bringt es auf einen Fünf-Hektoliter-Ausstoß. Da die Anlage einen Doppelsud erlaubt, lässt sich die tägliche erzeugte Biermenge auf Wunsch verdoppeln. Hier braut Biersommelier Oliver Wesseloh – Gewinner der Biersommelier Weltmeisterschaften 2013 – sein Coffee Milk Stout. Für dieses und einige weitere Craft Beere hat er sich eigens Ausnahmegenehmigungen ausstellen lassen, denn eigentlich verstößt seine Kreation gegen das Bier-Reinheitsgebot. Das besagt, zur Herstellung von Bier dürfe nur Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden. Wesseloh jedoch arbeitet mit gerösteter unvermälzter Gerste, Kaffee und Milchzucker, um den unverwechselbaren Geschmack seines Coffee Milk Stouts zu erzeugen. Für sein belgisches Dubbel verwendet er Kandiszucker und seine deutsche Gose wird mit Salz und Koriander gebraut.

Wildwuchs zieht es nach Hamburg

Das Wildwuchs Brauwerk setzt auf Zutaten aus kontrolliert ökologischem Anbau. Damit liegt Diplom- Braumeister und Biersommelier Friedrich Carl Richard Matthies, genannt Fiete, doppelt im Trend: Mit Bio und mit Craft Beer. Denn zunehmend hinterfragen Verbraucher die Herkunft der Produkte bzw. der verwendeten Zutaten. Wer da wie Fiete die Herkunft von Hopfen (Biohof Friedrich in Oberfranken) und Gerstenmalz (Rhön-Malz-GmbH) benennen kann, schafft Vertrauen. Damit sich sein Craft Beer ´wie ein wilder Wuchs verbreiten` konnte – so die Idee hinter dem Namen – mietete Fiete 2014 in Bleckede eine halbe Brauerei direkt an der Elbe, das halbierte die laufenden Kosten. Schließlich ist der Preis für Unabhängigkeit ein begrenztes Budget. Doch inzwischen laufen die Geschäfte richtig gut und die Kapazitäten in Bleckede sind begrenzt. Deshalb plant Fiete nun seine eigene Brauerei in Hamburg zu gründen, näher an seiner Kundschaft. Im Frühjahr 2017 soll es mit dem Bau losgehen.

Hamburg – Das Brauhaus der Hanse

Hamburg hat ganz klar das Zeug zum Taktgeber der Craft Beer-Bewegung – auch historisch gesehen. Immerhin hat die Stadt eine beeindruckende Biertradition. Vor über tausend Jahren wurden in Hamburg die ersten Biere hergestellt, vorwiegend für den Hausgebrauch und im Geschmack weit von dem entfernt, was Bierliebhaber heute gewohnt sind. Mitte des 13. Jahrhunderts nahmen die ersten echten Brauer („Braxatores“) ihr Gewerbe auf. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts wurden in Hamburg nahezu 450 Brauhäuser gezählt, im Jahr 1540 waren es bereits 527 – die Stadt machte sich einen Namen als ´Brauhaus der Hanse`.
ys/kk

www.craftbeerdays.de
www.ratsherrn.de
www.kreativbrauerei.de
www.wildwuchs-brauwerk.de

Ausstellung „Kein Bier ohne Alster“

„Kein Bier ohne Alster. Hamburg – Brauhaus der Hanse“, so lautet der Titel der Ausstellung im Museum für Hamburgische Geschichte. Noch bis zum 12. März 2017 wird anhand von Originalobjekten, schriftlichen Quellen, Modellen sowie inszenatorischen Elementen die Entwicklung des Bierbrauens in Hamburg nachgezeichnet. Ausgehend von den ersten Hopfenfunden in der Wikingersiedlung Haithabu wird die Bedeutung des Bieres als Grundnahrungsmittel der mittelalterlichen Bevölkerung skizziert, um dann einen Ausblick in die Moderne mit ihren industriellen Produktionsweisen und in die Gegenwart zu werfen.
Das Museum für Hamburgische Geschichte präsentiert die Entwicklungsgeschichte der Stadt Hamburg von ihren Anfängen um 800 bis zur Gegenwart und zählt zu den größten stadthistorischen Museen Europas.
www.hamburgmuseum.de

Winter Beer Day

Die Idee zum Winter Beer Day stammt von unseren skandinavischen Nachbarn. Die Dänen feiern jedes Jahr im November ihren „J-Day“, Kurzform für „Julebryg“. Und an diesem ´Weihnachtsgebräu-Tag` präsentieren Dänemarks Brauereien ihre neu kreierten Starkbiere. Um Punkt 20.59 Uhr beginnt an diesem besonderen Tag landesweit der Ausschank der Winterbiere. Winter Beer Day in den Hamburger Schanzenhöfen am 19. November.

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