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"Marktplatz der Begegnungen" in der Handelskammer - © Anton Ahrens

Großes Interesse am „Marktplatz der Begegnungen“

Über 1.000 Flüchtlinge informierten sich in der Handelskammer über Wege in den Arbeitsmarkt. Die Hamburg News waren dabei

Großer Andrang beim zweiten „Marktplatz der Begegnungen“ in der Handelskammer Hamburg. Über 1.000 Flüchtlinge nutzten die Chance, um sich einen Eindruck von Hamburgs Wirtschaft zu verschaffen. Knapp 50 Unternehmen, darunter etwa Aurubis, Edeka, Fielmann oder Vattenfall, folgten am 16. Februar der Einladung der Handels- und Handwerkskammer, der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, der Agentur für Arbeit, des Jobcenters Hamburg sowie der UV Nord. Sie präsentierten sich und hatten dabei Praktikums-, Ausbildungs- oder Arbeitsplätze im Gepäck.

Sprachkenntnisse sind der erste Schritt

Den meisten Besuchern geht es um ganz grundlegende Fragen: Welche Berufe gibt es? Welche Einstiegsmöglichkeiten bieten die Unternehmen? Und welche Voraussetzungen sind zu erfüllen? Unterstützt werden sie dabei von zahlreichen ehrenamtlichen oder professionellen Betreuern. Christin Riethmüller, Umschulungskoordinatorin bei IBB (Institut für Berufliche Bildung), ist gleich mit mehreren ihrer Schützlinge erschienen. „Wir betreuen rund 160 Asylbewerber. Davon haben etwa 30 Prozent einen Studienabschluss, viele bringen einen guten Schulabschluss mit und möchten studieren, aber es sind auch Ungelernte darunter, die zunächst einen Alphabetisierungskurs durchlaufen haben.“ Und natürlich stehe stets ein Deutschkurs auf dem Programm. Die Messe nutzt sie vor allem, um interessante Kontakte zu knüpfen.

Mit dieser Absicht ist auch Amer Alnqib gekommen. Der 37-jährige Syrer war in seiner Heimat im „kaufmännischen Marketing“ tätig. Für eine entsprechende Position in Deutschland werden sehr gute Deutschkenntnisse erwartet. „Ist Kommunikation, ich weiß. Aber ich lerne schnell“, sagt er und lacht. Bis das nötige Sprachniveau erreicht ist, will er ein besseres Verständnis dafür gewinnen, wie die Hamburger Wirtschaft tickt.

Hamburgs Unternehmen gehen aktiv auf Flüchtlinge zu

Jochen Barnstedt wiederum, Head of Recruitment bei DESY, möchte sich ein Bild von den Flüchtlingen machen. „Ich versuche zu eruieren, mit welchem Ausbildungsstand wir in etwa rechnen können, um spezifische Angebote zu konzipieren.“ Technische Praktikumsplätze etwa ließen sich relativ schnell realisieren und auch begleitende Schulungen könnten organisiert werden.

Die Vartan Aviation Group (VPS), ein Zulieferer der Flugzeugindustrie, ist da schon einen Schritt weiter. „Wir suchen Praktikanten im gewerblichen Bereich. Jeder mit handwerklichem Geschick ist willkommen“, sagt VPS-HR Managerin Kerstin Messal. Gute Englisch- und Deutschkenntnisse seien natürlich von Vorteil, „aber wir haben schon gute Erfahrungen mit zwei Ghanaern gemacht, die erst im Laufe des Praktikums die Sprache gelernt haben und von denen wir einen bereits unbefristet einstellen konnten.“

René Hantel, Personalleiter bei der Ryf Coiffeur GmbH, ist bei der Suche nach potentiellen Mitarbeitern auf ein ganz anderes, unerwartetes Problem gestoßen. „Syrische Friseure beherrschen keine Damenschnitte. Das gehört schlicht nicht zu ihrem Handwerk.“ Nun steht das Unternehmen in Kontakt mit der Handwerkskammer Hamburg, um entsprechende Schulungen zu organisieren. Denn das Interesse an ausgebildeten Fachkräften ist groß, „im Friseurhandwerk herrscht massive Personalnot“.

Die Chancen, dass Hantel beim „Marktplatz der Begegnungen“ auf passende Kandidaten trifft, stehen nicht schlecht. Zur Auftakt-Veranstaltung im November 2015 waren 500 Interessenten gekommen, 430 von ihnen gingen mit einer Einladung zu weiteren Gesprächen. Und wenn es diesmal doch nicht klappt – der dritte „Marktplatz der Begegnungen“ ist schon in Planung.
ys/kk

Weitere Informationen:
www.hk24.de
www.ibb.com/standort/ibb-hamburg
www.desy.de
www.vps-group.com/
www.ryf.de

Über den "Marktplatz der Begegnungen"

Der „Marktplatz der Begegnungen“ ist eine Kontaktmesse für Flüchtlinge und Vertreter der Wirtschaft. Ist ein erster, vielversprechender Kontakt hergestellt, folgt als nächster Schritt die Klärung von Aufenthaltsstatus, Bleibeperspektive sowie eine Qualifikationsprüfung. Unter www.hk24.de/fluechtlinge hat die Handelskammer Hamburg einen Leitfaden – eine Art Wegweiser durch das Dickicht des Asylrechts – zum Download für interessierte Unternehmen bereitgestellt.

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