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(v.l.) Thorsten Kausch und Michael Otremba im Interview - © Hamburg Convention Bureau GmbH

Frischer Wind in der Meeting- und Veranstaltungsbranche

Michael Otremba ist der neue Leiter des Hamburg Convention Bureau. Gemeinsam mit seinem Vorgänger Thorsten Kausch spricht er über Meilensteine und Potenziale

Michael Otremba, Geschäftsführer der Hamburg Marketing GmbH (HMG) und der Hamburg Tourismus GmbH (HHT) leitet seit Oktober 2016 auch die Geschicke der Hamburg Convention Bureau GmbH (HCB). Thorsten Kausch verlässt die HMG und das HCB nach über zehn Jahren. Im gemeinsamen Interview sprechen sie über Meilensteine, Nachholbedarf und Potenziale der Meeting- und Veranstaltungsbranche in Hamburg.

Herr Kausch, was waren für Sie die Meilensteine in der bisherigen Arbeit des HCB?

Thorsten Kausch: Die Umstrukturierung zu einem eigenständigen Unternehmen im Hamburg Marketing Verbund war wahrscheinlich einer der größten Schritte in der Entwicklung des HCB. Als eigene GmbH und Schwester der Hamburg Tourismus GmbH sowie der Hamburgischen Gesellschaft für Wirtschaftsförderung mbH können wir deutlich fokussierter agieren als zu der Zeit, als wir ein eingegliederter Unternehmensbereich waren. Der zweite Meilenstein war die Entscheidung zur Finanzierung durch Mittel aus der Kultur- und Tourismustaxe. Übrigens ein Punkt, der in der Branche sehr gut aufgenommen worden ist, denn die Dienstleister haben es positiv bewertet, dass Gelder aus der Bettensteuer in die Auslastung der Hotels reinvestiert werden. Wir weisen insgesamt eine starke Veranstaltungskompetenz unter dem Dach des Hamburg Convention Bureaus auf und sind erster Ansprechpartner für Planer. Das ist ein weiterer sehr relevanter Punkt.

Wo stehen das HCB und der Veranstaltungsstandort Hamburg heute?

Kausch: Das HCB befindet sich auf einem ausgesprochen guten Weg. Wir haben uns ein sehr breites Netzwerk geschaffen. Die Prozesse und Strukturen, die wir aufgebaut haben, sind in der Stadt angekommen und belastbar. Projekte wie beispielsweise der Eventlotse machen Hamburg durch professionelles Agieren für Veranstalter immer attraktiver und entlasten die Hamburger Bezirksämter. Dazu arbeiten wir aktiv und erfolgreich daran, unsere internationalen Kooperationen immer weiter auszubauen, durch diese zu lernen und Hamburg so immer attraktiver für Veranstalter zu machen.

Herr Otremba, was ist Ihr Eindruck des HCB und der Hamburger MICE-Branche insgesamt?

Michael Otremba: Mein erster Eindruck des Veranstaltungs- und Meeting-Sektors ist sehr positiv. Ich höre immer wieder, dass die Branche in Hamburg sehr eng zusammensteht, viel miteinander spricht und sich austauscht. Hier wird Hand in Hand gearbeitet. Man merkt, dass das gemeinsame Ziel verfolgt wird, Hamburg in seiner Gesamtheit besser und konkurrenzfähiger im internationalen Vergleich zu machen. Das HCB rundet dieses Bild ab. Wir sind sehr strukturiert und haben die strategisch übergeordnete Aufgabe jederzeit im Blick. Die guten und stetig steigenden Zahlen, etwa in der Anfrageentwicklung im Bereich Conventions, sprechen für sich. Auch die Veranstaltungen des HCB – denken Sie etwa an die Hamburg Cruise Days mit über einer halben Million Besuchern – sind deutlich sichtbare Leuchttürme und stärken das positive Image Hamburgs weltweit.

Wie schätzen Sie die Potenziale des MICE-Tourismus in Hamburg ein?

Otremba: Hamburg weist ein sehr ausgewogenes Zusammenspiel aus Wirtschaftskraft, Wissenschaft, Attraktivität und Angebot auf. Ein wirklich interessanter Faktor sind zudem die Hamburger Cluster- Branchen, die uns eine sehr fokussierte Akquise-Richtung geben und so immer wieder Mehrwerte für die Stadt und die Veranstalter bringen: Ein Luftfahrtkongress zum Beispiel findet hier in Hamburg ein überaus interessantes und qualitativ hochwertiges Publikum, denn die Luftfahrtbranche ist hier sehr stark. Auf der anderen Seite profitiert auch die Stadt, denn der Wissensaustausch am Standort oder die Aufmerksamkeit, die ein internationaler Kongress in der Fachbranche erregt, wirken sich sehr positiv auf Hamburg und seine Wirtschaft aus. Es befruchtet sich gegenseitig.

Wo hat Hamburg noch Nachholbedarf?

Kausch: Wir haben viel Zeit und Ressourcen investiert, um das Thema promotabler Geschäftstourismus in Hamburg auf die Agenda zu heben und die Wichtigkeit der Branche sichtbar zu machen. Ein Grundstock an Bewusstsein ist inzwischen vorhanden. In Hamburg fehlt es nun noch an einer entsprechenden Infrastruktur, um die Früchte dieser Arbeit zu ernten: Wir benötigen dringend ein adäquates Tagungshotel und weitere Tagungskapazitäten, um bei größeren Veranstaltungen angebotsfähiger zu sein. Bei den Themen Willkommenskultur und City Dressing haben wir noch Luft nach oben – zwei Punkte allerdings, die Veranstaltern sehr wichtig sind, da dies gute Möglichkeiten sind, eine Veranstaltung in die Stadt zu verlängern.

Was haben Sie als wichtigste Aufgaben ausgemacht?

Otremba: Wir müssen stetig proaktiv daran arbeiten, den gerade erwähnten Grundstock weiter auszubauen. Der Bereich Kongresse und Tagungen muss noch stärker als wichtiger Teil des Gesamttourismus wahrgenommen werden. Unsere Branche hat gutes Wachstumspotenzial und bringt viele positive Nebeneffekte für die Stadt. Die Wahrnehmung kann also nicht hoch genug sein. Andere Städte sind hier bereits einen Schritt weiter.

Welche Chancen ergeben sich aus der Dreifachgeschäftsführung von HMG, HHT und HCB?

Otremba: Wir haben damit ganz neue Möglichkeiten, uns in Hamburg zu positionieren. Aus allen Bereichen kommen starke Impulse, die wir aufnehmen wollen. Gerade in der Operative werden wir viele Synergien schaffen und Grenzen abbauen. Beispiele hierfür können eine Bündelung der Marktbearbeitung, die Datenerhebung oder auch die Ansprache unserer Stakeholder sein. Wir haben die Gelegenheit, Prozesse und Abläufe zum Positiven zu verändern, Zielkonflikte aufzulösen, eine Unternehmenskultur zu entwickeln und Abstimmungsprozesse zu erleichtern. Diese Chance wollen wir nutzen.

Herr Kausch, wo werden wir Sie in Zukunft treffen?

Kausch: Nach zehn Jahren leitender Stadtvermarktung für Hamburg möchte ich auch künftig dazu beitragen, meine Heimatstadt attraktiv weiterzuentwickeln – jedoch nicht mehr in der Rolle eines städtischen Unternehmens, sondern unternehmerisch mit der vielschichtigen Erfahrung aus dieser Rolle. Ich möchte mich in Projekte an der Schnittstelle Politik, Verwaltung und Wirtschaft einbringen und dazu beitragen, diese erfolgreich auf den Weg zu bringen. Dafür werde ich sie bei der Umsetzung interdisziplinär unterstützen.

Quellen und weitere Informationen:
www.hamburg-convention.com
(Das Interview ist erschienen im Tourismus Report Hamburg)

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