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Ambassadors in Hamburg: In drei Tagen in die Zukunft

Sie repräsentieren die Hansestadt in der Welt. Was sie von ihrem Jahrestreffen mitnehmen – und was sie zurücklassen. 10 Einsichten und 1 Angebot

Sie haben sich im smartPORT umgeschaut, die moderne Verkehrsleitstelle der Hamburger Hochbahn besucht, waren im „intelligentesten Haus Deutschlands“, und beim 3D-Maschinenhersteller SLM Solutions in Lübeck. Schließlich wurden sie von Bürgermeister Olaf Scholz begrüßt und erhielten vom Senat exklusive Einblicke in die Digitalstrategie der Stadt. Die HamburgAmbassadors werden von der Stadt hochgeschätzt, schließlich repräsentieren sie Hamburg in ihren jeweiligen Gastländern. London, Paris, New York, Tokio, Singapur – aus insgesamt 21 Ländern kommen die 33 hochrangigen Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft.

Jahrestreffen mit Schwerpunkt “Digitale Stadt”

Einmal im Jahr kommen sie in Hamburg zu ihrem Jahrestreffen zusammen. Das Motto ihres dreitägigen Programms in diesem Jahr: „Digitale Stadt Hamburg“. Dermaßen inspiriert ihr einhelliges Fazit am Ende ihres Besuchs: Eine Aufbruchsstimmung in Stadt und Region sei „deutlich spürbar“. Die Stadt habe das Thema hoch priorisiert und damit die Segel gesetzt. Wichtig sei es nun, den Wind des Aufbruchs auch zu nutzen.

Was war

„Sensationell“, schwärmt Dr. Christian Bühring-Uhle aus Bogotá. Er habe sich zum X-ten Male in die Stadt verliebt. Besonders begeistert habe ihn der MLOVE Future City Campus im Hafen – „eine Innovation auf Weltstandard“. „Ein großer Enthusiasmus unter den Akteuren ist spürbar“, ergänzt Ursula Schulz aus Prag. Angela Reverdin Gabriel aus Marseille weilt gedanklich noch mitten im Apartimentum, dem „intelligentesten Haus Deutschlands“ an der Alster, mit Türen, die auf das Handy des Bewohners reagieren und allerhand beeindruckender IoT – Internet of Things-Zukunftstechnik. „Faszinierend, das ist die Zukunft! Wohnen möchte ich so allerdings nicht“, gesteht sie lachend. Und zum smartPORT: Auch Marseille verstehe sich als intelligenter Hafen. So weit wie hier sei man allerdings längst nicht.

Begehrter Interviewpartner der Hamburger Medien: Christoph Lampert, HamburgAmbassador aus London. Wie sich denn nun der Brexit auf Hamburg auswirken würde, wollten sie wissen. Ergeben sich für Hamburg nun mehr Chancen? Hamburg kenne man in Großbritannien eher als Kreuzfahrthafen oder durch die Beatles und die Reeperbahn, die aufstrebenden jungen Digitalbranchen würden noch nicht so registriert, sagt er. Auch aus diesem Grund würdigte Lampert Hamburgs digitale Antworten auf die Herausforderungen der Zeit – so auch die diversen Initiativen der Stadt, die Hamburger Startup- und Gründerszene zu unterstützen. Wichtig sei, so der Finanzmanager, der seit mehr als 30 Jahren in Großbritannien lebt und arbeitet, dass die digitalen Ideen sich auch in Innovationen und Geschäftsmodellen transformieren ließen.

Was ist

„Wir haben hier viele Beispiele gesehen, wie sich die digitale Theorie in den Alltag der Bürger übersetzen lässt“, so Ambassador Leif H. Sjöström aus Stockholm. Beeindruckt zeigte er sich insbesondere vom Nahverkehrssystem. Er wolle noch in diesem Jahr mit einer Gruppe Stadtplaner wiederkommen und sich das erneut anschauen. „Wichtig ist, dass die Menschen die digitalen Angebote auch nutzen“, so Sven Oehme aus New York. Das Geschäftsmodell des Hamburger Medical-Startups LifeTime habe ihn begeistert. „Das könnte auch in den USA funktionieren“, resümiert er. Ralf Schmidt aus Singapur will hingegen das Hamburger Startup Jetlite mit einer innovativen Flugzeugneuheit gar gleich mit Singapore Airlines zusammenbringen. Beide Gründerteams hatten sich den Ambassadors zuvor präsentiert.

Dass bei allem digitalen Enthusiasmus die Bürger nicht auf der Strecke bleiben, sei die große Herausforderung aller Metropolen, die sich dem Thema stellen, so Nils Blunck aus Budapest. „In Deutschland vor allem eine Mentalitätsfrage. Die Verwaltung darf sich nicht selbst im Wege stehen und Innovationen durch Regeln und Bestimmungen behindern.“ Und schließlich, mehr als wohl jede andere Herausforderung sei die digitale Transformation eine Generationsfrage. „Werden doch viele Ideen vor allem von jungen Leuten getrieben.“

Den wohl größten Eindruck habe bei ihm der Besuch in Lübeck bei dem 3D-Drucker-Hersteller SLM Solutions hinterlassen, so Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Michalski, Ambassador in Paris. Das Beispiel habe gezeigt, dass Unternehmen in Hamburg und seiner Region auch im industriellen Bereich Weltspitze seien. Er finde es wichtig, dass im Zusammenhang mit Hamburg, wo immer es sinnvoll ist, die Metropolregion in den Vordergrund gestellt wird. „Eine Metropole mit 1,8 Millionen Einwohnern findet in der Welt nur wenig Beachtung. Aber eine Metropolregion mit 5,5 Millionen Einwohnern sehr wohl. Hamburg braucht die Metropolregion, um weltweit als attraktiver Wirtschaftsstandort und Markt wahrgenommen zu werden. Und die Region braucht Hamburg als wirtschaftliches und kulturelles Zentrum.”

Was bleibt

Und die Learnings für beide Seiten? Aufbruchsstimmung, Enthusiasmus. Segel gesetzt. Nun volle Fahrt voraus – und dabei die Mannschaft bloß nicht verlieren.

Vor allem auch um Hamburgs weiche Standortfaktoren ging es in vielen Gesprächen der Ambassadors. Die viel zitierte hohe Lebensqualität bestehe dabei aus mehr als aus dem vielen Grün in der Stadt. Ohne Kultur kein innovativer Wirtschaftsstandort, so war zu hören. Und ja, die Elbphilharmonie habe dem Image und der Bekanntheit der Stadt einen gehörigen Schub verpasst. Hier solle man unbedingt weiter ansetzen.

Geht es nach Ambassadorin Petra Vorsteher, Mitgründerin des Digitalunternehmens Smaato mit Büros in Hamburg, San Francisco, New York, Singapur und Shanghai kann der Enthusiasmus gar nicht groß genug sein. „In der Gründerstadt Hamburg ist vieles ähnlich wie im Silicon Valley“, findet sie. „Hamburg ist eine moderne, internationale und weltoffene Stadt, die Talente aus der ganzen Welt anzieht. Allein bei Smaato arbeiten im Emporio 120 Mitarbeiter von 30 Nationalitäten, die auf nur auf englisch miteinander kommunizieren.”

Durch ihre internationalen Master Studiengänge in englischer Sprache habe die TUHH viele Studenten aus der ganzen Welt, so Vorsteher weiter. “Auch die Netzwerkveranstaltungen in Hamburg sind sehr vielfältig. Zum Beispiel Hamburg@work und NextMedia bieten viele interessante Events für Start ups sowie auch etablierte Firmen in den unterschiedlichsten Sparten an. Hamburg ist eine ‘ Global City of Innovation’ und es ist mir eine große Ehre, sie in San Francisco zu repräsentieren.

Von London lernen, heißt vor allem sich selbstbewusster darstellen, so Christoph Lampert. Grund dazu gebe es genug. Fahne hissen – oder die Hamburg App verbreiten – ganz im Geist der Zeit. Dabei, so das Angebot, gern die Hilfe der Ambassadors in Anspruch nehmen.

„Die Digitalisierung von Produkten und Dienstleistungen, Methoden und Prozessen ist der Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit der Metropolregion Hamburg und damit ein entscheidender Faktor im Standortwettbewerb, so Dr. Rolf Strittmatter, Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Marketing GmbH, die das Ambassador-Programm organisiert und koordiniert. „Die Ambassadors sind dabei wichtige Partner, um uns als innovative und digitale Stadt international zu positionieren.“ Dass er auf die volle Unterstützung der Hamburg-„Botschafter“ zählen kann, zeigte das Jahrestreffen überdeutlich.  

Autorin: Karolin Köcher

Das HamburgAmbassador-Programm

Sie tragen Hamburg in die Welt: Die 33 HamburgAmbassadors, die in 21 Ländern ehrenamtlich die Interessen der Stadt vertreten. Vom 8. bis 10. Mai traf sich das Netzwerk zu seiner jährlichen Tagung in Hamburg, die in diesem Jahr unter dem thematischen Schwerpunkt „Digitale Stadt“ stand.

Das internationale Netzwerk besteht seit zwölf Jahren und ist in seiner Struktur einmalig in Deutschland. Die Ambassadors üben ein Ehrenamt aus, in das sie vom Ersten Bürgermeister berufen werden. Die Fäden des Netzwerks laufen bei Hamburg Marketing zusammen, hier werden inhaltliche Themen festgelegt, organisiert und koordiniert. 

Die HamburgAmbassadors sind so etwas wie ehrenamtliche Botschafter im Ausland. Sie werben in ihrem jeweiligen Land für Hamburg und helfen mit, Hamburg in der Welt bekannt zu machen. 
www.marketing.hamburg.de

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