Hamburg News / Handel & Finanzen: Der Hamburger Innenstadtbereich ist. u.a. durch vielfältigtste Shoppingmöglichkeiten geprägt. Zudem haben sich z.Bsp. auch Banken, Handelsunternehmen und die Hamburger Börse in dem Kernbereich der Stadt angesiedelt.
Die Wirtschaftsfamilien der Stadt - © Sven Hoffmann Journal

ZEIT-Debattenreihe: Die Wirtschaftsfamilien der Stadt

In der jüngsten Ausgabe von "Zur Sache Hamburg" ging es es um Wandel und Generationenwechsel

Fünf Mal im Jahr laden die ZEIT-Stiftung und die ZEIT:Hamburg im Rahmen ihrer Debattenreihe „Zur Sache, Hamburg“ ins Bucerius Kunst Forum. Titel der jüngsten Ausgabe am 8. Juni: “Die Wirtschaftsfamilien der Stadt: Wandel der Branche – neue Ideen – Generationenwechsel”. Kaschmirdesignerin Iris von Arnim und ihr Sohn Valentin von Arnim waren zu Gast als Beispiel für eine harmonische generationsübergreifende Unternehmensführung.

Spannungsreiche Generations-Beziehungen

Hintergrundinformationen lieferte der Journalist Daniel Haas – jede „Zur Sache, Hamburg“-Veranstaltung basiert auf einem aktuellen Zeit-Artikel. In diesem Fall dem Artikel „Familienunternehmen in Hamburg: Söhnlein Brillant“, der die Relevanz des Themas Generationenwechsel untersucht. „Neunzig Prozent aller Firmen und Konzerne im Land gehören einem einzelnen Unternehmer oder einer Familie, und bis 2018 sollen rund 2.700 Firmen pro Jahr an die nächste Generation übertragen werden.“ Eine beispiellose Welle zu vererbenden Betriebskapitals rolle auf Deutschland zu, so Haas.

Vor diesem Hintergrund hat der Journalist unter anderen auch die Vater-Sohn-Beziehungen von Albert Darboven und Arthur Ernesto Darboven oder Eugen Block und Dirk Eugen Block beleuchtet. Was also ist das Geheimnis von Iris und Valentin von Arnim? Wie kann der Generationenwechsel gelingen?

Von der Wallstreet an die Elbe

Es braucht Zeit, da sind sich Mutter und Sohn einig. Denn auch in ihrem Verhältnis sei Harmonie keine Selbstverständlichkeit. Als Iris von Arnim vor zehn Jahren ihren Sohn fragte, ob er sich eine Mitarbeit im Familienunternehmen vorstellen könnte, war dieser bei der Investmentbank Goldman Sachs in New York beschäftigt. „Doch die dezente Andeutung meiner Mutter, sonst nach strategischen Alternativen suchen zu wollen, brachte mich binnen drei Wochen zurück nach Hamburg“, erzählt der 37-Jährige. Er kam mit seinen ganz eigenen Ideen und Vorstellungen, wie das Unternehmen erfolgreich fortzuführen sei – und die kollidierten durchaus mit den Vorstellungen seiner Mutter.

Bauchmensch trifft auf Analytiker

„Ich hatte keinen konkreten Plan, wie die Zusammenarbeit funktionieren sollte“, sagt Iris von Arnim rückblickend und ihr Sohn ergänzt: „Mir ging es ähnlich und beim Wechsel aus der großen Finanzwelt in die Welt der Mode, mit Kundenkontakt und Produktmarketing kam es wohl zwangsläufig zur Misskommunikation.“ Auch die verschiedenen Temperamente führten zu Spannungen. „Ich bin eher ein Bauchmensch und das hat mich auch immer gut getragen“, sagt Iris von Arnim, die das Unternehmen in den 70er Jahren aus dem Nichts aufbaute. Durch einen Autounfall ans Krankenbett gefesselt, fing sie an zu stricken. Ihre Unikate fanden großen Anklang „und dann ging es eigentlich nur darum, meine Entwürfe zu vervielfachen und zu verkaufen. Das war die Geschäftsidee.“

Heute sei alles wesentlich komplexer geworden, fährt die 71-Jährige fort. Billig-Konkurrenz, Globalisierung und Digitalisierung erforderten ein vor allem analytisches Geschäftsverständnis. Dafür steht Valentin von Arnim, der das operative Geschäft verantwortet, während seine Mutter die Kreativ-Fäden in der Hand behält.

Ein Coach als Beruhigungspille

Hilfe bei der Gratwanderung, das Unternehmen erfolgreich weiterzuentwickeln ohne dabei das Herz der Marke zu beschädigen, bot ein auf Generationenwechsel spezialisierter Coach. „Diese professionelle Unterstützung hat so manches Mal als Beruhigungspille gewirkt, wenn wir zwei Sturköpfe aneinandergerieten“, erzählt Valentin von Arnim. Konflikte ergaben sich etwa aus unterschiedlichen Problemlösungsstrategien. Während Iris von Arnim einen ganzheitlich orientieren Ansatz favorisiert, setzt ihr Sohn auf das Herunterbrechen eines großen Problems auf viele kleine, um eines nach dem anderen abzuarbeiten. Doch im Laufe der Jahre sei das Vertrauen in die Kompetenz des jeweils anderen gewachsen. Ihr Geheimnis: Vertrauen.
Und wie lange soll die vertrauensvolle Zusammenarbeit noch andauern? „Die Wunschvorstellung ist ein langsamer Rückzug“, sagt Iris von Arnim. Nur die Umsetzung falle ihr schwer. „Das Unternehmen ist doch mein Baby“.
ys/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.irisvonarnim.com
www.zeit-stiftung.de

„Zur Sache, Hamburg“

Die Debattenreihe „Zur Sache, Hamburg“ im Bucerius Kunst Forum wird gemeinsam von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius und der ZEIT:Hamburg veranstaltet. Die Diskussionsabende basieren jeweils auf einem aktuellen Artikel aus der ZEIT:Hamburg, bei den jeweils kurzfristig konzipierten Abenden kommt das Publikum direkt mit dem Autor des Artikels sowie mit ausgewählten Experten ins Gespräch. „Zur Sache, Hamburg“ thematisiert ganz unterschiedliche Fragen. Von „Sind wir nicht alle ein bisschen Start-up?“ über „Heimat bauen oder Wie viel Abriss braucht die Stadt?“ bis eben zu „Die Wirtschaftsfamilien der Stadt: Wandel der Branche – neue Ideen – Generationenwechsel“.

ZEIT-Stiftung

Die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius fördert Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur sowie Bildung und Erziehung. Die Stiftung initiiert Debatten zu aktuellen Themen aus Politik und Gesellschaft. Mit dem Thema „Digitale Entwicklung“ befasst sich beispielsweise das Projekt „Bucerius Lab“, das als „Labor für Zukunftsfragen“ den digitalen Wandel als einen zentralen Motor gesellschaftlicher, ökonomischer, politischer und kultureller Veränderungen beleuchtet.

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