Hamburg News / Handel & Finanzen: Der Hamburger Innenstadtbereich ist. u.a. durch vielfältigtste Shoppingmöglichkeiten geprägt. Zudem haben sich z.Bsp. auch Banken, Handelsunternehmen und die Hamburger Börse in dem Kernbereich der Stadt angesiedelt.
Bürgermeister Olaf Scholz - © Senatskanzlei

Scholz zum Brexit: „Keine gute Nachricht“

Auch die Wirtschaft bedauert die Entscheidung - erwartet aber noch keine sofortigen Veränderungen für die norddeutschen Handelspartner

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz hat sich über den Ausgang des EU-Referendums in Großbritannien enttäuscht geäußert. “Es ist wahrlich keine gute Nachricht, dass eine knappe Mehrheit der Briten gegen den Verbleib in der EU gestimmt hat. Lamentieren hilft jetzt aber niemandem. Politik ist dafür da, das Beste auch aus schwierigen Lagen zu machen. In diesem Falle heißt dies zum einen, die enge und wichtige Partnerschaft mit Großbritannien fortzusetzen. Das Vereinigte Königreich verlässt die EU, aber es bleibt Teil der europäischen Familie. Wo alte Bande reißen, müssen wir neue knüpfen.”

Verhandlungen werden dauern

“Wir bedauern die Entscheidung, aber wir respektieren sie“, kommentiert IHK Nord-Geschäftsführer Dr. Malte Heyne in einer ersten Stellungnahme die Entscheidung Großbritanniens für einen Austritt aus der Europäischen Union. „Europa muss nun nach Vorne blicken und einen neuen ´modus vivendi´ mit Großbritannien, einem der wichtigsten internationalen Handelspartner der norddeutschen Wirtschaft, finden.“ Mit dem Tag der Ergebnisbekanntmachung gebe es noch keine unmittelbaren Veränderungen für die norddeutschen Handelspartner und es sei davon auszugehen, dass sich die Verhandlungen über einen längeren Zeitraum hinziehen, so Heyne weiter.

„Unsere im Ausland aktiven Unternehmen brauchen aber langfristige Rechtsicherheit für ihre Investitionen und Geschäftsaktivitäten und möglichst wenig neue Bürokratie.“ In den jetzt anstehenden Austrittsverhandlungen zwischen der EU und dem Inselstaat müssten daher Übergangsfristen mit Augenmaß vereinbart werden, um negative Auswirkungen auf die norddeutsche Wirtschaft gering zu halten, fordert Heyne.

Beispiel darf nicht Schule machen

„Die Hamburger Wirtschaft, für die das Vereinigte Königreich viertwichtigster Wirtschaftspartner ist, bedauert den Wunsch der Mehrheit des britischen Volkes, aus der Europäischen Union auszutreten”, so Fritz Horst Melsheimer, Präses der Handelskammer Hamburg am Freitagmorgen. Es komme jetzt darauf an, dass das britische Beispiel nicht Schule mache. “Nur im Binnenmarkt werden wir unseren Wohlstand erhalten und im globalen Wettbewerb bestehen können. Dies muss den Bürgern besser erklärt werden. Dazu sind auch Strukturreformen notwendig. Der Brexit ist ein Weckruf auch für uns.“

Neue Basis für den Handel

„Der norddeutsche Groß- und Außenhandel bedauert den Brexit und wird versuchen, mit den Folgen so gut wie möglich klarzukommen”, so AGA-Unternehmensverbands-Präsident Dr. Hans Fabian Kruse. Für die Wirtschaft gilt: Wir brauchen schnellstmöglich eine vernünftige Basis für den Handel mit Großbritannien. Abschreckungskonditionen schaden nur uns selbst. Unsere wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem Vereinigten Königreich sind und bleiben eng. Wir müssen Europa insgesamt neu leben.“

Nach dem ersten Schock

“Entgegen den Erwartungen der Märkte haben die Briten für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union gestimmt. Nun gilt es, diesen Schock an den Märkten zu verarbeiten. Nach den ersten panikartigen Reaktionen an den Aktien- und Devisenmärkten dürfte es schnell zu einer Stabilisierung kommen. Das aber hängt heute und in den nächsten Tagen davon ab, wie die Politik in Großbritannien und in der Europäischen Union reagiert”, so die Einschätzung von Prof. Dr. Henning Vöpel, Direktor und Geschäftsführer des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI).

Für eine starke EU

“Weniger Europa ist nicht die Lösung”, so Bürgermeister Olaf Scholz. “Wir brauchen eine demokratische Vertiefung der Europäischen Union. Sie muss sich als Union der Bürgerinnen und Bürger bewähren. Viele Briten wählten den Brexit aus einem Gefühl der Machtlosigkeit. Sie glaubten dem Versprechen, dass Politik wieder steuerbarer wird, wenn sie sich hinter die Zäune des Nationalstaats zurückzieht. Das Gegenteil stimmt. Nur eine starke und handlungsfähige Europäische Union gibt uns die Möglichkeit, aus der Globalisierung etwas Gutes für unser Leben zu machen.”
kk

Quellen und weitere Informationen:
www.hamburg.de
www.hk24.de
www.aga.de
www.hwwi.de

"Ein trauriger Tag für Großbritannien und ein Wake Up Call für Europa"

Ich lebe im Norden von London, hier haben die Leute mit großer Mehrheit für Remain gewählt, vor dem Haus von Boris Johnson standen die Menschen und buhten, man ist fürchterlich enttäuscht von den ehemaligen Mayor der Stadt, die Leute haben alle Angst um die Zukunft der City, die mit Abstand der größte Arbeitgeber ist, die Stimmung ist hier sehr gedrückt, natürlich auch weil in London so viele Europäische Bürger leben, die nun nicht wissen ob sie in England bleiben können, braucht man wieder Visa etc. ....

Es war eine Wahl gegen das Establishment, die bestehende herrschende politische und wirtschaftliche Klasse. Die arbeitende Bevölkerung ist mit den Themen Globalisierung, Digitalisierung und Veränderung der Gesellschaft offenbar nicht zurecht gekommen. London hat mit großer Mehrheit für Remain gestimmt, doch dort leben die besser ausgebildeten Menschen, die die Vorteile der Union sehen.

Christoph Lampert, HamburgAmbassador in London und Managing Partner bei der Investment Managing Gesellschaft HollyHedge

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