Hamburg News / Handel & Finanzen: Der Hamburger Innenstadtbereich ist. u.a. durch vielfältigtste Shoppingmöglichkeiten geprägt. Zudem haben sich z.Bsp. auch Banken, Handelsunternehmen und die Hamburger Börse in dem Kernbereich der Stadt angesiedelt.
© Prof. Dr. Henning Vöpel HWWI

Nach der US-Wahl: Globalisierung braucht neue Antworten

HWWI-Chef Prof. Dr. Hennig Vöpel zu den globalen Folgen der Trump-Wahl und der Bedeutung für Hamburg

Mit der Wahl Donald Trumps gelangt der sich seit einiger Zeit ausbreitende Rechtspopulismus ausgerechnet in die größtmögliche politische Macht: in das Präsidentenamt der Vereinigten Staaten von Amerika, der größten Volkswirtschaft, der stärksten Militärmacht und der bedeutendsten Demokratie. Zusammen mit dem Brexit, der die Welt mit ähnlicher Wucht und Überraschung getroffen hat, lässt sich – ob man es will oder nicht – feststellen: Die alte Globalisierung, die mit der globalen Finanzkrise an eine Zeitenwende gelangt war, ist in 2016 demokratisch abgewählt worden. Wir müssen das, was offenbar in vielen Gesellschaften passiert, tiefer verstehen, um eine Antwort darauf zu finden, eine tunlichst bessere, als die Populisten es verheißen. Denn ob Boris Johnson oder Donald Trump: Ihre kruden Rezepte und Versprechungen sind ebenso falsch wie gefährlich.

Mögliche Folgen für Hamburg

Was Trump wirklich umsetzen wird, ist unklar. Sollte er seine Wahlkampfankündigungen aber wahr machen und auf eine protektionistischere Wirtschaftspolitik setzen, würde das den internationalen Handel mittelfristig schwächen. Auch Hamburg als wichtigste Handelsdrehscheibe Deutschlands könnte die Folgen zu spüren bekommen. Die USA sind für Hamburg der fünftwichtigste Wirtschaftspartner weltweit, der Umschlag im Hamburger Hafen würde leiden. Ein neuer Protektionismus und eine zunehmende Abschottung könnten die Globalisierung zurückdrehen. Trumps Außen- und Sicherheitspolitik könnte die Welt zudem in eine Ära der Instabilität führen und die Weltwirtschaft zusätzlich belasten. Erst der Brexit, nun der Trump-Sieg: 2016 ist das Jahr, in dem deutlich wird, dass die alte Globalisierung am politischen Scheideweg steht.

Vertrauen muss zurückgewonnen werden

Die Globalisierung hat fragmentierte, in Teilen frustrierte Gesellschaften hinterlassen. Das Versprechen der Demokratie, das Versprechen der Marktwirtschaft, gerechten Wohlstand zu erzeugen, ist nicht gehalten worden – ausgerechnet im Land des sozialen Aufstiegs, des amerikanischen Traums, des liberalen Kapitalismus. Die Mittelschicht, die so wichtig für die Stabilität einer Gesellschaft ist, hat nicht mehr genügend an den Globalisierungsgewinnen partizipiert. Das Vertrauen in Politik, in Institutionen, in Eliten hat als Folge dieser Entwicklung schweren Schaden genommen. Dass die Entscheidung für den Brexit und die Wahl Trumps ein Sieg der Alten gegen die Jungen, der Provinz gegen die Stadt, der Emotionen gegen die Rationalität gewesen ist, liefert eine Erklärung, aber keine Antwort.

Die Globalisierungskrise ist im Kern eine Legitimationskrise. Nur mit einem neuen Modell der Globalisierung kann Akzeptanz zurückgewonnen werden. Europa kann dabei eine wichtige Rolle spielen und neue Einheit gewinnen, statt vom Populismus zerteilt zu werden. Die Abwahl der alten Globalisierung darf keinen Rückfall in Nationalismus und Protektionismus bedeuten wie vor hundert Jahren.

Von Prof. Dr. Hennig Vöpel, Chef des Hamburgerischen Weltwirtschaftsinstituts HWWI

Weitere Informationen:
www.hwwi.org

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