Hamburg News / Handel & Finanzen: Der Hamburger Innenstadtbereich ist. u.a. durch vielfältigtste Shoppingmöglichkeiten geprägt. Zudem haben sich z.Bsp. auch Banken, Handelsunternehmen und die Hamburger Börse in dem Kernbereich der Stadt angesiedelt.
©  C. O. Bruch

Neue Beratungsstelle für migrantische Unternehmer in Hamburg

Die Handelskammer fördert migrantische Firmengründer mit einer neuen Abteilung. Schon heute gibt es viele innovative Gründer mit ausländischen Wurzeln in Hamburg

Ein türkischer Gemüsehandel, ein chinesisches Restaurant und gleich um die Ecke eine polnische Autowerkstatt – Hamburgs Straßenzüge sind von einer Vielzahl migrantischer Unternehmen geprägt. Ein Zufall ist die starke Präsenz migrantischer Betriebe nicht: „Migranten sind im Durchschnitt gründungsaffiner“, sagt Dr. Toufic El Masri von der Handelskammer Hamburg. Dies bescheinigt auch eine aktuelle Studie im Auftrag der Friedrich Ebert Stiftung. Demnach werde jede sechste unternehmerische Neugründung in Deutschland auf Migranten zurückgeführt.

Beratung für migrantische Unternehmer

In Hamburg leben ca. 550.000 Menschen mit Migrationshintergrund, was einem Bevölkerungsanteil von etwa 30 Prozent entspricht (Melderegister 2013). Damit liegt der Anteil in der Hansestadt deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 20,3 Prozent (Statistisches Bundesamt 2014). „Hier verbirgt sich ein großes wirtschaftliches Potential“, sagt der promovierte Wirtschaftswissenschaftler El Masri.

Gezielt habe die Handelskammer daher zum 1. August eine neue Abteilung als Anlaufstelle für Unternehmer mit ausländischen Wurzeln ins Leben gerufen. In der Abteilung „Migrantische Unternehmen“ sollen Kompetenzen aus verschiedenen Bereichen gebündelt werden, um speziell auf den Beratungsbedarf von Unternehmern mit Migrationshintergrund einzugehen. Dabei stehe neben der Beratung von Mitgliedsunternehmen der Handelskammer und Integrationsprogrammen, auch die Unterstützung von Migranten, die eine Unternehmensgründung planen, im Vordergrund.

Geballte Sprachkompetenz

Aufgebaut wurde die Abteilung von Dr. Toufic El Masri. Er und seine zwei Mitarbeiter haben selbst einen Migrationshintergrund. So sollen sie den Unternehmern nicht nur mit fachlicher, sondern auch mit kultureller Kompetenz zur Seite stehen. Neben Englisch, Spanisch und Französisch können sich Dr. El Masri und seine Kollegen auch auf Arabisch, Türkisch, Farsi und Dari verständigen.

Beratung bei typischen Hindernissen

Auf die Frage, was eigentlich ein migrantisches Unternehmen sei, hat Dr. El Masri keine einfache Antwort parat. „Das typische migrantische Unternehmen gibt es nicht“, sagt der gebürtige Libanese. Orientieren würden sich er und seine Kollegen an einer Definition des statistischen Bundesamtes, wonach der Gründer eines Unternehmens selbst oder mindestens ein Elternteil im Ausland geboren sein müsse, damit das Unternehmen als migrantisch eingestuft werde. In der Praxis gehe es jedoch darum herauszufinden, ob ein Gründer die typischen Probleme eines migrantischen Jungunternehmers, darunter insbesondere Sprach- und Bürokratiehürden, aber auch Schwierigkeiten bei der Anerkennung von Berufsabschlüssen, habe.

Migrantische Unternehmer in wissensintensiven Dienstleistungsberufen

Dass migrantische Unternehmer verstärkt in bestimmten Branchen tätig würden, möchte Dr. El Masri nicht ohne Einschränkung bestätigen. Natürlich gäbe es Statistiken, die zeigten, dass Osteuropäer häufig im Baugewerbe oder Russen und Ukrainer oftmals im Import-Export-Geschäft tätig würden. „Unsere Erfahrungen gehen über solche Muster hinaus. Zu uns kommen Türken, die eine Pizzeria, oder Chinesen, die ein japanisches Restaurant, eröffnen wollen. Klischees werden in unserer täglichen Arbeit selten bedient.“ Zudem steige der Anteil migrantischer Unternehmer in wissensintensiven Dienstleistungsberufen, etwa in technischen und wirtschaftlichen Beratungen, Gesundheitsdiensten und Medienberufen.

Welle von Neugründungen

Dr. El Masri sieht Chancen in der Förderung migrantischer Jungunternehmer. „Ein fremder kultureller Hintergrund kann Vorteile haben. Migrantische Gründer bringen neue Ideen und wertvolle Kontakte mit. Sie sind eine Bereicherung für die Stadt.“ Hamburg sei heute schon im Bundesvergleich überdurchschnittlich stark von migrantischen Unternehmen geprägt. In Anbetracht des aktuellen Zustroms von Flüchtlingen nach Hamburg geht Dr. El Masri davon aus, dass in abesehbarer Zeit eine Welle migrantischer Neugründungen anstehe. Dann werde die neue Abteilung der Handelskammer vollständig ausgebaut und strukturiert sein, um dem gesteigerten Beratungsbedarf gerecht zu werden.
ca/kk

Quellen und weitere Informationen:
www.hk24.de
www.hamburg.de
www.library.fes.de

Hintergrund zur Abteilung „Migrantische Unternehmen“

Die am 1. August gegründete Abteilung „Migrantische Unternehmen“ im Geschäftsbereich „Unternehmensförderung, Existenzgründung“ soll Kompetenzen bündeln, um migrantische Unternehmer zu beraten. Neben der Betreuung von Jungunternehmern steht die Beratung und der Dialog mit Mitgliedsunternehmen im Fokus, u.a. um die Integration junger Migranten in den Arbeitsmarkt voranzutreiben. In diesem Zuge baut die Abteilung eine Datenbank auf, die ehrenamtliche Paten für Betriebe, in denen Flüchtlinge integriert werden sollen, listet. Grundsätzlich ist jeder, der die Sprache von Migranten spricht, als Pate geeignet. Besonders erwünscht sind jedoch Paten aus migrantischen Unternehmen, die selbst eine Zuwanderergeschichte haben. In der Abteilung „Migrantische Unternehmen“ arbeiten neben Dr. Toufic El Masri, der gebürtige Afghane Bahram Habib, und Ayhan Saka, Hamburger mit türkischen Wurzeln. Zusätzlich wird die Abteilung durch die Volljuristin Aylin Jacob unterstützt.

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