Hamburg News / Handel & Finanzen: Der Hamburger Innenstadtbereich ist. u.a. durch vielfältigtste Shoppingmöglichkeiten geprägt. Zudem haben sich z.Bsp. auch Banken, Handelsunternehmen und die Hamburger Börse in dem Kernbereich der Stadt angesiedelt.
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„Hamburg Declaration bei G20 wäre ein gutes Signal an die Welt“

Die HamburgAmbassadors repräsentieren die Hansestadt ehrenamtlich im Ausland. Kurz vor G20 äußern sie ihre Erwartungen in den Hamburg News

Um große Themen der Weltpolitik geht es auf dem G20-Gipfel am 7. und 8. Juli in Hamburg. Die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit richtet sich in diesen Tagen auf die Hansestadt. Die HamburgAmbassadors leben unter anderem in London, New York, Paris, Kapstadt und Buenos Aires. Kurz vor G20 äußern sie sich zum Gipfel in den Hamburg News.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz sagte, er halte den G20-Gipfel angesichts internationaler Krisen für notwendig. Der Dialog über Krieg, Verfolgung, Klimawandel und Freihandel dürfe gerade jetzt nicht abreißen. Beim Gipfel treffen sich 19 Staats- und Regierungschefs der G20, sieben weiterer Vertreter von Gaststaaten, Vertreter der EU sowie verschiedener internationaler Organisationen in der Hamburger Messe.

Welche Signale können bestenfalls von dem Gipfel ausgehen, welche Bilder werden bleiben? Hamburg News befragte dazu einige der 33 HamburgAmbassadors, die in 21 Ländern hochrangige Positionen in Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft bekleiden und Hamburg in ihren jeweiligen Gastländern ehrenamtlich repräsentieren. Wie ist die Wahrnehmung in Metropolen wie Paris, London, New York, Atlanta, Boston, Kapstadt und Buenos Aires?

Von Hamburg aus könnte ein Signal in die Welt gehen

„Es gibt nur wenige Städte in der Welt, deren Geschichte und Prosperität so sehr mit der Globalisierung verbunden ist wie Hamburg. Daher würde es unserer Stadt gut anstehen und zudem vor dem Hintergrund der Geschichte unserer Stadt glaubwürdig sein, wenn ein Teilergebnis des G20-Treffens in der Hansestadt eine „Hamburg Declaration on the Benefits of an Open and Multilateral World Economy“ wäre, so HamburgAmbassador Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Michalski in Paris. „Eine solche Deklaration würde den Namen unserer Stadt für viele Jahre mit dem Kampf gegen den Protektionismus verbinden“, so der Ambassador und Autor des Buches „Capitalising on Change in a Globalising World; A View from Hamburg.“

„Ein deutliches Signal wäre in dieser Zeit sinnvoll“, so auch Dieter Elsner, HamburgAmbassador in Atlanta, USA. Nötig wäre aus seiner Sicht eine breit angelegte Informationskampagne über die volkswirtschaftlichen Vorteile des Freihandels und vor allem die katastrophalen Folgen von Protektionismus und Isolationismus. „Neben dem freien Handel per se geht es auch um das Bekenntnis zu multinationalen Handelsabkommen im Gegensatz zu bilateralen Vereinbarungen, die in Europa wegen der Struktur der EU ohnehin schwer realisierbar sind. Jedes Signal hilft!“, bekräftigt HamburgAmbassador Bodo Liesenfeld aus Boston.

Großbritannien: „Gipfel hat nach der Wahl enorme Bedeutung bekommen“

"Eine vernetzte Welt gestalten" - der Kreuzknoten symbolisiert das Motto der deutschen G20-Präsidentschaft.

Über 10.000 Teilnehmer werden in der Stadt erwartet, darunter allein fast 5.000 Journalisten und Medienvertreter. Das Thema ist aber nicht in allen teilnehmenden Ländern gleichermaßen präsent. Die Reform des Arbeitsmarktes in Frankreich, der Brexit – der politische Fokus vieler Länder ist derzeit stark nach innen gerichtet. „Der G20 Gipfel wird in den USA von den bekannten aktuellen Themen überschattet“, so Liesenfeld weiter. „America first“ sei in einer G20 Gruppe ohnehin nur schwer unterzubringen.

Auch in Südafrika spielte das Thema zumindest zum Zeitpunkt der Befragung Mitte Juni keine dominierende Rolle in den Medien. „Beherrschende Themen sind innerpolitisch, wie die Bekämpfung der Korruption und Auseinandersetzungen um die Regierungsfähigkeit der regierenden Partei ANC“, so HamburgAmbassador Wolfgang Jakob aus Kapstadt. „Südafrika befindet sich immer noch am Anfang seiner freiheitlichen, demokratischen Entwicklung. Sicher wird auf dem Gipfel auch um Investitionen geworben. Am Rande erwarte ich Gespräche zwischen den BRICS Staaten.“

Wenn die Air Force One landet, rückt Hamburg in den Fokus

„Es wird vom G20 in Germany gesprochen, wenn man überhaupt etwas liest“, so die Beobachtung von HamburgAmbassador Sven Oehme aus New York. „Erst wenn die Air Force One landet, rückt Hamburg ins Rampenlicht. Die Wahrnehmung wird dann davon abhängen, wie der Ablauf des G20 Summits sein wird.“

Anders das Interesse in Großbritannien: „Durch die verlorene Wahl der Konservativen hat der Gipfel enorme Bedeutung erlangt, da durch den Brexit Fragen wie nationale Sicherheit, Welthandel, Grenzsicherheit, nationaler Wohlstand und das Verhältnis zu den Partnern in der EU riesige Bedeutung und Interesse bekommen haben“, so Christoph Lampert, HamburgAmbassador in London. „Der Gipfel steht natürlich im Vordergrund aber man wird Hamburg wahrnehmen, auch im Vorfeld wurde in der Presse schon darüber berichtet“, so der Finanzmanager aus der britischen Hauptstadt.

Auch Argentinien blickt mit Spannung auf den Gipfel. „In Argentinien ist G20 schon deswegen ein großes Thema, weil das Land nach Deutschland die G20 Präsidentschaft übernimmt und somit 2018 den G20-Gipfel ausrichten wird. Bundeskanzlerin Angela Merkel war Anfang Juni in Buenos Aires. Mit der Regierung von Mauricio Macri besteht in allen Themenbereichen völlige Übereinstimmung“, so HamburgAmbassador Matthias Kleinhempel aus Buenos Aires.

Welche Themen werden die Delegationen im Gepäck haben?

Globale Integration und offener Welthandel, Klimaschutz und gemeinsame Terrorismusbekämpfung werde der argentinischen Delegation sicher besonders wichtig sein, so Kleinhempel weiter. „Fragen der geopolitischen Balance, die Sicherheitspolitik, die Bekämpfung des Terrorismus, die Sicherung eines hohen, nachhaltigen und inklusiven Wirtschaftswachstums, die Erhaltung einer offenen und multilateralen Weltwirtschaft sowie die Entwicklung Afrikas sind alles Themen, die für Frankreich eine besondere Relevanz haben“, so Michalski aus Paris.

„Sicherlich wird die US-Delegation streng auf der Linie der bisher deutlich erkennbaren Trump-Politik marschieren. Das heißt, sie wird von “America first” bestimmte Themen wie Terror-Bekämpfung, Eindämmung der Flüchtlingsströme vor allem in Richtung USA, und vielleicht eine Revision des Klima-Abkommens voranstellen sowie Einleitung von Gesprächen über individuelle Handelsabkommen einschließlich NAFTA-Neuverhandlung“, glaubt Dieter Elsner aus Atlanta.

„Der G20 Gipfel ist sehr wichtig in England im Hinblick auf die politische Situation. Wie wirkt May’s Minderheitsregierung auf die anderen, kann England sich als unabhängiges Land stark positionieren? Das Interesse der Medien und der Bevölkerung wird größer sein als bei früheren Gipfeln“, so Lamperts Einschätzung. „Bewegt sich die EU bei dem Gipfel immer weiter weg von den pre Brexit Positionen? Welche Rolle kann England nun in der Welt spielen? Wird England Europa in Umwelt, Verteidigungs- und Welthandelsfragen folgen oder den USA, oder eine eigene Position vertreten – alles Fragen, die sicher auf dem Gipfel eine Rolle spielen werden.“

G20 gehört ins Zentrum – und Hamburg nutzt die Chance

„Hamburg wird als Gastgeber von den Medien einige Beachtung bekommen“, so Lampert weiter. „Für die Stadt eine einmalige Chance, sich der Welt als weltoffene und handelsfreundliche Stadt zu präsentieren – eine echte Alternative in vieler Hinsicht zu London, das mit ähnlichen Attributen wirbt, aber seit dem Brexit-Beschluss zunehmende Schwierigkeiten hat, das glaubhaft zu vermitteln.“

„Auch wenn die Ausrichtung des G20-Meetings in heutiger Zeit mit besonderen sicherheitspolitischen und logistischen Herausforderungen verbunden ist, begrüße ich es, dass Hamburg sich hiervon nicht hat abschrecken lassen“, so auch Michalski (Paris) anerkennend.
Autorin: Karolin Köcher

Weitere Informationen zum G20-Gipfel:
www.hamburg-news.hamburg/weltpolitik
www.hamburg-news.hamburg/weltoeffentlichkeit
www.hamburg-news.hamburg/airport

HamburgAmbassadors 2016
Das HamburgAmbassador-Programm

Sie tragen Hamburg in die Welt: Die 33 HamburgAmbassadors, die in 21 Ländern ehrenamtlich die Interessen der Stadt vertreten. Vom 8. bis 10. Mai traf sich das Netzwerk zu seiner jährlichen Tagung in Hamburg, die in diesem Jahr unter dem thematischen Schwerpunkt „Digitale Stadt“ stand.

Das internationale Netzwerk besteht seit zwölf Jahren und ist in seiner Struktur einmalig in Deutschland. Die Ambassadors üben ein Ehrenamt aus, in das sie vom Ersten Bürgermeister berufen werden. Die Fäden des Netzwerks laufen bei Hamburg Marketing zusammen, hier werden inhaltliche Themen festgelegt, organisiert und koordiniert.

Die HamburgAmbassadors sind so etwas wie ehrenamtliche Botschafter im Ausland. Sie werben in ihrem jeweiligen Land für Hamburg und helfen mit, Hamburg in der Welt bekannt zu machen.
www.marketing.hamburg.de

Die Teilnehmer des G20-Gipfels

Neben den G7-Ländern (USA, Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Italien, Japan und Kanada) gehören bei G20 auch Russland, die Schwellenländer China, Brasilien, Indien, Indonesien, Argentinien, Mexiko und Südafrika sowie Australien, Südkorea, Saudi-Arabien, die Türkei und die Europäische Union zu den Teilnehmern. Spanien hat einen ständigen Gaststatus.
Zusätzlich nehmen die Chefs vieler internationaler Organisationen wie der UNO, der Weltbank, des Weltwährungsfonds, der WTO, der OECD und der Internationalen Arbeitsorganisation teil. Außerdem werden die Vorsitzenden regionaler Organisationen wie etwa der Afrikanischen Union, des Verbandes Südostasiatischer Nationen und der New Partnership for Africa’s Development eingeladen.

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