Hamburg News / Handel & Finanzen: Der Hamburger Innenstadtbereich ist. u.a. durch vielfältigtste Shoppingmöglichkeiten geprägt. Zudem haben sich z.Bsp. auch Banken, Handelsunternehmen und die Hamburger Börse in dem Kernbereich der Stadt angesiedelt.
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Friedrich Görtz:"Stadt beim Thema Globalisierung gut aufgestellt"

Jahrestreffen des Familienunternehmer-Verbands in Hamburg - Interview mit dem Hamburger Landesvorsitzenden

Der Bundesverband kommt am 21. und 22. April in Hamburg zu den jährlichen „Familienunternehmer-Tagen zusammen – eine Veranstaltung, die traditionell von regen Diskussionen mit hochrangigen Ehrengästen lebt. In diesem Jahr mit dabei: Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, der ehemalige Vizepräsident der Europäischen Kommission Professor Günter Verheugen oder Heinz Buschkowsky, ehemaliger Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln.

90 Prozent aller deutschen Unternehmen sind Familienunternehmen, sie stellen fast 60 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze und rund 80 Prozent der Ausbildungsplätze in Deutschland. Aus dieser Position heraus nimmt der Verband Stellung zu aktuellen Fragen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Hamburg News sprach mit dem Hamburger Landesvorsitzenden Friedrich Görtz zum Erfolgskonzept Familienunternehmer sowie zu Themen wie Digitalisierung und Globalisierung.

Hamburg News: Was erwartet die Teilnehmer bei den Familienunternehmer-Tagen?

Friedrich Görtz: Ein breites Spektrum verschiedener Themen. Zum einen geht es um die Integration der Flüchtlinge. Dazu wird am ersten Tag Detlef Scheele, Vorstand der Bundesagentur für Arbeit, einen Vortrag unter dem Titel „Integration ist Arbeit“ halten und Heinz Buschkowsky, ehemaliger Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln, spricht zum Thema „Ein Land – zwei Welten? Wie gelingt Integration?“ In der Folge hoffen wir verschiedene Lösungsansätze herausarbeiten zu können, denn die Deutsche Wirtschaft ist angewiesen auf neue Arbeitskräfte. In diesem Zusammenhang werden wir sicher auch das Thema Einwanderungsgesetz besprechen, aber auch unsere Forderung nach einer Flexibilisierung des Rentenalters erneuern.

Hamburg News: „Die Familienunternehmer“, das ist die politische Interessenvertretung von 180.000 Familienunternehmen in Deutschland mit acht Millionen sozialversicherungspflichtigen Mitarbeitern. Was macht einen erfolgreichen Unternehmer aus?

Friedrich Görtz: Erfolg entsteht, wenn ein Unternehmer das macht, was der Kunde will – so einfach ist das im Grunde. Das erfordert ein hohes Maß an Aufmerksamkeit: Die Hand am Puls des Geschehens zu haben, offen für Anregungen aus dem Mitarbeiterkreis zu sein und über die Grenzen unseres Landes hinauszuschauen, gegebenenfalls international tätig zu sein und sich auf das Auslandsgeschäft entsprechend vorzubereiten, also weiterzubilden. Und selbstverständlich auch im Punkto Digitalisierung vorn mitzuspielen – auch wenn das oftmals erhebliche Investitionen erfordert.

Hamburg News: Wie steht es mit dem Unternehmer-Nachwuchs? Ist es für Jugendliche ein attraktives Ziel Unternehmer zu werden oder gibt es das Bild des nur auf Gewinn-Maximierung ausgerichteten Unternehmers, der vielleicht gerade die Generation Y nicht so sehr anspricht?

Friedrich Görtz: Der Begriff ´Unternehmer` ist tatsächlich ein Stück weit belastet und nach dem Grund müssen wir nicht lange suchen. Nehmen Sie das Thema Steuervermeidung international agierender Konzerne oder die aktuelle Diskussion um die Manager-Boni bei VW. In Familienunternehmen gäbe es diese Diskussion nicht. Das verhindert die Haltung gegenüber den Mitarbeitern. Wenn Mitarbeiter Kürzungen erfahren müssen, ist es eine Selbstverständlichkeit, dass der Chef sich keine Boni erlaubt. Zudem gilt für Familienunternehmer die Einheit von Risiko und Haftung, durch die sich waghalsige Geschäfte verbieten. Auch das unterscheidet uns von einigen managergeführten Unternehmen. Leider belasten einzelne Skandale stets die gesamte Branche.

Hamburg News: Digitalisierung und Globalisierung sind viel diskutierte Herausforderungen, gerade für Familienunternehmer. Wie beurteilen Sie den aktuellen Stand in Ihrem Verband?

Friedrich Görtz: Das lässt sich nicht so pauschal beantworten, weil wir ein branchenübergreifender Verband sind. Unsere Mitglieder kommen aus dem Handel ebenso wie aus der Fabrikation oder der Schifffahrt und haben ganz unterschiedliche Anforderungen, was die Digitalisierung betrifft. Aber ich denke, es ist Konsens, dass Digitalisierung eine wesentliche Voraussetzung ist, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein.

Was die Globalisierung betrifft, so ist da vor allem Hamburg aus langer Tradition gut aufgestellt. Das fängt in den Zeiten der Hanse an und diesem Geist des weltweiten Handels ist Hamburg stets verpflichtet geblieben. Wir, „Die Familienunternehmer“, unterstützen deshalb auch das Transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP), weil wir darin eine wesentliche Chance für den Mittelstand sehen, die Exporte in die USA weiter auszubauen. Um es ganz einfach zu sagen: Globalisierung ist grundsätzlich gut!“
ys/kk

Interview: Yvonne Scheller

Friedrich Görtz

Im Verband „Die Familienunternehmer – ASU e.V.“ haben sich unter dem Motto „Freiheit, Eigentum, Wettbewerb, Verantwortung“ Unternehmer zusammengeschlossen, die mindestens eine Million Euro Jahresumsatz erwirtschaften, mindestens zehn 10 Mitarbeiter beschäftigen und über einen Eintrag ins Handelsregister oder in eine Handwerksrolle verfügen.

Der Hamburger Landesvorsitzende Friedrich Görtz, 70 Jahre, entstammt der bekannten Hamburger Schuhhändlerfamilie. Die Ludwig Görtz GmbH wurde 1875 von Johann Ludwig Görtz in Barmbek bei Hamburg gegründet.
www.familienunternehmer.eu

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