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Fast 4,2 Mio. Euro für Kolleg-Forschergruppe an der Universität Hamburg

Forschergruppe „Jüdischer Skeptizismus“ unter Federführung der Universität Hamburg bewilligt. Das Acht-Jahre-Projekt beginnt im Oktober 2015

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die neue Kolleg-Forschergruppe „Jüdischer Skeptizismus“ (Humanities Centre for Advanced Studies – Jewish Scepticism/HCAS-JS) unter Federführung der Universität Hamburg bewilligt. Das Projekt ist auf acht Jahre angelegt und wird ab Oktober 2015 zunächst für vier Jahre von der DFG mit fast 4,2 Millionen Euro gefördert. Sprecher ist der Hamburger Prof. Dr. Prof. h.c. Giuseppe Veltri von der Fakultät für Geisteswissenschaften am Institut für Jüdische Philosophie und Religion.

Wann ist etwas “wahr”?

Das HCAS-JS betrachtet das Thema des jüdischen Skeptizismus. Skeptizismus ist eine Richtung in der Erkenntnistheorie, die bereits seit der Antike kontrovers diskutiert wird. Sie basiert auf dem Zweifel an der Möglichkeit des Wissens und stellt alles prinzipiell und immer wieder in Frage. Obwohl das Hinterfragen aller Aspekte des Lebens ein grundlegendes Merkmal des Judentums ist und Skepsis das erkenntnistheoretische Verstehen der Realität in der jüdischen Philosophie wesentlich bestimmt, wurde dieser Blickpunkt in der bisherigen Forschung sowohl zum Skeptizismus als auch zur jüdischen Philosophie kaum berücksichtigt.

Im Rahmen des HCAS-JS wird Skeptizismus in seiner allgemeinen Bedeutung verstanden als Untersuchung von weltlichen wie geistlichen Überzeugungen und Erkenntnissen, als der Ausdruck von Zweifel gegenüber jeder Art von Autorität. Das beinhaltet zum einen die Frage nach dem Wahrheitskriterium, also nach welchen Maßstäben etwas überhaupt als „wahr“ gelten kann. Und zum anderen die Haltung, ein Urteil über einen Sachverhalt gezielt aufzuschieben, um Dogmatismus – also das unkritische Festhalten an bestehenden Lehr- und Glaubenssätzen – zu vermeiden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen das Thema von zwei Seiten beleuchten: Zum einen wollen sie Skeptizismus als philosophische Strömung innerhalb der jüdischen Tradition untersuchen, zum anderen interessiert sie die Skepsis als Grundeinstellung, deren kulturelle Ausprägungen analysiert werden sollen.

Transkulturelle, internationale Forschung mit Fellowship-Programm

Um die Komplexität der jüdischen Skepsis und ihre Verknüpfung mit anderen Traditionen in der westlichen Philosophie und Kultur zu untersuchen, bietet das Format der Kolleg-Forschergruppe beste Möglichkeiten. HCAS-JS ist transkulturell angelegt, Im Rahmen eines neuen Fellowship-Programmes werden neben 15 Hamburger ProfessorInnen auch internationale WissenschaftlerInnen aus verschiedenen Disziplinen in die Forschung eingebunden. Ein Schwerpunkt der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wird auf der Erforschung der Frühen Neuzeit (ca. 1500 bis 1800) als einer Epoche der Wiederentdeckung und Neubewertung antiker Skepsis liegen.

Insgesamt hat die DFG vier neue Kolleg-Forschergruppen eingerichtet. Bundesweit bestehen damit jetzt elf. Sie sind ein speziell auf geisteswissenschaftliche Arbeitsformen zugeschnittenes Förderangebot und werden für einen Zeitraum von insgesamt acht Jahren gefördert.
him

Quelle und weitere Informationen:
www.uni-hamburg.de

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