Hamburg News / Handel & Finanzen: Der Hamburger Innenstadtbereich ist. u.a. durch vielfältigtste Shoppingmöglichkeiten geprägt. Zudem haben sich z.Bsp. auch Banken, Handelsunternehmen und die Hamburger Börse in dem Kernbereich der Stadt angesiedelt.
© Fair Trade Stadt Hamburg/Heike Siegert

Faire Woche in Hamburg: Für mehr Fairness im Handel

Zum Beispiel Bananen. Nach Äpfeln sind sie das beliebteste Obst in Deutschland. In Supermärkten werden sie oft als „Price fighter“ eingesetzt

Rund 1,3 Millionen Tonnen Bananen werden im Jahr nach Deutschland eingeführt. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt bei gut 8,5 Kilo, Tendenz steigend. Nicht einmal 3 Prozent davon stammen aus Fairem Handel. Zum Vergleich: Die Schweizer konsumieren zu über 50 Prozent Fairtrade-Bananen. Woran das liegt, wollte die Fair Trade Stadt Hamburg wissen und Ansatzpunkte sondieren, was Hamburg für mehr Fairness im Bananenhandel tun kann.

Bananen werden als “price fighter” eingesetzt

Zur Eröffnung der diesjährigen Fairen Woche vom 12. bis 26. September in Hamburg brachte sie deshalb drei Akteure an einen Tisch: den Hamburger Obst- und Gemüseimporteur Mike Port von Port International, Sonja Tesch von der Hafengruppe Hamburg, die seit über 20 Jahren bei Alternativen Hafenrundfahrten die Ungerechtigkeiten im Welthandel unter die Lupe nimmt, und Martin Beckmann, Pressesprecher der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein AG (VHH). Die VHH unterstützt seit drei Jahren aktiv den Fairen Handel, indem sie für die eigenen Kantinen wo möglich fair gehandelte Produkte kauft.

„Noch bieten fast alle Supermärkte in Deutschland und Europa Bananen als „Price fighter“ für preisempfindliche Konsumenten an, die sich die Preise merken und vergleichen“, bringt Mike Port die Problematik auf den Punkt. „Deshalb werden Bananen zu knapp kalkuliert. Dies führt im Einzelhandel zu einem harten Wettbewerb um den günstigsten Kilopreis.“

Fair gehandelte Bananen selten zu erhalten

Die Konsequenz bis heute: Obwohl nur rund 10 Eurocent/Kilo (USD 2,32 pro Bananenkiste à 18,14 kg netto) teurer im Einkauf bei den Produzenten – inklusive Fairtrade-Zulage – seien fair gehandelte Bananen hierzulande nach wie vor selten zu erhalten. „Leider ist es uns bis heute nicht gelungen, eine der Handelsketten in Deutschland davon zu überzeugen, die konventionellen („Nicht-Bio“) Bananen gegen Fairtrade-Bananen auszutauschen“, begründet Port.

Chance für den Handel

In England, den Niederlanden und der Schweiz sei das schon länger anders. Dort gibt es große Ketten, die die konventionell gehandelten Bananen komplett aus dem Sortiment genommen haben. „Auch hierzulande wäre es eine Chance für den Handel, sich aus der Preisspirale zu lösen und die anerkannt nachhaltige konventionelle Banane für nur etwas mehr Geld anzubieten“, ist Port überzeugt. Weitere nennenswerte Steigerungen im Biosegment, die zwischen 2012 und 2014 zu einer Verdoppelung des Fairtrade-Gesamtmarktes in Deutschland geführt hat, hält er jedoch kurz- und mittelfristig für schwierig. „Eine nennenswerte Ausdehnung des Bananenanbaus ist auf Grund begrenzter klimatisch geeigneter Zonen nicht möglich. Und auch der weltweite Klimawandel wirkt leider kontraproduktiv“, begründet Port. Er ruft den Einzelhandel deshalb dazu auf, mit der konventionellen Fairtrade-Banane ein nachhaltiges Produkt in die Regale zu bringen.

Problem der Marktkonzentration

Kritik am konventionellen Bananenanbau kommt von Sonja Tesch: „Der hohe Pestizideinsatz schädigt die Bevölkerung. Die Monokulturen verwüsten ganze Landstriche. Und man hört immer wieder von Arbeitsbedingungen, bei denen die Landarbeiter sich weder organisieren dürfen noch über Gesundheitsrisiken aufgeklärt werden.“ Tesch sieht das Hauptproblem in der großen Marktkonzentration. „Rund 80 Prozent des globalen Bananenmarkts werden durch vier multinationale Unternehmen kontrolliert. Die Multis sind so stark, dass sie den Regierungen in den Schwellenländern bis heute die Handelsbedingungen diktieren, auch wenn diese für die eigene Bevölkerung ungünstig sind.“

Als fairer Arbeitgeber profilieren

Die VHH hat vor drei Jahren als erstes Unternehmen in Hamburg die Konsequenz gezogen und ist auf fair gehandelte Bananen umgeschwenkt. „Im Rahmen unseres Tarifvertrags Demografischer Wandel haben wir festgeschrieben, dass wir soweit möglich fair gehandelte Produkte einkaufen. Mit Bananen für unsere Betriebshöfe haben wir angefangen“, erläutert VHH-Pressesprecher Martin Beckmann. Dahinter steht der Wunsch der Geschäftsleitung, sich gegenüber den Mitarbeitern, die aus 60 Nationen stammen, als fairer Arbeitgeber zu profilieren. „Viele unserer Mitarbeiter kommen aus Ländern, die unter unfairen Handelsbeziehungen leiden“, so Beckmann. „Da ist uns wichtig, uns nicht nur hier vor Ort gegenüber unseren Mitarbeitern fair zu verhalten – sondern auch gegenüber den Menschen in ihren Herkunftsländern.“

Die Hamburger sind ihrerseits aufgefordert, am Freitag, den 26. September 2014 um 5 vor 12 kundzutun, dass ihnen fair gehandelte Bananen wichtig sind. Der Verein TransFair e.V. lädt zum Ende der Fairen Woche zum „Banana Fairday“ auf die Wiese vor dem Hamburger Michel ein. Eigens zu diesem Zweck wird die Turmuhr des Hamburger Michels mit einem riesigen Banner verkleidet. Die Botschaft, die massenweise Unterstützer sucht: „Es ist 5 vor 12: Wir wollen Fairtrade-Bananen überall da, wo es Bananen zu kaufen gibt.“
ker

Quelle und weitere Informationen:
www.fairtradestadt-hamburg.de.

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